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Landratsamt arbeitet weiter

Pflegeheime bleiben in Corona-Krise Sorgenkinder im Kreis Karlsruhe

Die Zahlen auf der Corona-Karte für den Landkreis Karlsruhe steigen. Besonderen Einfluss darauf hat die Situation in mehreren Pflegeheimen mit zahlreichen Infizierten. Derweil denkt Landrat Christoph Schnaudigel aber auch an die Zeit nach der Krise.

Nach Priorität und Absprache: Im Landratsamt Karlsruhe gehört der rege Besucherverkehr in der Corona-Krise vorerst der Vergangenheit an. Sicherheitspersonal kontrolliert, wer ein und ausgehen darf, damit die Behörde weiterarbeiten kann. Foto: Hora

Vor etwa einem Monat hat eine erste Meldung die Befürchtungen bestätigt: Das Coronavirus macht auch vor dem Landkreis Karlsruhe keinen Halt. Der Test eines Schülers aus Ettlingen fällt positiv aus. Seine gesamte Klasse und einige Lehrer werden daraufhin nach Hause geschickt. Inzwischen sind alle Schulen leer. Täglich kommen Infektionen in weiteren Städten und Gemeinden hinzu.

Schließlich verzeichnet der Landkreis einen ersten Toten infolge einer Erkrankung mit Covid-19. Dann folgt der erste Corona-Fall in einem Pflegeheim in Stutensee. Die Kreiskarte zeigt zuletzt 686 bestätigte Fälle an, aber auch 203 genesene Menschen.

„Ich denke nicht, dass es Sinn macht über noch extremere Einschränkungen nachzudenken“, sagt der Karlsruher Landrat Christoph Schnaudigel. Die Bisherigen würden Wirkung zeigen. An ihre Grenzen stoßen sie allerdings dort, wo Kontakte nötig sind – etwa in Pflegeeinrichtungen wie in Stutensee oder Bretten-Neibsheim.

Steigende Covid-19-Zahlen aufgrund der Infektionen in Einrichtungen

Die Sorge um die Heime werde den Landkreis und die Stadt Karlsruhe die kommende Zeit wohl am meisten beschäftigen, vermutet Schnaudigel in einer gemeinsamen digitalen Pressekonferenz.

„Die steigenden Fallzahlen sind auf die Infektionen dort zurückzuführen“, sagt er. Zwölf Bewohner einer solchen Einrichtung sind insgesamt bereits an den Folgen des Coronavirus gestorben, rund 130 weitere sind infiziert, teilt das Landratsamt mit. Daneben seien über 70 Mitarbeiter erkrankt.

Stadt und Landkreis rekrutieren Freiwillige für Pflegeheime

Um den Betrieb sicherzustellen, rufen die Stadt und der Landkreis gemeinsam Freiwillige mit Erfahrungen im Pflegebereich zur Unterstützung auf. Elf ehemalige Pflegekräfte rekrutierten sie so für das Heim in Neibsheim, sagt Schnaudigel.

„Auch andernorts wurde deutlich, dass es vollkommen illusorisch ist, manche Bevölkerungsgruppen vollständig isolieren zu können“, bewertet er die Lage weiter. Auf Hilfsleistungen und damit auch menschliche Kontakte sind die Bewohner angewiesen. Dabei ergebe sich Gelegenheit für eine potenzielle Übertragung des Virus.

Wir können die Pflegeheime jetzt nicht alleine lassen.
Christoph Schnaudigel, Landrat des Landkreises Karlsruhe

„Wir mobilisieren sämtliche Reserven, um die Versorgung sicherzustellen. Dazu zählen mitunter auch die Rettungsdienste“, so Schnaudigel. Niedergelassene Hausärzte werden ebenfalls zur Kooperation gebeten. „Wir können die Pflegeheime jetzt nicht alleine lassen.“

Im Friedrichstaler Seniorenzentrum Haus Edelberg sind mehr als 30 Bewohner und Pflegekräfte mit dem Coronavirus infiziert. Foto: Raviol

Kreis hat freie Beatmungs- und Intensivkapazitäten

Eine enge Zusammenarbeit erfolge auch mit den Kliniken. „Die Welle der Infektionen ist noch nicht vorbei“, sagt Schnaudigel. „Corona spielt dort die Hauptrolle. Aber wir haben noch Intensiv- und Beatmungskapazitäten frei.“ Planbare Eingriffe und Behandlungen wurden dazu verschoben. Er befürchtet jedoch, dass diese Kapazitäten auch genutzt werden müssen: „Da kommt noch etwas auf die Kliniken zu.“

Stadt Bretten ist besonders schwer von Coronavirus getroffen

Mit Abstand die höchste Zahl an bestätigten Corona-Fällen hat die Stadt Bretten. Grund dafür ist die Situation im Haus Schönblick in Neibsheim mit um die Hundert infizierten Pflegeheimbewohnern und Mitarbeitern sowie sieben Toten, sagt Oberbürgermeister Martin Wolff.

Alle aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus im Überblick

Die Betroffenheit spüre man in der ganzen Stadt. „Ich hoffe, dass inzwischen auch dem letzten Bürgern der Ernst der Lage klar ist“, so Wolff. „Das Risiko besteht, dass sich das Coronavirus auch außerhalb des Pflegeheims verbreitet.“ Wolff pocht auf das Verantwortungsbewusstsein jedes Einzelnen: „Es geht letztlich um Leben oder Tod.“

Landratsamt arbeitet weiter mit und für Bürger

Nach anfänglicher Skepsis einiger Bürger halte sich die Mehrheit der Bevölkerung derweil an die Eingriffe in die persönlichen Freiheitsrechte, blickt Landrat Schnaudigel auf die allgemeine Situation im Kreis. Einzelne Verstöße gebe es zwar. Die seien aber nicht besorgniserregend. Das Geschehen im Landratsamt könne derweil nicht stillstehen. „Es sind weiterhin alle Dienstleistungen möglich. Aber nach Priorität und telefonischer Absprache“, sagt er. Sonst ziehe sich ein gewaltiger Antragsstau durch das Jahr.

Mit Erlaubnis: KFZ-Zulassungen sind Bürgern möglich, aber auch hierbei vermittelt der Sicherheitsbeauftragte. Foto: Hora

Viele Aufgaben seien jedoch dadurch weniger geworden, dass die Wirtschaft zurückgefahren ist. „Die Arbeit muss auch in den Gremien weitergehen“, so der Landrat. Laufende Baumaßnahmen dürften etwa nicht ins Stocken geraten.

Man kann vieles von einem auf den anderen Tag stoppen, es jedoch nicht genauso schnell wieder hochfahren.
Christoph Schnaudigel, Landrat des Landkreises Karlsruhe

Entwarnung sei dennoch keine angesagt. „Aber wir müssen rechtzeitig über eine Exit-Strategie nachdenken“, sagt er. „Man kann vieles von einem auf den anderen Tag stoppen, es jedoch nicht genauso schnell wieder hochfahren.“ Schnaudigel vermutet, dass Gespräche darüber nach Ostern eine wichtige Rolle einnehmen: „Das heißt nicht, dass das, was wir derzeit machen falsch ist. Aber der Exit muss durchdacht sein.“ Bis zur Normalität sei es noch ein weiter Weg.

Über eine gemeinsame Kooperation suchen der Landkreis Karlsruhe und die Stadt Karlsruhe Freiwillige, die die Pflegeheime mit ihrer Erfahrung unterstützen. Die Aktion trägt den Namen " Hilf im Heim ."

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