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Weltmarktführer

Ping An aus China: Der Tesla-Effekt bei den Versicherungen

Ping An, das hört sich für einen Deutschen ähnlich an wie Ping Pong. Doch dieser chinesische Name steht für den weltgrößten Versicherungskonzern, der selbst Größen wie Allianz und Axa alt aussehen lässt. Jetzt streckt Ping An seine Fühler nach Deutschland aus.

IM VIERTGRÖSSTEN GEBÄUDE DER WELT (rechts) residiert Ping An. 599 Meter ragt es in der chinesischen Stadt Shenzhen bis zur Spitze hoch. Die weltweit größte Versicherung streckt ihre Fühler nun nach Deutschland aus. Foto: dpa

Ping An, das hört sich für einen Deutschen ähnlich an wie Ping Pong. Doch dieser chinesische Name steht für den weltgrößten Versicherungskonzern, der bei Umsatz (2018: 136,3 Milliarden Euro), Nettogewinn (13,8 Milliarden Euro) und Börsenwert (206,3 Milliarden Euro) selbst Größen wie Allianz und Axa alt aussehen lässt. Ping An deckt „sämtliche finanziellen Aspekte im Leben seiner Kundschaft“ ab, so kürzlich das „Manager Magazin“.

Der Konzern ist auch Finanzdienstleister, betreibt die größte Gebrauchtwagenplattform Chinas und hat ein eigenes Gesundheitsportal mit 500 000 Nutzern. Der Gigant scannt seine Klientel und wird im selben Atemzug mit Google, Alibaba oder Amazon genannt. Vor allem aber ist der Finanzkonzern viel flinker als die europäische Konkurrenz: Gerade einmal 168 Sekunden dauert es beispielsweise im Durchschnitt vom Eingang einer Kfz-Schadensmeldung bis zur Zahlungszusage.

Jeder siebte Chinese ist bei Ping An versichert

Und was hat der Ping-An-Konzern (chinesisch für „Sicherheit und Ruhe“) mit dem hiesigen Markt zu tun? Er streckt seine Fühler nach Deutschland aus, ist in Berlin bei der Firma Finleap eingestiegen. Die Ping-An-Software könnte sich so über Europa ausbreiten.

„Jeder siebte Chinese ist bei Ping An versichert“, weiß Volker Fink. Aufgrund seiner Ehrenämter beim Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute (BVK) war der Karlsruher Unternehmer Fink in der chinesischen Botschaft und hat einiges über Ping An erfahren.

BVK-Vertreter Volker Fink: Da rollt was auf die deutsche Branche zu

„Es rollt was auf die deutsche Branche zu. Ich vergleiche es mit dem Automarkt, mit Tesla“, nennt er seine Einschätzung. Fink sagt weiter: „Ping An wird mit seiner Technologie die deutschen Versicherer treiben.“

Dort hat sich bereits einiges getan: Selbst kleine deutsche Assekuranzen setzen mittlerweile die sogenannte Dunkelverarbeitung ein, bei der Versicherungsfälle komplett automatisiert bearbeitet werden. Zudem werden beispielsweise Inhalte von Briefen vom Computer ausgewertet und den jeweiligen Fachabteilungen zugeordnet – aber in Sachen Effizienz dürfte Ping An weltweit der Maßstab sein.

Trotz seiner High-Tech-Vorliebe beschäftigt Ping An 1,4 Millionen Versicherungsvertreter. Insurtechs hingegen setzen nur auf Abschlüsse per Mausklick. Investoren pumpen Milliarden in diese Start-ups. Rund 130 von diesen Versicherungsanbietern, die auf digitale Technik setzen, gibt es bereits in Deutschland. Fink meint, etliche würden wieder vom Markt verschwinden. „Der Bedarf muss erst mal geweckt und erklärt werden.“

Der Schaden im Krefelder Zoo und die richtige Haftungssumme

Persönliche Beratung sei wichtig. Fink nennt ein Beispiel: Man kann zwar im Internet eine Privathaftpflicht bei einem Insurtech abschließen. Es komme aber auf die richtige Haftungssumme an. Er erinnert an den Brand im Krefelder Zoo mit dem hohen Schaden – offenbar ausgelöst von einer Himmelslaterne. Ohne die richtige Deckungssumme „werden diejenigen, die sie steigen ließen, ihres Lebens nicht mehr froh“. Generell sollte eine Privathaftpflichtversicherung vom Gesetzgeber vorgeschrieben werden, fordert Fink.

Auch Verbraucherschützer weisen immer wieder darauf hin, wie wichtig diese Police sei – die viele Deutsche nicht haben.

So lange dies der Fall ist, gibt Karlsruhes BVK-Pressesprecher Ralph Meixner einen Tipp: Es sind Privathaftpflicht-Versicherungen auf dem Markt, die auch dann bei Schäden einspringen, wenn der Versicherungsgegner nicht abgesichert ist.

Der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute ist Berufsvertretung und Interessenverband der selbstständigen Versicherungs- und Bausparkaufleute in Deutschland. Er hat 12.500 Direktmitglieder und 40.000 Mitgliedern über die Vertretervereinigungen.

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