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Anekdotenreiche Tour durch Kneipen-Geschichte

235 Kilo - kam Deutschlands dickster Wirt aus Wössingen?

Amüsanter und lehrreicher Einblick in die Wössinger Lokalgeschichte: Eine dreistündige Ortsführung rückt ehemalige und aktuelle Gasthäuser des Walzbachtaler Ortsteils in den Fokus. Wer teilnimmt, erfährt viel über die einstige Wirtshausdichte und über dicke Wirte.

Entlang der ehemaligen Gaststätten: Wolfgang Eberle führte den Ortsrundgang durch Wössingen. Foto: Arnd Waidelich

Gaststätten waren schon immer ein Ort der Geselligkeit. Ähnlichen Charakter trug jetzt der Ortsrundgang, bei dem Wolfgang Eberle ein diskussionsfreudiges, siebenköpfiges Grüppchen entlang ehemaliger Gaststätten in Walzbachtal-Wössingen führte. Jede einzelne Station wurde geradezu gespickt mit Anekdoten nicht nur vom Protagonisten selbst, sondern auch von dem einen oder anderen Teilnehmer, der seine Jugend in Wössingen verbrachte.

Das begann schon am Ausgangspunkt, dem Rathausplatz, der bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs Heimat der wohl stattlichsten Wössinger Gaststätte war. Schon 1799 sei der Schwanen zum ersten Mal erwähnt worden, als der Kauf von sechs Fässern Wein in Weingarten protokolliert wurde. Dem Schwanen war allerdings nach knapp 250 Jahren ein mehr als trauriges Ende beschieden. Am 4. April 1945 habe er einen Tag vor dem Einmarsch der französischen Armee einen Bomben-Volltreffer erhalten, der ihn vollständig zerstörte.

Uralte Illustrationen machen die Runde

Gleich daneben wartete das Lamm. Dort hatten in der Nachkriegszeit Sulzfelder Wirte die Regie übernommen und die Wössinger mit etlichen bisher nicht bekannten Spezialitäten, beispielsweise mit dem „Kurz und Langs“, verwöhnt. Nur wenige Meter entfernt zeugte der Adler von der ehedem enormen Wirtshausdichte in Wössingen. Dort residierte ebenfalls nach dem Zweiten Weltkrieg der „Lach-Wirt“, für den nomen est omen galt. Sein Nachfolger stand gar in dem Ruf, mit seinen 235 Kilogramm Deutschlands dickster Wirt zu sein.

An den vielen Stationen, an denen der Trupp die nächsten drei Stunden Halt machte, musste man sich nicht allein auf das gesprochene Wort verlassen. Claudia Eberle führte in einer geräumigen Tasche einen Schatz mit sich. Sie zückte uralte Illustrationen der jeweils gerade besuchten Orte, und die Illustrationen machten die Runde.

Keine Sorge um den Alkohol-Nachschub

Um den alkoholischen Nachschub für die Gaststätten habe man sich in Wössingen nie Sorgen machen müssen, war beim Rundgang noch zu erfahren. In etlichen Gewannen habe es Weinanbaugebiete gegeben, die erst im Laufe des 19. Jahrhunderts der Reblaus zum Opfer fielen und einer Anordnung des Markgrafen, verstärkt Streuobstbau zu betreiben, wie Eberle aus alten Akten zitierte.

Eine zentrale Wössinger Stelle war die Kreuzung von Wössinger und Alter Straße, wo Ochsen und Löwen in unmittelbarer Nachbarschaft nebeneinander standen. Im Ochsen war unter anderem zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine Grammofonfabrik untergebracht, gefolgt von Theater, Disco und Kino. Der Ochsen steht nicht mehr. Er wurde 2003 abgerissen. Der benachbarte Löwen allerdings wird zurzeit renoviert. Bei ihm darf man wieder auf eine glänzende Zukunft hoffen.

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