Skip to main content

„Black lives matter” bleibt Thema

Proteste gegen Rassismus gehen weiter

Nach dem Vorbild der US-amerikanischen Bewegung „Black lives matter” gewinnt auch die Karlsruher Gruppe an Konstanz. Mit Schweigen und Kunst demonstrierten am Samstag 500 Menschen vor dem Schloss.

Gemeinsam mit demselben Ziel: Andy Din und Jony Gartner (vorne, von rechts) setzen sich weiter für die Anti-Rassismus-Bewegung in Karlsruhe ein und wollen das Thema im Stadtbild etablieren. Am Samstag organisierten sie zum zweiten Mal eine Demonanstration auf dem Schlossplatz. Foto: Jörg Donecker

Zehn Minuten Stille als Zeichen für Solidarität. Damit beginnt am Samstagmittag auf dem Karlsruher Schlossplatz die zweite Demonstration gegen Rassismus - angelehnt an die US-amerikanische Bewegung „Black lives matter”, die sich nach dem gewaltsamen Tod von George Floyd formte.

„Wir wollen das Thema am Leben halten und zeigen, dass es nicht nur ein Trend ist”, erklärt Jony Gartner, einer der Hauptorganisatoren.

„Jeder der da ist, zeigt, dass er das verstanden hat.” Anstatt rund 3.000 seien dieses Mal lediglich rund 500 Personen gekommen, teilt die Polizei mit. Sie spricht zudem von einem friedlichen und problemlosen Ablauf.

Organisatoren sprechen sich klar gegen Gewalt aus

Einige der Demonstrierenden sitzen auf den Rasenflächen. Andere stehen vor der kleinen Bühne, um dem Programm zu folgen. Vereinzelte Schilder untermauern die Aussage der Versammlung. Die Organisatoren greifen zu Musik, Erfahrungsberichten und Gedichten, um ihre Botschaft zu verbreiten.

Nonverbales wird zum Symbol: Die erhobene Faust und langes Schweigen werden auch vor dem Karlsruher Schloss zum Zeichen gegen Rassismus. Foto: Eric Tober

Mit Blick auf die vergangenen Ereignisse in Stuttgart betont Gartner: „Wir wollen uns frei von Gewalt sprechen. Denn das ist auf keinen Fall die Lösung unseres Problems.” Benachteiligung aufgrund der Hautfarbe, diskriminierende Aussagen oder gar körperliche Vorfälle: Ihm gehe es darum, konstant auf Rassismus aufmerksam zu machen.

„Weitere Projekte über die Demonstrationen hinaus sind geplant”, so Gartner. „Wenn das eigene Verantwortungsbewusstsein wächst, bemerkt man auch, welche Erfahrungen man seit der Kindheit macht und dass etwas geändert werden muss.”

Zahlreiche weitere Redner teilen ihre Erlebnisse und Eindrücke mit den Anwesenden. Sie greifen dabei zu Kunstformen, wie Poetry Slam, anstatt zu lauten Parolen. So auch Aisha, die in ihrem Gedicht von einer perfekten Welt träumt „ohne ein Wir gegen Euch.”

Eine weitere junge Frau erzählt von einer Erinnerung, die zuletzt ihre Oma mit ihr teilte: „Darin zeige ich im Familien-Fotoalbum auf ein Kind und sage ,Das bin ich’, obwohl dessen Hautfarbe anders als meine weiß ist.” Inzwischen habe sie ein anderes Bewusstsein. Sie wolle sich nicht länger damit abfinden, dass Menschen ihr ungefragt in die Haare fassen. „Und auch nicht damit, dass auf die Frage nach meiner Herkunft die Antwort Karlsruhe nie ausreicht.”

OB Mentrup spricht von „Gewinn für die Stadtgesellschaft”

Für Oberbürgermeister Frank Mentrup steht fest, dass die öffentliche Präsenz des Themas und der Gruppe rund um die Demo ein Gewinn für die Stadtgesellschaft sei. „Es ist toll, dass die Bewegung nicht einfach wieder verschwindet, sondern eine Konstanz hat.” Die geteilten Erfahrungen ermöglichten es, das eigene Verhalten und das anderer zu reflektieren und zu sensibilisieren.

Vor dem Schloss stimmt Jony Gartner die Demonstrierenden auf sein selbstgeschriebenes Lied ein. Der Tenor auch hier: „Black lives matter”. Die Menge wird zum musikalischen Taktgeber für Gartners A-Capella-Version. Um Unterstützung zu geben, ist auch eine Gruppe von vier jungen Frauen gekommen. „Alle Menschen sind gleich viel wert. Wir wollen dafür etwas tun”, erzählt die 16-jährige Luisa.

Laut wird es auf dem Platz nur durch Applaus. Dazwischen wird erneut geschwiegen. Dieses Mal acht Minuten, um an alle Gewalttaten, die aus rassistischen Gründen verübt wurden, zu erinnern. „Vielleicht sollten wir uns nicht die Schuld daran geben, wenn andere uns aufgrund unserer Hautfarbe hassen”, sagt Bushra und blickt entschlossen ins Publikum. Trotz aller Probleme, die sie beschreibt, sagt sie auch: „Ich bin glücklich darüber, anders zu sein.”

nach oben Zurück zum Seitenanfang