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Premiere unter der Innenstadt

Erste Bahn ist durch Karlsruher U-Strab-Tunnel gerollt

Die U-Strab rollt im Probebetrieb. Die erste Bahn fuhr am Dienstagmorgen durch den Tunnel für die Stadtbahnen unter der Kaiserstraße. Jetzt beginnt die lange Phase der Inbetriebnahme bis zum wirklichen Start für die Fahrgäste Ende 2021.

Auf Tunnelfahrt: Die erste U-Strab rollt durch die Röhre unter der Kaiserstraße. Foto: Achim Winkel

Für die Stadtentwicklung ist es ein historischer Tag: Erstmals ist am Dienstag, dem 4. August 2020, eine U-Strab im Tunnel unter der Kaiserstraße gerollt. Noch ist es nicht der Regelbetrieb. Der wird nach aktuellem Plan erst zu Weihnachten 2021 einsetzen.

Aber nun hat der Probelauf begonnen: Seit Dienstag testen die Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK) den Stadtbahntunnel. Erst vor vier Tagen haben sie die Regie im Gleisstollen von der städtischen Tochter Kasig, der Bauherrin bei der Umwandlung der City, übernommen. Bis Jahresende will man die technische Abnahme durch die Aufsichtsbehörde erlangen.

Fahrt von der Durlacher Allee zum Mühlburger Tor

Dann soll sich 2020 die Schulung des Personals für den U-Strab-Betrieb anschließen. Gleichzeitig geht der aufwendige Innenausbau der Untergrundstationen in Regie der Kasig weiter.

„Beim ersten Test mit einem Niederflur ging es zunächst darum, mit der Bahn die neu gebaute und bisher noch nicht befahrene unterirdische Strecke zu erkunden und verschiedene Messungen vorzunehmen”, berichtet die Kasig.

Unter Aufsicht: Ein großes Aufgebot von Experten der VBK und der Kasig begleitete die erste Testfahrt im Tunnel. Die Öffentlichkeit war ausgeschlossen. Foto: Achim Winkel

Befahren wurde zunächst nur die Ost-West-Achse von der Rampe in der Durlacher Allee ab dem Gottesauer Platz bis zur Rampe am Mühlburger Tor und umgekehrt. In einem weiteren Schritt wird dann auch der Südabzweig vom Marktplatz in die Ettlinger Allee bis auf Höhe der Augartenstraße getestet.

Bauarbeiter und Bahnen sollen sich nicht in die Quere kommen

Die Kasig und die VBK hatten den Test zusammen vorbereitet: Die Oberleitung hatte mit 750 Volt die notwendige Stromversorgung, das Gleisbett war von allen vom Innenausbau stammenden Hindernissen wie etwa Zwei-Wege-Bagger geräumt worden. Die Oberfläche der Schienen war geschliffen worden.

Unterirdischer Betrieb: Erstmals rollte eine Bahn am Gleisdreieck im Tunnel unter der Kaiserstraße beim Südabzweig am Marktplatz vorbei. Foto: Achim Winkel

„Bauzäune riegeln die Bahnsteige in den sieben unterirdischen Haltestellen gegen das Gleisbett ab, damit sich Bahn und Handwerker nicht gegenseitig in die Quere kommen und die Sicherheit der Mitarbeiter am Bau ebenso gewährleistet ist wie die Sicherheit der an den Testfahrten Beteiligten”, erklärt die Kasig.

Nach zweieinhalb Stunden war der Tunneltest zu Ende, und es herrschte Erleichterung bei den Beteiligten. Alles sei reibungslos verlaufen, betonte der Tunnelbauer Kasig. „Das war ein ganz wichtiger Meilenstein”, freute sich VBK-Geschäftsführer Ascan Egerer im Gespräch mit den BNN. Für ihn sei die erste Tunnelfahrt in der langen U-Strab-Baugeschichte auch „ein emotional bedeutender Tag”, bekennt der VBK-Chef. „Alle Maße sind im Tunnel eingehalten, alle Abstände sind korrekt - das passt” , bekräftigte er.

Ein klarer Fingerzeig Richtung Inbetriebnahme

Nach diesem ersten Prüfungsschritt mit dem Niederflurwagen folgen nun die Tests mit allen anderen Baureihen. Egerer sieht in der gelungenen Testfahrt „einen klaren Fingerzeig” dafür, dass die U-Strab Ende 2021 tatsächlich in Regelbetrieb geht. Der Schaden durch den kürzlichen Wasserrohrbruch im Tunnel habe leider noch die Verlängerung der U-Strab-Bauzeit um ein halbes Jahr auf letztlich zwölf Jahre verursacht. „Wir haben jetzt ein großes Probeprogramm im Tunnel vor uns”, erläutert Egerer.

„Es funktioniert, was wir gebaut haben”, sagt Frank Nenninger, Chef der städtischen U-Strab-Baugesellschaft Kasig „begeistert und sehr gerührt” nach seiner ersten Tunnelfahrt. „Jetzt können wir gut ins Finale bis Ende 2021 gehen”, meint er.

Bei den aktuellen Tests handelt es sich um Profilmessfahrten. Dabei wird in der Praxis untersucht, ob die in der Planungsphase der Kombilösung angestellten theoretischen Berechnungen tatsächlich zutreffen. Es geht laut Kasig um die positiven Antworten auf folgende Frage: Passen die Haltestellen-Bahnsteige zu allen Bahn-Typen? Funktioniert das Ausfahren des Schiebetritts an den Fahrgasttüren problemlos? Ist im Kurvenbereich des Gleisdreiecks unter dem Marktplatz auch der erforderliche Abstand zwischen Bahn und verschiedenen Einbauten an den Betonwänden gewahrt?

Reparatur und Innenausbau laufen parallel

Die Testfahrten sind zu Blöcken zusammengefasst, in denen die Oberleitung unter Spannung steht. „Außerhalb dieser Blöcke wird der Strom abgeschaltet, die Bauzäune an den Bahnsteigen können dann mittels einer besonders gesicherten Tür geöffnet werden, um den Innenausbau der Haltestellen zu vervollständigen”, erklärt Kasig-Pressesprecher Achim Winkel. Auch der Austausch der insgesamt 20 Kilometer langen Kabel, die durch den Wasserrohrbruch beschädigt sind, laufe unter diesen Bedingungen.

Nach den Testfahrten beginnt in einigen Monaten die Phase des technischen Probebetriebs: Dabei wird das Zusammenspiel aller Komponenten auf Herz und Nieren getestet. Dann geht es um das Zusammenspiel der Systeme von Stadtbahnen oder Straßenbahnen mit den Signalen und den Weichen. Die letzte Testphase ist dann 2021 der betriebliche Probebetrieb: Dabei fahren die Bahnen unter Normalbedingungen, aber noch ohne Fahrgäste.

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