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Produkte weiter im Handel

Foodwatch: Babynahrung von Nestlé und Novalac mit Mineralöl belastet

LLaut einem Bericht des Vereins "Foodwatch" ist Babynahrung von Nestlé und Novalac mit Mineralölrückständen verseucht. Es bestehe ein Gesundheitsrisiko. Beide Unternehmen zeigten sich von der Nachricht am Donnerstag überrascht. Anbieter haben die Produkte teils aus dem Verkauf genommen.

ARCHIV - 15.03.2013, Bayern, Straubing: ILLUSTRATION - Ein Löffel mit Baby-Milchpulver. (zu dpa "Kühe aus der Wesermarsch liefern Babynahrung für die Welt" vom 11.02.2019) Foto: Armin Weigel/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ - Verwendung weltweit Foto: Armin Weigel/dpa

Laut einem Bericht des Vereins "Foodwatch" ist Babynahrung von Nestlé und Novalac mit Mineralölrückständen verseucht. Es bestehe ein Gesundheitsrisiko. Beide Unternehmen zeigten sich von der Nachricht am Donnerstag überrascht. Anbieter haben die Produkte teils aus dem Verkauf genommen.

Laut Foodwatch hätten mehrere unabhängige Labortests belegt, dass die Produkte "Beba Optipro Pre, 800 g, von Geburt an" und "Beba Optipro 1800 g, von Geburt an", betroffen seien. Zudem fände sich Mineralöl auch im Produkt "Novalac Säuglingsmilchnahrung Pre, 400g", dass in Deutschland von der Firma Novalac betrieben wird.

Foodwatch ließ in den Labortests nur bestimmte Chargen der jeweiligen Produkte prüfen. "Erfahrungsgemäß beschränkt sich ein solches Problem aber nicht auf eine Charge, sondern betrifft die Produktlinie generell", erklärte ein Sprecher des Vereins.

Die laut den Labortests belasteten Produkte: Novalac Säuglingsmilchnahrung PRE 400g ; Chargennummer: A5952275; Mindesthaltbarkeitsdatum: 11.03.2020 Nestlé BEBA OPTIPRO PRE 800 g von Geburt an ; Chargennummer:  91120346AA; Mindesthaltbarkeitsdatum: 10/2020 Nestlé BEBA OPTIPRO 1 800 g  von Geburt an ; Chargennummer: 9098080621; Mindesthaltbarkeitsdatum: 10/2020;

Die in der Babynahrung offenbar nachgewiesenen Mineralöle gelten als potenziell krebserregend. Die europäische Lebensmittelbehörde (EFSA) bewertet entsprechende Verbindungen als problematisch. Sie könnten das Erbgut verändern und Krebs auslösen.

Rückstände offenbar produktionsbedingt

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) schreibt auf einer Info-Seite, dass Mineralöle krebserregende Substanzen beinhalten können. Eine gesundheitliche Bewertung sei aufgrund der unzureichenden Datenlage derzeit nicht möglich. Einen Grenzwert für Mineralölrückstände in Lebensmitteln gebe es in Deutschland bislang nicht.

Zu möglichen Eintragswegen erklärt das BfR: "Das Institut weist bereits seit Jahren darauf hin, dass der Übergang von Mineralölbestandteilen aus recycelten Kartons auf Lebensmittel möglich zu erwarten ist, da für die Herstellung unter anderem bedrucktes Altpapier verwendet wird, das Mineralölbestandteile aus Zeitungsdruckfarben enthalten kann."

Laut eines Sprechers von Foodwatch verhalte es sich im Falle der belasteten Babynahrung möglicherweise ähnlich: "Die Produktverpackungen bestehen aus Weißblech. Es gibt Anhaltspunkte, dass beim Schneiden und Walzen Schmierstoffe zum Einsatz kommen, aus denen die Belastungen resultieren."

Trockene Lebensmittel potenziell gefährdet

Aus den Einschätzungen von Foodwatch und dem Bundesinstitut für Risikobewertung geht hervor, dass in der Produktion zum Einsatz kommende Mineralöle schon länger als potenzielle Ursache für Verunreinigungen in Lebensmitteln bekannt sind.

Insbesondere trockene Produkte wie Reis, Gries oder etwa auch Milchpulver reichern sich offenbar mit Mineralölrückständen an, die bei der Verpackungsproduktion zum Einsatz kommen.

Foodwatch forderte Nestlé und Novalac auf, die Produkte vom Markt zu nehmen. "Gerade bei Lebensmitteln für Neugeborene müssen sich die Eltern absolut darauf verlassen können, dass die Produkte gesundheitlich unbedenklich sind", sagte Geschäftsführer Martin Rücker. "Die Produkte müssen sofort und überall aus dem Verkauf genommen werden."

Rossmann nimmt Babynahrung aus dem Verkauf

Die beiden Nestlé-Produkte waren am Donnerstag in den Online-Shops großer Drogerieketten weiterhin im Angebot. Aufgrund der Vorstellung der Jahreszahlen war bei dm am Donnerstag niemand erreichbar, um sich zum weiteren Umgang mit den Produkten zu äußern. Rossmann teilte am Nachmittag mit, die betroffenen Nestlé-Produkte vorläufig aus dem Verkauf zu nehmen.

Nestlé kündigte am Donnerstagvormittag eine Stellungnahme zu dem foodwatch-Bericht an. Sie werde im Laufe des Tages erfolgen, erklärte eine Sprecherin. Wann genau, sei noch unklar.

Eine Sprecherin von Novalac, dessen Produkte vor allem über Apotheken vertrieben wird, teilte mit, der Foodwatch-Bericht habe das Unternehmen überrascht.

Die beanstandete Säuglingsnahrung beziehe Novalac von United Pharmaceuticals, einer Firma mit Sitz in Frankreich. "Bevor wir uns äußern können, warten wir zunächst auf eine Stellungnahme des Lieferanten", erklärte die Sprecherin. In einer schriftlichen Mitteilung kündigte das Unternehmen zudem an, nach Stellungnahme des Herstellers "gegebenenfalls weiterführende Maßnahmen" einleiten zu wollen.

Ministerin Klöckner schaltet sich ein

Am Nachmittag äußerte sich Landwirtschaftministerin Julia Klöckner, in deren Ressort auch die Ernährung fällt, zu dem Foodwatch-Bericht. "Wenn sich herausstellt, dass Baby- oder Säuglingsmilch der Gesundheit unserer Kleinsten schaden könnte, darf sie nicht im Supermarkt landen."

Klöckner ließ verlautbaren, dass es eine europaweite Regelung zum Umgang mit Mineralölen brauche. Auf Initiative Deutschlands würde die Europäische Kommission derzeit entsprechende Daten aus allen Mitgliedsstaaten auswerten. Auf nationaler Ebene gebe es schon länger Planungen, den Einsatz von Mineralölen bei Lebensmittelverpackungen schärfer zu regulieren. Diese würden derzeit "finalisiert".

Foodwatch-Vorwürfe werden bei Nestlé ernstgenommen

Nestlé selbst versichert auf BNN-Anfrage, dass Babys sicher mit Nestlé-Säuglingsmilchnahrung gefüttert werden können. "Die Gesundheit und Sicherheit von Babys haben bei uns oberste Priorität. Deshalb nehmen wir die in dem Bericht von Foodwatch erhobenen Vorwürfe sehr ernst", so das Unternehmen. "Uns ist bewusst, dass der Bericht von Foodwatch bei vielen Eltern Besorgnis erregt hat. Natürlich werden wir mit Foodwatch in Kontakt treten, um den Bericht besser nachvollziehen zu können."

Der Konzern möchte allen Müttern und Vätern versichern, dass die Babys weiterhin sicher mit unserer Säuglingsnahrung gefüttert werden können. "Beba Optipro Pre und Beba Optipro 1 erfüllen alle lebensmittelrechtlichen Vorschriften in Deutschland und der EU", heißt es in einem Statement.

Telefonnummer für Fragen

Allen besorgten Eltern bietet das Unternehmen an, sich bei möglichen Fragen bitte direkt die Experten beim Nestlé-Babyservice +49 (0)800 23 44 944 zu wenden.

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