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Präventionstag 2021

Stadt, Landkreis und Polizei arbeiten in Karlsruhe die Pandemie aus Sicht der Jugend auf

Gewichtszunahme, Gesprächsbedarf und Mediennutzung: Auf das Leben von Kindern und Jugendlichen hat die Pandemie eine besondere Auswirkung. Künftig soll ihnen besser geholfen werden, Krisen wie diese zu überstehen, da sind sich Stadt, Landkreis und Polizei in Karlsruhe einig.

Die Bewegung hat gefehlt: Die Pandemie veränderte den Alltag von Kindern und Jugendlichen. Der Sport im Verein, aber auch das Spielen mit Freunden blieb aus. Körperliche und seelische Folgen davon stehen beim Karlsruhe Präventionstag auf der Agenda. Foto: Christin Klose/dpa-tmn

Besondere Zeiten erfordern eine besondere Betrachtung. Darüber sind sich die Stadt, der Landkreis sowie das Polizeipräsidium Karlsruhe einig.

Ihren gemeinsamen Präventionstag nutzen sie daher, um auf die Corona-Pandemie und ihre gesellschaftlichen Folgen zurückzublicken. Im Mittelpunkt stehen Kinder und Jugendliche, deren körperliche und seelische Gesundheit sowie die Spuren, die das vergangene Jahr bei ihnen hinterlassen hat.

„Was hat gefehlt? Welche Probleme sind in der Krise entstanden?“, fasst Projektleiter Marcel Seekircher die Überlegungen für die Veranstaltung zusammen. Diese fand am Dienstag digital statt und wurde live aus dem Kulturzentrum Tollhaus in Karlsruhe übertragen.

Bis Donnerstag beschäftigt sich das Netzwerk noch in zahlreichen Workshops mit Themen rund um die Fragestellungen. Etwa 500 Pädagogen, Mitarbeiter aus der Verwaltung und Polizisten haben sich dafür angemeldet, teilte Seekircher mit.

Nachbetrachtung mit sofortiger Wirkung

Mit der Nachbetrachtung wolle man erreichen, dass für künftige Krisen besser geplant werden kann, ergänzt er. Soziale Ungleichheit soll künftig durch ähnliche Situationen nicht mehr verstärkt und Nachwirkungen auf die Psyche von Kindern und Jugendlichen sollen minimiert werden. Davon könne man direkt profitieren. „Schließlich sind wir noch immer in der Krise“, sagt Seekircher.

Über digitale Veränderung wurde nicht nur gesprochen: Der Karlsruher Präventionstag wurde am Dienstag bereits zum zweiten Mal in Folge live aus dem Tollhaus zu den Teilnehmenden nach Hause übertragen. Foto: Janina Keller

Margit Freund, Sozialdezernentin des Landkreises Karlsruhe, stimmt zu: „Der Herbst und Winter stehen uns erst bevor.“ Doch die steigende Impfquote erhöhe die Sicherheit, mit der man in diese Zeit gehe.

Freund blickt zurück: „Viele Jugendliche haben sich mit einem Gefühl der Ohnmacht zurückgezogen oder sind in virtuelle Räume geflüchtet.“

Nicht jedes Kind hat eine psychische Erkrankung davongetragen.
Margit Freund, Sozialdezernentin des Landkreises Karlsruhe

In den kommenden Monaten könne es nicht nur um das Aufholen schulischer Defizite gehen, betont sie. Gleichzeitig sei sie dagegen, eine Generation Corona zu schaffen. „Nicht jedes Kind hat eine psychische Erkrankung davongetragen.“ Es gebe auch Familien, die gestärkt aus dieser Zeit hervorgingen.

Anstieg von häuslicher Gewalt bleibt den Zahlen zufolge aus

Die Vermutung, die häusliche Gewalt habe zugenommen, könne sie für den Landkreis nicht bestätigen. „Unsere zusätzlichen Plätze etwa im Frauenhaus wurden nicht gebraucht“, sagt Freund. Über die Dunkelziffer lasse sich jedoch keine Angabe machen.

Auch die Polizei habe keinen signifikanten Anstieg feststellen können, bestätigt Thomas Rüttler, Leiter der Kriminalpolizeidirektion im Präsidium Karlsruhe. „Wenn Eltern und Kinder zuhause einen erschwerten Alltag erleben, ist das nicht gleich strafrechtlich relevant“, so Rüttler.

Martin Lenz, Bürgermeister der Stadt Karlsruhe unter anderem für die Bereiche Jugend, Sport und Soziales, betont die Rolle der sozialen Infrastruktur in den Kommunen.

Denn die Pandemie habe nicht nur seelische sondern auch körperliche Folgen für die Kinder und Jugendliche. Fehlende Möglichkeiten für Bewegung etwa hätten teilweise zu Gewichtszunahme geführt.

Viele Vereine der Stadt verzeichneten einen Rückgang bei den Mitgliederzahlen. „Der Zugang fehlte“, sagt Lenz. Es beginne eine Aufholjagd. Sporttage für die ganze Familie würden beispielsweise bereits gut angenommen.

Es ist logisch, dass sich Jugendliche in die digitale Welt begeben, wenn analog alles wegbricht.
Wilfried Grüßinger, Einrichtungsleiter des Kinder- und Jugendhauses in der Karlsruher Oststadt

Zudem bringen Kinder und Jugendliche einen hohen Kommunikationsbedarf mit aus der vergangenen Zeit, ergänzt Wilfried Grüßinger, Leiter des Kinder- und Jugendhauses Oststadt in Karlsruhe.

„Sie wollen über die Situation zuhause sprechen“, sagt er in einer Gesprächsrunde mit weiteren Experten. Bei dieser stand im Vordergrund, wie sich etwa Armut, Migration, Mediennutzung und familiäre Probleme auf den Umgang mit der Pandemie auswirkten. „Es ist logisch, dass sich Jugendliche in die digitale Welt begeben, wenn analog alles wegbricht“, so Grüßinger.

„Corona macht auf Grundthematiken aufmerksam, die schon immer vorhanden waren“, betont Fabian Scheiter, Leiter der Psychologischen Beratungsstellen im Landkreis Karlsruhe. Es gehe um Basisarbeit unabhängig von einer Krisensituation: Etwa den Selbstwert der Kinder zu stärken oder ihnen dabei zu helfen, mit Emotionen umzugehen. Dazu benötige es eine Rückbesinnung auf die Grundlagen.

Internet

Die Vorträge und Talkrunden zum Auftakt des Karlsruher Präventionstags sind unter folgendem Link weiter verfügbar: www.karlsruher-praeventionstag.de.

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