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Aspekte der Klimakrise

Hochwasserschutz in Rheinstetten: BUND stellt Polder Bellenkopf/Rappenwört vor

Der Fermasee Rheinstetten und der im Zuge des Integrierten Rheinprogramms unter anderem dort geplante Polder Bellenkopf/Rappenwört waren die erste Station der Reihe „Klimakrise“ des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) Baden-Württemberg.

Am Fermasee, der Teil des Polders Bellenkopf/Rappenwört ist, informieren Dominic Hahn, Ludwig Schulz, Hartmut Weinrebe und Sylvia Pilarsky-Grosch über die Haltung des BUND zur Planung des Polders. Foto: Ulrich Krawutschke

Für Landesvorsitzende Sylvia Pilarsky-Grosch sind „die Auswirkungen der Klimakrise in unserem Alltag deutlich spürbar, ob Hitzesommer mit Ernteausfällen, Dürre, Hochwasser mit Überflutungen ebenso wie Niedrigwasser mit Fischsterben.

Wir müssen unser Leben verändern“, sagte sie. Gerade Hochwasser sei das beherrschende Thema mit Blick auf den Polder bei Neuburgweier, „wir müssen für die Unterlieger wie Köln oder Koblenz etwas tun, Hochwasser muss beherrschbar sein“.

Mit dabei waren BUND-Regionalgeschäftsführer Hartmut Weinrebe, der BUND-Naturschutzreferent des Landes Dominic Hahn, Angela Koch, Referentin des BUND Landesverbandes, sowie als örtlicher Sachkundiger Ludwig Schulz, Vorsitzender BUND Rheinstetten. Um es vorweg zu nehmen: Der BUND sieht die aktuelle Planung für den Polder sehr positiv.

„Der Rückhalteraum mit 14 Millionen Kubikmeter ist ein wichtiger Beitrag zum Hochwasserschutz und zugleich ein Beitrag zur Wiederherstellung natürlich durchströmter Rheinauen“, sagte Weinrebe, der sich vehement für einen „gesteuerten Polder mit ungesteuerten ökologischen Flutungen“ einsetzt. Das heißt, die Ein- und Auslassbauwerke sind immer geöffnet, außer im Fall extremer Hochwasserstände. Dies im Gegensatz zur Stadt Rheinstetten, die Klage gegen den Planfeststellungsbeschluss erhoben hat.

BUND sieht Spundwand am Damm kritisch

Rheinstetten fordert – wie vom früheren Bürgermeister Bertold Treiber vorgeschlagen – eine Spundwand am Rheinhochwasserdamm. Damit ist der BUND „nicht einverstanden, wir sehen das kritisch“, wie Schulz und Weinrebe ausführlich darlegten. „Muss man Auen, die vom Fluss geschaffen wurden, vor dem Fluss schützen?“, fragte Weinrebe.

Ein wesentliches Anliegen, so auch Naturschutzreferent Hahn, sei die Auenrenaturierung. Dazu sei es erforderlich, so Schulz, „dass die 1934/35 vom Rhein abgetrennten Auen wieder mit dem Fluss vernetzt werden“. Ziel sei, dass es einen lebendigen Austausch der Tier- und Pflanzengemeinschaft des Rheins und der Gewässer der Auen gebe, wobei das Auf und Ab des Wassers durch die ökologischen Flutungen wieder vom Rhein bestimmt werde.

Dazu werde beispielsweise am westlichen Ufer des Sees das Ufer abgeflacht, sodass angrenzende Gebiete – teils Ackerflächen, die weichen müssen – wie auch der Kastenwört-Wald geflutet werden können. Für Spaziergänger soll es dort eine Furt mit Holzsteg geben. Im Bereich Neuburgweier bekommt der Polder nach der Planung zwei Bauwerke: eines an der Straße zum Rheinufer, wo das Wasser eingelassen wird. Die Straße wird, so Schulz, deutlich erhöht. Das andere am Hochwasserdamm Richtung Rappenwört, wo die schon vorhandene Bellenkopf-Schließe erheblich vergrößert und die Wasserflächen vom Fermasee her angebunden werden.

Wermutstropfen sind die Kosten

Auch der Damm selbst wird neu gestaltet. Ohne eine Anbindung der Auenflächen an den Rhein, so Weinrebe, drohe eine Verlandung von Flächen. Laut Weinrebe hat sich der BUND in der Planungsphase intensiv eingebracht, auch kritisch, und beispielsweise verhindert, dass Drainagegräben gegraben werden, die die Vernassung des Auwalds verhindert und immensen Flächenverbrauch bedeutet hätten.

So groß die Zustimmung des BUND zum geplanten gesteuerten Polder ist, so gibt es doch einen Wermutstropfen. Die Bauwerke seien teuer, technisch aufwändig und würden nicht optimal durchströmt. Aus Sicht des BUND wären daher Dammrückverlegungen die beste Lösung. Mit der jetzigen Planung könne man aber leben.

Für den Naturschutzreferenten Hahn und Regionalgeschäftsführer Weinrebe wirke sich die Planung nicht nur positiv auf die Auenwälder und die Tierwelt aus, in den Auen werde auch in großem Umfang Nitrat abgebaut und CO2 im Boden gespeichert. Erklärtes Ziel, so Landesvorsitzende Pilarsky-Grosch, sei, „den Flüssen wieder mehr Raum zu geben und einen naturverträglichen Hochwasserschutz umzusetzen“.

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