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Gefahren des Alkohols

Trockener Alkoholiker aus Walzbachtal: „Saufen, schlafen, erbrechen: So sah mein Dahinsiechen aus“

28 Jahre hat der Walzbachtaler Frank Milbich gesoffen. Dann wagte er den kalten Entzug. Heute warnt er landesweit in Schulen oder bei Elternabenden vor den Gefahren des Alkohols.

älterer Mann im T-Shirt sitzt vor Schülern
Klärt auf: Frank Milbich warnt in Schulen, in Vereinen oder bei Elternabenden vor den Gefahren des Alkohols. Foto: Andrea Baron

Die Schüler einer achten Klasse des Karlsruher Lessing-Gymnasiums hören aufmerksam zu, während Frank Milbich aus seinem Leben erzählt. Der Walzbachtaler ist trockener Alkoholiker. Und er war ganz unten.

Schonungslos und radikal ehrlich berichtet er ihnen über die 28 Jahre, in denen er fast nie nüchtern war. Über die Zeiten, in denen er von Hartz IV und Ein-Euro-Jobs lebte und sich schon morgens die ersten Biere und Schnäpse in seiner Stammkneipe genehmigte. Er trank täglich bis zu drei Flaschen Whisky, Wodka oder Jägermeister.

Alkohol-Diebstähle im Supermarkt und zerbrochene Freundschaften

„Ich habe viel Mist gebaut in meinem Leben. Die Scham darüber bleibt für immer“, sagt der 60-Jährige. Er berichtet von Autofahrten unter Alkoholeinfluss, Alkohol-Diebstählen in Supermärkten, zerbrochenen Freundschaften und wie er sein fünf Monate altes Baby im Kinderwagen vor dem Supermarkt vergaß, weil er so betrunken war. Die Beziehung zur Mutter des gemeinsamen Sohns scheiterte.

„Ich habe dann eine Weile in einer kleinen Wohnung gelebt. Außer einem Kühlschrank, einem Radio und einer Luftmatratze stand sonst nichts drin“, schildert der gebürtige Jöhlinger seine damalige Situation.

„Saufen, schlafen, erbrechen: So sah lange Zeit mein Dahinsiechen aus. Mit der Zeit waren viele innere Organe schwer in Mitleidenschaft gezogen. Alles war entzündet, von der Speiseröhre bis zur Bauchspeicheldrüse. Auch meine Blutwerte waren katastrophal“, erzählt Milbich.

Ich dachte, ich sei cool, wenn ich am meisten trinke.
Frank Milbich, trockener Alkoholiker

Begonnen habe alles in seinem Sportverein und der damals beliebten Tradition des „Stiefeltrinkens“, bei dem ein Glasstiefel reihum ausgetrunken wurde. Erst mit Cola-Bier gefüllt, später mit Jack-Daniels- oder Asbach-Bier. „Ich dachte, ich sei cool, wenn ich am meisten trinke“, sagt Milbich. „Völlig idiotisch, das ist mir heute klar. Es war ein schleichender Prozess. Anfangs trank ich vor allem Bier. Dann kam das Hochprozentige dazu, denn irgendwann wachst du morgens schon mit einem Zittern auf und musst trinken, damit es aufhört. Ab dem Moment bis du ein Suchtkranker.“

Weitere Infos

frankmilbich.de

Familie und Freunde versuchten in Gesprächen vergeblich, ihn vom Trinken abzuhalten. Nach einer Untersuchung beim Hausarzt, zu dem ihn seine Mutter regelrecht hinschleifen musste, war klar: Wenn er so weitermacht, hat er nicht mehr lange zu leben. Es drohten Leberzirrhose und Organversagen. Eine Bemerkung des Mediziners legte den Schalter bei ihm um: „Dein Sohn wird bald eingeschult. Er wird seinen Mitschülern dann sagen müssen, dass sein Alter sich tot gesoffen hat.“

Trockener Alkoholiker aus Walzbachtal: Kalter Entzug statt Klinikaufenthalt

Milbich trank zunächst trotzdem weiter. Einen Klinik-Entzug lehnte er ab. Aber am 1. Januar 2005 wagte er allein in seiner Wohnung den kalten Entzug. Seine Schwester versorgte ihn mit Lebensmitteln. „Die Hölle! Zittern, Lähmungen, Halluzinationen, Panik – es war alles dabei.“

Alles war entzündet, von der Speiseröhre bis zur Bauchspeicheldrüse. Auch meine Blutwerte waren katastrophal.
Frank Milbich, trockener Alkoholiker

Es ist still im Klassenzimmer, als er von seinen Qualen berichtet. Nur die Fotos von seinem kleinen Sohn halfen ihm damals, das Martyrium zu überstehen. Seitdem hat er nie wieder einen Tropfen angerührt und geht bis heute zu den Treffen der Anonymen Alkoholiker. Er weiß: „Wenn ich wieder anfange, ist das mein Todesurteil.“

2010 machte Milbich sich selbstständig und hält seitdem in ganz Baden-Württemberg Vorträge an Schulen, Vereinen und bei Elternabenden. Rund 65.000 Schüler haben seine Geschichte schon gehört. Inzwischen ist er wieder glücklich verheiratet, sein 23-jähriger Sohn arbeitet erfolgreich im Sportmarketing. „Er ist das einzig Gute, das ich in meinem Leben zustande gebracht habe“, sagt Milbich.

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