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„Große Sorge“ bei Polizei

Illegale Hochzeitskorsos halten die Polizei auf Trab – auch in Karlsruhe

Hochzeitskorsos werden in Baden-Württemberg immer öfter zum Problem. Zwischen Mai und Oktober zählte die Polizei 46 Fälle. Und die Zahl steigt. Auch in Karlsruhe bremsten schon Korsos den Verkehr aus.

Eine Polizistin steht vor den Fahrzeugen eines Hochzeitskorsos.
In Karlsruhe kam es, wie hier in Köln im Jahr 2019, zu Verkehrsbehinderungen. Foto: Thomas Kraus/dpa/Archivbild

Jubelschüsse in die Luft, Blockade des Verkehrs, Ignorieren von roten Ampeln: Mit dem Abflauen der Pandemie hat auch die Zahl problematischer Hochzeitskorsos im Land wieder zugenommen. Das geht aus einer Antwort des Innenministeriums auf eine Anfrage des verkehrspolitischen Sprechers der AfD-Fraktion, Miguel Klauß, hervor.

Demnach haben zwischen Mai und Oktober 46 Hochzeitskorsos im Südwesten die Polizei auf den Plan gerufen. Sie wurden meist von Beobachtern angezeigt oder fielen Streifenpolizisten direkt ins Auge, sagte ein Sprecher des Innenministeriums.

Einer vorherigen Anfrage zufolge waren es 49 – allerdings für den mehr als doppelt so langen Zeitraum von März 2021 bis April 2022.

Hochzeitskorsos sorgen auch rund um Karlsruhe für Probleme

Auch in Karlsruhe gab es jüngst zwei Vorfälle: Ende Oktober bremsten mindestens zehn hoch motorisierte Fahrzeuge den Verkehr auf der A5 wiederholt bis zum Stillstand herunter, um gleich darauf wieder zu beschleunigen. Drei Wochen zuvor hatte eine Hochzeitsgesellschaft den Verkehr auf der Südtangente teilweise lahm gelegt.

Im Bereich des Polizeipräsidiums Offenburg wurden zwischen Mai und Oktober zwar sieben Hochzeitskorsos registriert, darunter zwei auf der A5, diese verliefen indes offenbar eher unproblematisch. Nur bei einem – im Stadtgebiet Rastatts – seien Verstöße festgestellt worden: Das Missachten von Rotlicht, wie eine Sprecherin auf Nachfrage mitteilte.

Zum Anstieg der Fallzahlen sei anzumerken, dass „pandemiebedingt im vorhergehenden Betrachtungszeitraum insgesamt weniger Hochzeiten stattfinden konnten“, schreibt Staatssekretär Wilfried Klenk in dem Papier.

Die Polizei erfasste mehrere Straftaten und Ordnungswidrigkeiten, etwa Ruhestörung, Nötigung im Straßenverkehr und Verstöße gegen das Waffengesetz.

So wurde auch bei einem Hochzeitskorso in der Karlsruher Oststadt eine Schreckschusswaffe abgefeuert. Dieser Fall ereignete sich allerdings im November und somit außerhalb des erfassten Zeitraums.

Bei mehr als der Hälfte der Fälle stellten die Beamten eine türkische Nationalität der Teilnehmer fest, bei der anderen Hälfte blieb die Nationalität unbekannt. Mehrheitlich hätten die Teilnehmer dieser Korsos „sicherlich einen anderen kulturellen Hintergrund“, sagte der Sprecher des Innenministeriums am Mittwoch.

Immer wieder kommt es nach Angaben des Ministeriums vor, dass Korsofahrer nicht nur hupen und ihr Warnblinklicht aktivieren, sondern über rote Ampeln und Stoppschilder rasen, mit Schreckschusswaffen aus dem Fenster schießen, durch langsames Fahren oder Blockaden den Verkehr ausbremsen und andere Verkehrsteilnehmer gefährden.

Polizei geht laut einem Sprecher verhältnismäßig vor

Dennoch gehe die Polizei stets verhältnismäßig vor, sagte der Sprecher. „Wenn beim Start von Standesamt oder Kirche mal gehupt wird, ist das in Ordnung.“ Das Hupen sollte aber aufs minimale Maß beschränkt sein. Auch Korsos nach Fußballspielen würden entsprechend kontrolliert. „Im Zweifel hält die Polizei Teilnehmer an.“

Den Beamten sind aber in den meisten Fällen trotz aller Appelle und Drohungen die Hände weitgehend gebunden. Wenn die Polizei informiert wird über Verstöße, ist das Treiben häufig schon wieder vorbei. Im Nachhinein sei es dann schwierig, die einzelnen Fahrzeuge mutmaßlichen Vergehen zuzuordnen und die Fahrer zu identifizieren, sagte der Sprecher.

Wir sehen das mit großer Sorge, das sind teils Rituale aus anderen Ländern, die bei uns übernommen werden.
Ralf Kusterer, Deutsche Polizeigewerkschaft

Die Deutsche Polizeigewerkschaft sieht die Entwicklung kritisch. „Wir sehen das mit großer Sorge, das sind teils Rituale aus anderen Ländern, die bei uns übernommen werden“, sagte Gewerkschaftschef Ralf Kusterer. So würden mitunter Waffen mitgeführt, um aus Jubel in die Luft zu schießen.

In anderen Ländern hätten solche Rituale sicher ihre Historie, sagte Kusterer. „Aber wir müssen auf die Einhaltung der Gesetze achten.“ Bei Fällen, wo ein Korso auf der Autobahn anhalte, um eine Hochzeit zu feiern, handle es sich um schwerwiegende Eingriffe in den Straßenverkehr. Mit Blick etwa auf Autokorsos bei Weltmeisterschaften sagte er, er finde nicht, dass mit zweierlei Maß gemessen werde.

Die Polizei müsste mit aller Konsequenz dagegen vorgehen und sich taktisch und strategisch besser auf solche Korsos vorbereiten, sagte Kusterer. So gebe es nun etwa die Dashcam für Einsatzfahrzeuge der Polizei, mit der eine bessere Beweissicherung möglich sei.

Die Türkische Gemeinde in Deutschland wollte sich zu dem Thema am Mittwoch nicht äußern.

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