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Vorbehalte im Gemeinderat

Lärm und hoher Wasserverbrauch Zementwerks in Walzbachtal-Wössingen bereiten Sorge

Im Gemeinderat von Walzbachtal gibt es Vorbehalte gegenüber der Emissionsbilanz des Zementwerks Wössingen trotz guter Werte.

Im Blickpunkt: Das Zementwerk bei Wössingen ist ein prägendes Element auf der Gemarkung von Walzbachtal. Rund 800.000 Tonnen Zement werden dort jährlich produziert. Foto: Klaus Müller

Die alljährliche Emissionsbilanz des Zementwerks Wössingen hört sich zunächst einmal gut an. Alle Grenzwerte seien deutlich unterschritten worden, vermeldete Jörg Heimburg in der jüngsten Sitzung des Walzbachtaler Gemeinderates.

Der Pressesprecher des Zementwerkes stellte dem Gremium die Emissionsbilanz vor. In dieser geht es um Stoffe in fester, flüssiger und gasförmiger Form, die im Produktionsprozess frei werden können und somit in die Atmosphäre (Luft) gelangen. Einer dieser Stoffe ist beispielsweise das Kohlendioxid, das mitverantwortlich für die Erderwärmung und den damit verbundenen Klimawandel ist.

Bei der Zementherstellung wird – vereinfacht ausgedrückt – unglaublich viel CO2 freigesetzt. Deutschlandweit waren es 2019 rund 20 Millionen Tonnen. 500.000 Tonnen davon sollen es laut Gemeinderat Michael Futterer (Grüne) im Zementwerk Wössingen gewesen sein.

Die Krux dabei: Auf Zement kann derzeit – und das wahrscheinlich noch über einen langen, wenn nicht sogar sehr langen Zeitraum – nicht verzichtet werden. Er dient als Bindemittel für Baustoffe, insbesondere für Beton. So werde beispielsweise Zement auch für den Bau von Windkraftanlagen gebraucht, sagte Heimburg.

Zementwerk in Walzbachtal-Wössingen bewegt die Gemüter

Dass das Thema Zementwerk in Walzbachtal nicht erst seit gestern die Gemüter bewegt und dass sich trotz der jährlich sinkenden Emissionswerte die Begeisterung bei etlichen Gemeinderäten über das Werk vor ihrer Haustür in Grenzen hält, wurde bei der Gemeinderatssitzung deutlich.

Die Sitzung leitete übrigens in Vertretung von Bürgermeister Timur Özcan (SPD) seine Stellvertreterin Jutta Belstler (CDU). In den Fokus, um nicht zu sagen in die Kritik, gerieten unter anderem der vom Zementwerk „emittierte“ Lärm und der hohe Wasserverbrauch für die Kühlung dortiger Anlagen. Das Zementwerk nehme mit 110.000 Kubikmeter Wasser 25 Prozent des Trinkwasserbedarfs von Walzbachtal in Anspruch, sagte Andrea Zipf (Grüne). Und dies in einer Gemeinde, die voraussichtlich ab 2035 Probleme mit der Trinkwasserversorgung bekomme.

„Wir entnehmen aus zwei Brunnen Grundwasser“, berichtete Pressesprecher Heimburg. Nebenbei: Grundwasser kann, muss aber nicht Trinkwasserqualität haben. Zehn Cent pro Kubikmeter zahlt das Zementwerk dafür an den Landkreis. Mehr Schutz für Mensch und Umwelt – allein durch die Einhaltung der Grenzwerte wäre das nicht gewährleistet – sage Silke Meyer (SPD).

Ofen des Zementwerks ist in Wössingen zu hören

Je nach Windrichtung wäre der Ofen („Drehrohofen“ für die Zementherstellung) 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche in Wössingen zu hören. Heimburg verwies nicht nur in diesem Zusammenhang darauf, dass im Zementwerk ständig an einer noch deutlicheren Unterschreitung der Grenzwerte – auch für Lärm – gearbeitet werde.

Gleichwohl konnte er nicht jede Frage aus dem Gremium abschließend beantworten. Stichwort Reduktion von CO2: Bedingt durch den Herstellungsprozess im bis zu 1.450 Grad heißem Drehrohrofen dürften CO2-Emissionen kaum vermeidbar sein. Bislang ließe sich noch nicht sagen, wie das zu vermeiden wäre, räumte Heimburg auf Nachfrage ein.

Ein anderes Thema, das so manchen Gemeinderat umtreibt, ist die Renaturierung von (vormaligen) Kalksteinbrüchen. Kalkstein ist für die Zementgewinnung unabdingbar. Im alten Steinbruch sehe es „furchtbar“ aus, urteilte Michael Plaumann (CDU). In etwa zwei Jahren, so Heimburg, solle dort die Auffüllung des Geländes abgeschlossen sein.

Hintergrund: Zementwerk

Das Zementwerk in Wössingen gehört zum Unternehmen Opterra, das wiederum ein deutsches Tochterunternehmen der CRH-Gruppe („Cement Roadstone Holding / Dublin) ist. Im Werk Opterra Wössingen arbeiten 119 Menschen. Die jährliche Produktionskapazität beträgt rund 800.000 Tonnen Zement. In den vergangenen Jahren hat das Unternehmen nach eigenen Angaben 60 Millionen Euro in die Modernisierung und Erneuerung der dortigen Anlangen investiert. Bis 2050 will die deutsche Zementindustrie „CO2-neutral“ und damit klimaneutral werden. Zur Zementherstellung werden nach wie vor gewaltige Mengen fossiler Brennstoffe und Ersatzbrennstoffe wie Müll und Abfälle benötigt. kdm

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