Skip to main content

Frühling und Ferienstart

Reiterstaffel kontrolliert in Karlsruhe Corona-Regeln

Drei Wochen „Schule“ im Wohnzimmer, nun nicht einmal richtige Ferien: Familien mit Schulkindern spüren am Samstag die Einschränkungen wegen des Coronavirus ganz besonders. Sonne satt, Vogelgezwitscher, Blütenpracht – ob alt, ob jung, es zieht die Karlsruher in Scharen ins Freie. Dazwischen patrouilliert berittene Polizei.

Ein Polizistenduo auf zwei großen Braunen patrouilliert am Samstagnachmittag in der Karlsruher Günther-Klotz-Anlage. Am Tag, an dem für viele Familien die Osterferien beginnen, gelten weiter strenge Bestimmungen zum Schutz vor Infektionen. Foto: jodo

Drei Wochen „Schule“ im Wohnzimmer, nun nicht einmal richtige Osterferien: Familien mit Schulkindern spüren am Samstag die Einschränkungen wegen des Coronavirus ganz besonders. Sonne satt, Vogelgezwitscher, Blütenpracht – ob alt, ob jung, es zieht die Karlsruher in Scharen ins Freie. Dazwischen patrouilliert an der Alb berittene Polizei.

Viele Mütter und Väter wissen noch nicht, wie sie die bevorstehenden Osterferien gestalten. Urlaub: abgeblasen. Besuch bei Oma und Opa – tabu wegen Infektionsgefahr. Ausflugsziele zu, Freunde außen vor, kein Training, die Erstkommunion verschoben: „Es ist der komplette Stillstand. Wir haben noch keinen Plan“, sagt ein Vater aus Neureut hörbar gestresst.

Für die Ferien erhoffen Eltern die Chance auf Bewegung

„Ich hoffe, dass nicht auch noch Ausflüge gestrichen werden“, ergänzt Martina Dahn aus Grünwinkel. Ihr Sohn ist in der zweiten Klasse. „Das könnten wir kaum kompensieren, speziell jetzt in den Ferien, und es wäre für Kinder diskrimierend“, findet sie. „Mein Sohn muss sich bewegen, um zu entspannen.“

Bewegung verschafft sich eine Familie aus Rüppurr am ersten „Ferientag“ mit einem Radausflug in den Oberwald. Einen Berg Hausaufgaben hat die Mutter mit Söhnen in der sechsten und siebten Klasse sowie der Jüngsten in der dritten Klasse abgearbeitet. Nun genießen Vater, Mutter und Tochter eine sonnige Pause auf einer Bank beim verwaisten Affenplätzle.

Im Oberwald sind immerhin kleine Erholungspausen auf einer Bank drin, die Tiergehege und der beliebte Waldspielplatz hingegen tabu. Foto: jodo

Der Waldspielplatz, auf dem es sonst von Kindern wimmelt, ist gesperrt wie die Tiergehege nebenan. Die Neunjährige zieht die Schultern hoch bei der Frage, wie sie die Ferien findet. „Wir haben das noch gar nicht so gemerkt“, bestätigt die Mutter. Alle fünf Familienmitglieder hatten sich auf eine Musikwoche in Westfalen gefreut. Die wird vielleicht im Sommer nachgeholt.

Die Mutter näht Stoffmasken

Jetzt spielen die drei Kinder oft im Garten. Der Vater arbeitet ab Montag doch wieder, im Homeoffice. Die Mutter näht täglich Stoffmasken für dankbare Abnehmer: „Ich kann etwas Sinnvolles tun, und andere macht es glücklich.“

Zügig einkaufen sollen die Besucher des Wochenmarkts am Samstag auf dem Gutenbergplatz, so steht es auf Plakatständern. Viele tun das, andere nicht, sie plaudern in den extrabreiten Gassen, die das Marktamt durch Neuordnung der Brot- und Käsewagen, Obst- und Gemüseauslagen eingerichtet hat.

Der Wochenmarkt auf dem Gutenbergplatz ist neu arrangiert. Polizei und der Marktamtsleiter Armin Baumbusch sehen zusätzlich nach dem Rechten. Foto: jodo

Polizisten und Marktamtsleiter Armin Baumbusch haben ein Auge darauf, dass die Maßnahmen gegen virale Ansteckung möglichst eingehalten werden. „Die Orangen sind aus Spanien?“, sagt ein skeptischer Marktbesucher. „Sicher, das kann man essen“, antwortet ihm der Obsthändler energisch.

Kundschaft mit Stoffmaske, Papierschutz oder Tuch vor Mund und Nase sind klar in der Minderheit. „Atmen Sie mal tief ein“, empfiehlt ein Anbieter von Kräutertee einer Kundin. Als die Glocken 12 Uhr schlagen, stehen fast überall auf dem Platz Menschen in Warteschlangen auf Abstand.

Polizisten reiten durchs Grün an der Alb

An der Alb machen nicht nur kleine Kinder am Samstag große Augen. Am Hügel beim Europabad, dem das Wasser abgelassen ist, reiten um 13.30 Uhr eine Polizistin und ein Polizist auf zwei großen Braunen in die Günther-Klotz-Anlage, wo Kraftsportler auf der Wiese turnen.

Die Hufeisen klappern auf dem Asphalt, ringsum rollen Fahrräder, Roller, Skateboards, Dreiräder, Kinderwagen. Bis in den Abend passiert das berittene Duo Spaziergänger und Jogger.

Wir haben bis Pfingsten geplant.
Heike Morasch, Mutter zweier kleiner Mädchen in Weiherfeld

Eine bange Frage beschäftigt die meisten Eltern: Wie geht es nach Ostern weiter? „Wir haben bis Pfingsten geplant“, erklärt Heike Morasch. Seit es bundesweit nur in Ausnahmen Kinderbetreuung gibt, praktiziert sie in Weiherfeld „Kinder-Sharing“ mit Martina Dahn.

Lieber Kinder-Sharing als jetzt noch in die Betreuung

Mal hier, mal dort sind die Erstklässlerin Jana Morasch, deren kleine Schwester und Simon Dahn, alle übrigen Kontakte sind seit drei Wochen gekappt. „Jetzt stecken wir unsere Kinder nicht mehr mit lauter fremden Kindern und Erzieherinnen in eine unvertraute Umgebung“, betonen die Mütter, die beide Betreuungsanspruch geltend machen könnten.

Nicht allein die Infektionsgefahr, die Situation insgesamt sei „Gift für jede Kinderseele“, finden sie. Heike Morasch sagt: „Es wäre gut, zu wissen, wann der Wahnsinn ein Ende hat.“

nach oben Zurück zum Seitenanfang