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Eine Momentaufnahme

Das erwarten in der Hardt lebende US-Amerikaner von Joe Biden

Nach der US-Wahl ist bei vielen Amerikanern, die in der Hardt leben, Erleichterung zu spüren. Die BNN haben nachgefragt, was nun die Erwartungen an den neuen Präsidenten sind.

09.11.2020 Cliffton und Kendra Johnson, US-Bürger in Walzbachtal wählten Präsident Foto: Rake Hora /BNN

Die frohe Nachricht kam am Samstagnachmittag: „We won!“, rief die in den USA lebende Mutter von Clifton Johnson ihrem Sohn am Telefon zu. Der 44-jährige Deutsch-Amerikaner war in seiner Garage in Jöhlingen gerade damit beschäftigt, einen Anhänger zu reparieren. Das, erzählt er den BNN im Gespräch, habe er noch zu Ende gebracht, dann eine Flasche Sekt geköpft und mit seiner Frau auf den Sieg des demokratischen Bewerbers um die Präsidentschaft, Joe Biden, angestoßen.

Auch im Freundeskreis von Johnson war die Erleichterung zu spüren. Die größte Hoffnung sei, dass „es jetzt vorbei ist“, so der Tenor, und dass sich der Wahlkrimi nicht noch weiter in die Länge zieht. Die US-Amerikaner Nicholas Turner, Fredrick Marsy und Peter Shepton leben ebenfalls in Walzbachtal - und hatten schon vor Wochen ihre Stimmen per Briefwahl abgegeben, wie sie berichten.

Dass der amtierende Präsident Donald Trump den Kampf noch nicht aufgegeben hat - und sich beharrlich weigert, den Sieg des Demokraten anzuerkennen, sei „typisch für Trump“, ist sich Clifton Johnson sicher. „Das hat er schon vorher klar erklärt - und ich weiß nicht, warum ihn dann 70 Millionen Amerikaner gewählt haben“.

Darunter übrigens auch einige seiner in den Staaten lebenden Freunde, wie Ehefrau Kendra erzählt. Ihr Mann pflege den Kontakt zu diesem Freundeskreis, doch sei man sich einig, nicht über Politik zu reden. „Sonst hätte das wahrscheinlich schlimme Folgen.“

Zahlreiche Biden-Anhänger feiern in New York City den Wahlausgang. Foto: Seth Wenig/AP/dpa

„Hollywood-Politik“ von Trump

Sie selbst habe zwar auch an der Wahl teilgenommen, sagt die Tochter eines Deutschen und einer US-Amerikanerin, die in Deutschland geboren wurde und deswegen beide Pässe besitzt, doch sei sie „nicht so leidenschaftlich wie mein Mann“, wenn es um die US-Politik gehe. Durch Trump sei eine „Hollywood-Politik“ entstanden, findet Kendra Johnson, und sie wünsche sich jetzt, dass es wieder „eine ganz normale Politik gibt, die sich auf die Probleme der Bürger in den USA besinnt“.

Sektkorken knallten auch in Stutensee: Philip Coldon, der in Wirklichkeit einen anderen Nachnamen hat, möchte seinen echten als Mitarbeiter im konsularischen Korps nicht in der Zeitung lesen. Seine Frau und er, erzählt er, hätten beide Biden gewählt und hofften nun, dass die tiefen Gräben zwischen den Anhängern beider Kandidaten, die der Wahlkampf gerissen habe, irgendwann wieder verschwinden. „Wir sind doch alle Amerikaner, darauf müssen wir uns wieder besinnen. So, wie es Joe Bide ja auch formuliert hat.“

Ein bekennender Trump-Wähler ist dagegen Marc Hebert aus Linkenheim-Hochstetten. Der war indes am Montag telefonisch nicht zu erreichen.

Eine weitere Biden-Wählerin ist Danielle Johnson. Die Schwester von Clifton Johnson, lebt seit vier Jahren ebenfalls in Walzbachtal und besitzt wie dieser beide Staatsangehörigkeiten. In den nächsten Wochen und Monaten werde es einige Gerichtsverfahren geben, ist sie sich sicher, wobei es „durchaus demokratisch“ sei, wenn dort nochmal die Stimmen ausgezählt würden, wo es sehr knapp gewesen sei. „Das gab es in der Vergangenheit schon immer mal.“

Den demokratischen Bewerber hätten in den großen Städten des Landes viele gewählt, die eigentlich anderen Parteien zugehörig seien, nur um weitere vier Jahre Trump zu verhindern, lautet ihre Analyse. Biden stehe nicht unbedingt politisch links, sondern sei mehr ein konservativer Demokrat.

Positiv wertet es Danielle Johnson, dass mit Kamala Harris erstmals eine Frau als Vizepräsidentin gewählt worden sei. „Ich denke, sie kann Biden helfen, das massive Rassenproblem, das es in den USA nach wie vor gibt, anzupacken“, sagt die Walzbachtalerin, die sowohl an der Ostküste (Maryland) als auch an der Westküste (San Francisco) gelebt hat.

Und die neue Spitze im Weißen Haus hat ihrer Meinung nach noch weitere dicke Bretter zu bohren - Stichwort Klimawandel, Stichwort Umweltprobleme. „Es ist wichtig, dass der Präsident auf die teils lauten Stimmen hört, die es in der Vergangenheit dazu gegeben hat.“

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