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"Brot & Spiele"

Rapper Haze kritisiert in seinem dritten Album die hohe Polizeipräsenz in Karlsruhe

Der Karlsruher Rapper Haze stand bereits gemeinsam mit Sido auf der "Das Fest"-Bühne. Nun hat er mit "Brot & Spiele" sein drittes Album veröffentlicht. Neben kritischen Themen spielt für den 30-Jährigen auch seine badische Herkunft eine wichtige Rolle.

Die dritte Platte ist draußen: Der Karlsruher Rapper Haze hat "Brot & Spiele" veröffentlicht. Foto: Boris Speelman

Selten passte ein Label-Name besser zu einem seiner Künstler als im Falle des Karlsruher Rappers Haze. Auch im Jahr 2020 sind die Beats und die Reim-Technik des Sprechgesangskünstlers mit kroatischen Wurzeln noch genauso von der „Alten Schule“, wie der Name der Plattenfirma, die er selbst mitgegründet hat. Nach „Guten Abend, Hip Hop...“ und der „Zwielicht LP“ hat David Bošnjak, wie Haze mit bürgerlichem Namen heißt, mit „Brot & Spiele“ nun sein drittes Studio-Album veröffentlicht.

Der 30-jährige Rapper hat bereits Songs mit etablierten Künstlern wie MoTrip, Raf Camora, Bonez MC und Sido aufgenommen. Bei letzterem wurde er zu dessen Auftritt auf die „Das Fest“-Bühne geholt. Rapper Haze bleibt sich auch bei seinem neuesten Werk treu.

Boom-Bap statt Afro-Traps

Auf Brot & Spiele gibt es keine Experimente mit Autotune oder Ausflüge in die Welt des Afro-Traps, die lange Zeit fast mit einer Erfolgsgarantie in den deutschen Charts gleichzusetzen waren.

Stattdessen setzt Haze auf Boom-Bap - Musik zum Kopfnicken. Bereits das Intro Brot gibt den Takt vor, der sich durch die Platte durchziehen soll. „Brot und Spiele lenken dich vom Elend ab, stecke bis zum Kinn tief in Problemen“ sind die ersten Wörter, die Haze nach seiner künstlerischen Auszeit von sich gibt.

Nein, Brot & Spiele ist keine Gute-Laune-Musik. Nicht mal annähernd. Stattdessen sind die Zeilen von Sozialkritik durchtränkt, wie der zweifache Familienvater selbst in einem Interview mit dem Hip-Hop-Magazin „Backspin“ bestätigt. Es geht ihm darum, Ungerechtigkeiten aufzuzeigen und aus einer Welt zu berichten, die privilegierte Menschen aus geschütztem Umfeld und ohne Existenzängste nicht kennen.

Haze wendet sich gegen Konsum von Cannabis

Haze skizziert eine Parallelwelt, in der Aussichtslosigkeit herrscht und in der Kriminalität und Drogen die scheinbar einzigen Optionen sind. Als aufmerksamer Hörer kann man Haze jedoch nicht vorwerfen, dass verbotene Substanzen wie Marihuana trotz zahlreicher Erwähnung verherrlicht werden.

Eher das Gegenteil ist der Fall. Der Song „Rache der Laster“ und vor allem das dazugehörige Video warnen vor diesem Lebensstil und prognostizieren ein düsteres Ende für ein Leben mit vernebelten Sinnen.

In Karlsruhe stört den Rapper die viele Polizei

Ein weiteres Thema, das in mehreren Liedern aufgegriffen wird, ist die Unzufriedenheit mit der Staatsgewalt. Weil das Image der Stadt mit dem Bundesgerichtshof nach außen hin möglichst sauber gehalten werden solle, gebe es in Karlsruhe eine (zu) hohe Polizei-Präsenz.

Die Beamten würden sich bei der Strafverfolgung jedoch weniger auf schwerwiegende Verbrechen konzentrieren. Vor allem seien sie mit kleineren Delikte wie dem Besitz von geringen Mengen Marihuana beschäftigt, so einer der Vorwürfe, der zwischen den Zeilen geschrieben steht.

Bezug zur Heimatstadt im badischen Dialekt

Neben den düsteren Themen, die Haze mit durchaus beeindruckender Rhetorik aufgreift, kann er jedoch auch seine positiven Emotionen nicht verstecken. Die Liebe zum Hip-Hop und zu seiner Heimat Karlsruhe blitzen in Brot & Spiele immer wieder auf. So ist beispielsweise der Song „Chin Check“ eine Hommage an den West-Coast-Sound der späten 1990er-Jahre.

In „Haze in der Luft II“ lässt er es sich dagegen nicht nehmen, die Karlsruher Stadtteile zu nennen. Zudem unternimmt er, wie gewohnt, nicht einmal den Versuch, seinen badischen Dialekt zu kaschieren.

Wie bei seinen früheren Werken kann auch bei Brot & Spiele festgehalten werden: Wo Haze draufsteht, ist auch Haze drin. Fans bekommen bei dieser Platte das, was sie sich erwartet und vermutlich erhofft hatten. Der Sound ist auch ein gutes Kontrastprogramm zum teilweise einheitlich klingenden restlichen Deutsch-Rap.

Allerdings dürfte Haze‘ Gastauftritt auf dem Ende 2019 erschienenen Album „Abschied von Gestern“ des in der Szene bekannten Rappers Afrob beim ein oder anderen Hörer die Hoffnung auf eine andere Facette des Karlsruhers geweckt haben. Die Single „Stein auf Stein“ kommt in erfrischendem Gewand um die Ecke. Sie verbreitet, im Gegensatz zu den meisten anderen Liedern von Haze, eine fast schon optimistische Stimmung. Vielleicht ist die düstere Musik aber vor allem eines: Ein Spiegel einer düsteren Welt, die die meisten Menschen nicht kennen.

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