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Coronavirus wirkt sich aus

Restaurants sind "akut in ihrer Existenz bedroht" – zweiter Rückschlag für Traube Tonbach

Bis zu 100 Prozent Umsatzrückgang sind auch für stabile Betriebe in der Gastronomie nicht verkraftbar. Der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga und Gastronomen aus der Region warnen vor dem Aus vieler Betriebe in der Corona-Krise.

Das Geschäft bleibt vorerst zu. Gaststätten – wie hier in Speyer – müssen warten, wie die weiteren Anweisungen von Bund und Ländern in der Corona-Krise lauten. Foto: dpa

Die Bauarbeiten auf dem Dach des Parkhauses waren für die Inhaber der Traube Tonbach auch ein Zeichen der Hoffnung. Nach dem Großbrand und der Zerstörung des Drei-Sterne-Restaurants Schwarzwaldstube sowie des Ein-Sterne-Restaurants Köhlerstube Anfang Januar entstehen dort bis Juni provisorische Restaurants. Die Bauarbeiten laufen, doch eine Eröffnung ist in der Corona-Krise ungewiss. „Das wird kein glorreiches Jahr mehr werden“, sagt die Sprecherin des Hauses in Baiersbronn.

Traube Tonbach verarbeitet zweiten Rückschlag

In der 230 Jahre andauernden Geschichte der Traube Tonbach habe es schon schlimmere Zeiten gegeben. „Aber so was wie gerade haben wir alle noch nicht erlebt.“ Der Großbrand, dann die Corona-Krise – „ein absolut herausforderndes Jahr“.

Auf dem Parkdeck der Traube entstehen zwei provisorische Restaurants. Die Pläne nach dem Großbrand müssen sich nun aber an der Corona-Krise orientieren Foto: pr

Sie hofft, dass sich die Menschen im Sommer wieder den schönen Dingen zuwenden können. Vor allem Touristen aus dem Schwarzwald, aus Frankreich und der Schweiz kommen im Hotel der Traube Tonbach unter.

„Wir stehen wie andere Betriebe auch vor der Herausforderung, dass der Tourismus eingefroren ist“, sagt die Sprecherin. „Wir müssen schauen, wie schnell sich die Gäste nach der Krise wieder wohlfühlen und reisen werden.“

60 Prozent der Restaurants werden nicht überleben.
Thorsten Bender, Sterne-Koch aus Karlsruhe

Schon jetzt zeichneten sich starke wirtschaftliche Einbußen ab. Auch für das Küchenteam der Traube Tonbach sei die Situation einschneidend. Dieses Team kann jedoch bereits seit dem Großbrand Anfang Januar nicht arbeiten. „Da trifft es andere sehr viel härter, die jetzt ihren laufenden florierenden Betrieb schließen müssen.“

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Davor warnt auch der jüngst erneut prämierte Karlsruher Sterne-Koch Thorsten Bender . Mit seinem Restaurant „sein“ könne er zwei Monate ohne Betrieb überleben, sagt er. Er weiß, dass es vielen Restaurant-Betreibern nicht so gut geht.

Bender warnt vor Problemen innerhalb der ganzen Branche. „Die Gastronomie steht vor dem Kollaps und keinen interessiert das“, sagt Bender. Er ist sich sicher: „60 Prozent der Restaurants werden das nicht überleben.“

9.000 bis 15.000 Euro als Soforthilfe wegen Coronavirus

Er fühle sich ebenso wie viele Kollegen aus dem Raum Karlsruhe von der Politik alleine gelassen. „Wir kochen nicht schlechter als vor ein paar Wochen. Für die Situation kann keiner was.“

Als Soforthilfe habe er 9.000 Euro erhalten. „Das ist ein Tropfen auf den heißen Stein.“ Unternehmen mit bis zu zehn Mitarbeitern erhalten 15.000 Euro. Viele Restaurant-Betreiber müssten noch schauen, wie sie die März-Gehälter für ihre Mitarbeiter zusammenbekommen.

Bender wünscht sich Unterstützung der Stadt, die für die Konzession zuständig ist – die könne sich Gelder vom Land holen. Doch bislang haben seine Vorstöße bei der Stadt keinen Anklang gefunden.

Sehr, sehr viele Betriebe sind akut in ihrer Existenz bedroht.
Daniel Ohl, Hotel- und Gaststättenverband Dehoga

„Wir fühlen uns im Stich gelassen. Wenn wir alle Insolvenz anmelden, ist auch die Stadt pleite“, betont Bender. „Wenn das Ding knallt, fliegt es auch den Banken um die Ohren.“

Nach einer Umfrage unter 2.500 Betrieben sagt Daniel Ohl vom Hotel- und Gaststättenverband Dehoga: „Sehr, sehr viele Betriebe sind akut in ihrer Existenz bedroht.“ Die Reaktionen auf die Soforthilfen seien nicht undankbar oder negativ. „Aber die Hilfen reichen hinten und vorne nicht“, sagt Ohl.

Die Betriebe geben an, etwa das Vierfache der Summen „zum nackten Überleben“ zu brauchen. Alleine in Baden-Württemberg gibt es laut Dehoga 137.000 angestellte Teil- und Vollzeitkräfte im Gaststätten- und Hotelgewerbe. „Ein Großteil ist schon in Kurzarbeit, das wird in der Branche sehr intensiv genutzt.“

Vielfach kursiere die Meinung, dass nun Gaststätten vom Aus bedroht sind, die ohnehin schon wankten. Ohl verneint das. „Wir werden viele Betriebe verlieren – manche standen super da und stehen jetzt vor dem Aus.“

In einer Rezession könnten diese einen Umsatzrückgang von 30 Prozent aushalten. „Aber sie haben jetzt einen Umsatzrückgang von an die 100 Prozent.“

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Manche könnten durch Abhol- oder Lieferdienste noch etwas verdienen. „Aber dieser Strohhalm reicht auf Dauer nicht.“ Und so treffe es auch stabile Betriebe, die in den vergangenen guten Jahren investiert hätten – nun aber Probleme mit ihren Krediten bekommen. „Sie haben nichts falsch gemacht. Kein Mensch plant mit dem Risiko eines hundertprozentigen Umsatzrückgangs.“

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Wer 9.000 Euro für drei Monate erhalten, aber monatlich 15.000 Euro an Kosten habe, könne mit der Hilfe derzeit nicht gerettet werden. Die finanziellen Hilfen müssten sich am wirklichen Schaden orientieren, betont Ohl. Ohnehin glaubt er: „Das, was jetzt an Schaden eintritt, ist nicht mehr einholbar.“

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