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Entscheidung gefallen

Preiserhöhung: Die KVV-Tickets werden ab August teurer

Das Geld fehlt in der Kasse des Karlsruher Verkehrsverbunds. Die Einnahmen sind durch die Corona-Krise abgestürzt, Abonnenten kündigen, die Kosten für den Betrieb steigen gleichzeitig. Das Unternehmen reagiert und erhöht seine Tarife um fast vier Prozent. Grund dafür seien Investitionen in die Zukunft.

Die Corona-Krise ist bei den Fahrgastzahlen des KVV sichtbar: Dem Verkehrsunternehmen fehlt Geld - durch Kündigungen, weniger Fahrkarten-Verkäufen und steigende Betriebskosten. Die Tickets werden daher ab August für Kunden deutlich teurer. Foto: Rake Hora /BNN

Für eine Bahn- oder Busfahrt müssen Fahrgäste ab dem Sommer mehr Geld ausgeben. Der Karlsruher Verkehrsverbund (KVV) erhöht seine Preise zum August 2021. 3,78 Prozent mehr kommen durchschnittlich bei den Tickets dazu. Diese mehrheitliche Entscheidung aus dem Aufsichtsrat gab der KVV am Dienstag in einer Pressekonferenz bekannt.

Mit der Anpassung der Preise reagiere der KVV auf steigende Personalkosten, höhere Energiepreise für den Bus- und Bahnbetrieb sowie auf Investitionskosten für den Erhalt und Ausbau der Infrastruktur.

Bereits im Vorfeld führte die Ankündigung der Erhöhung zu heftiger Kritik. Zu diesem Zeitpunkt setze das Vorgehen ein falsches Zeichen. Fahrgäste würden vergrault und nicht gewonnen.

Finanzgrundlage muss geschaffen werden

„Angesichts der Klima- und verkehrspolitischen Ziele steht der KVV wie die gesamte ÖPNV-Branche vor der Herausforderung, die Ausweitung des Angebots oder flexiblere Ticket-Lösungen auf eine solide finanzielle Grundlage zu stellen“, erklärte Frank Mentrup, KVV-Aufsichtsratsvorsitzender.

„Auch wenn eine Tarifanpassung und eine verstärkte Nutzerfinanzierung immer unpopulär sind, müssen wir mit betriebswirtschaftlicher Vernunft auf diese Kostenentwicklungen reagieren“, sagte der Karlsruher Oberbürgermeister Mentrup. Nur so könne der KVV seinen Nutzern weiterhin ein attraktives Angebot machen.

Die beschlossene Tarifanpassung gebe dem KVV etwas mehr Handlungsspielraum zur Gestaltung der klimagerechten Verkehrswende, ergänzte KVV-Geschäftsführer Alexander Pischon. Auch die Folgen der Corona-Krise seien eine wirtschaftliche Herausforderung.

Im Aufsichtsrat kommen Vertreter der Region zusammen

Der Aufsichtsrat des KVV besteht aus insgesamt 28 Mitgliedern, die über die Zukunft abstimmten: Die Stadt Karlsruhe stellt zehn und damit die meisten von ihnen.

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Kündigungen belasten den KVV zusätzlich

Die Preiserhöhung, die nun beschlossen wurde, liegt deutlich über der Inflationsrate von etwa 1,4 Prozent und trifft vor allem Abonnenten. Deren Tarife für Jahres- oder Monatskarten machen die größten Sprünge.

Dabei verlor der KVV im vergangenen Jahr bereits 13 Prozent der Abo-Kunden. Aufgrund der Corona-Pandemie und den damit verbundenen Auswirkungen auf den Alltag kündigten diese. Die Entwicklung hinterlasse im Unternehmen finanziell ihre Spuren, erklärte der KVV.

Um nachzuhelfen, sollen jetzt die Einnahmen durch höhere Preise reguliert werden. KVV-Aufsichtsratsvorsitzender Frank Mentrup fasste die Situation als ein „irres Defizit“ zusammen.

Wissenschaftliche Studien belegen, dass für die Attraktivität des ÖPNV nicht der Preis, sondern die Qualität entscheidend ist.
Frank Mentrup, KVV-Aufsichtsratsvorsitzender und Oberbürgermeister der Stadt Karlsruhe

Die übliche Tariferhöhung im Dezember 2020 blieb aus, um die Senkung der Mehrwertsteuer an die Kunden weiterzugeben. Doch aufgrund sinkender Fahrgastzahlen und steigender Personalkosten fehlt Geld in der Kasse. Mentrup betonte zuvor aber auch: „Wissenschaftliche Studien belegen, dass für die Attraktivität des ÖPNV nicht der Preis, sondern die Qualität entscheidend ist.“

Die „Home Zone“ kommt im Dezember

Bestimmte Kundengruppen würden etwa ab Ende des Jahres von der „Home Zone“ profitieren. Diese wurde im Aufsichtsrat ebenfalls beschlossen. Sie steht ab Dezember 2021 zur Nutzung bereit, wenn auch die Kombi-Lösung an den Start geht und der jährliche Fahrplanwechsel stattfindet. Mentrup nennt das eine „historische Entscheidung“. Damit löse sich der KVV vom klassischen Wabensystem hin zu einer höheren Individualisierung der Tarife.

Doch auch die „Home Zone“ bringe neben den Verbesserungen für einige Fahrgäste auch Mindereinnahmen mit sich. Rund sieben bis acht Millionen werden zusätzlich fehlen.

Neuer Tarif gleich nicht die Coronakrise aus

Infolge der neuen Möglichkeiten, alle Kinder und Enkelkinder kostenlos bei den Tageskarten mitzunehmen, rechnet der KVV mit weiteren 1,5 bis 1,8 Millionen Euro Defizit. Die Preiserhöhung fange maximal die Hälfte dieser Ausgaben auf.

Die Tariferhöhung um fast vier Prozent werde im ersten Moment als sehr hoch wahrgenommen, so Mentrup. „Hätten wir bis Dezember 2021 damit gewartet, wäre sie mitunter bis zu 5 Prozent angestiegen.“ Dass der KVV mit den höheren Preisen seine Handlungsfähigkeit bewahre, sei das richtige Zeichen für den ÖPNV der Zukunft. Die fehlenden Einnahmen aus der Coronakrise gebe man damit aber nicht an die Kunden weiter. Hierfür verhandelt der KVV weiter mit dem Land Baden-Württemberg um einen Rettungsschirm.

Fahrpreiserhöhung sorgt für Unmut

„Eine Fahrpreiserhöhung müsste mit einer Ankündigung zur Verbesserung des Angebots einhergehen“, sagte Charlotte Kämpf, Sprecherin des KVV-Fahrgastbeirats. Besserer Service sei derzeit aber nicht wahrnehmbar.

Ähnlich klingeln auch Kommentare von Nutzern zu den angekündigten höheren Ticketpreisen: Es fehle an Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit.

Landkreis Karlsruhe befürchtet noch mehr Einbrüche bei den Fahrgastzahlen

Die Stimmung des Landkreises Karlsruhe über die anstehende Entscheidung wurde am vergangenen Donnerstag in der Kreistagssitzung deutlich.

Eine Anpassung an die Inflation könne man nachvollziehen. Johannes Arnold, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler, verdeutlichte anhand zweier Spielzeug-Waggons seine Befürchtungen: Ohne Preiserhöhung säßen Fahrgäste in der Bahn. Doch beim Versuch, die Defizite über die Kunden einzuholen, würden diese langfristig fernbleiben.

Wir hätten als Landkreis gerne einen anderen Akzent gesetzt.
Christpph Schnaudigel, Landrat des Kreises Karlsruhe

Man müsse vielmehr überlegen, wie man durch die Pandemie verlorene Kunden wieder zurückgewinne, betonte André Jackwerth von der CDU/Junge Liste-Fraktion. In einer Pressemitteilung kritisierte diese das Vorhaben des KVV als „unzumutbar“.

Landrat Christoph Schnaudigel ordnet im Anschluss an die Pressekonferenz des KVV ein: „Wir hätten als Landkreis gerne einen anderen Akzent gesetzt.“ Ein attraktiver ÖPNV durch günstige Preise. „Bei Tariferhöhungen gibt es selten einstimmige Entscheidungen“, so Schnaudigel. Auf Landkreis-Ebene halte man dennoch an den eigenen Vorhaben im ÖPNV fest. Jedoch befürchtet Schnaudigel, dass immer weniger Fahrgäste immer mehr bezahlen müssen.

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