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Nachts muss es viel dunkler werden

Ministerpräsident Kretschmann informiert sich in Rheinstetten über Projekt gegen Lichtverschmutzung

Dass es nachts durch zunehmende Lichtverschmutzung immer heller bleibt, wird für Tiere zunehmend zum Problem. Spitzenpolitiker um Ministerpräsident Winfried Kretschmann informierten sich in Rheinstetten über das Projekt „NaturLicht“.

Ministerpräsident vor Schildern
No Lämps Länd: Für weniger Licht wurden Ministerpräsident Winfried Kretschmann Slogans in Anlehnung an die Landeskampagne „The Länd“ präsentiert. Foto: Rainer Obert

Echte Dunkelheit gibt es quasi nicht mehr. Dass Insekten, Vögel und auch Fledermäuse immer größere Probleme durch die zunehmende Beleuchtung bekommen, wurde beim Ortstermin mit Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) und weiteren Ministern an der Außenstelle des Landwirtschaftlichen Technologiezentrums (LTZ) im Forchheimer Silberstreifen deutlich.

„Das ist ein wirklich ernstes Thema“, betonte Kretschmann. Grund der Rundreise zusammen mit Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU), Verkehrsminister Winfried Hermann und Umwelt-Staatssekretär Andre Baumann (beide Grüne) war das Sonderprogramm zur Stärkung der biologischen Vielfalt.

Hier liegt es im Argen. Zum Artensterben sagte Kretschmann: „Es ist etwas Dramatisches im Gange.“ Man müsse „retten, was zu retten ist“.

An der LTZ-Außenstelle in Rheinstetten wurde das über das Regierungspräsidium (RP) gesteuerte Projekt „NaturLicht“ zur Reduzierung der Lichtverschmutzung vorgestellt. Dabei geht es insbesondere auch um die Schaffung einer insektenfreundlicheren Beleuchtung in der Nähe von Naturschutzgebieten. Die Lichtverschmutzung sei eine Ursache des Artensterbens, so Staatssekretär Baumann.

Insektentod an Straßenlampen

Als einleuchtendes Beispiel wurden Beleuchtungen am Straßen- und Wegesrand genannt. Dabei wurde der oft todbringende Effekt verdeutlicht: „Insekten fliegen um die Lampen und erschöpfen sich dort zu Tode.“ Weißlicht ziehe noch stärker an als natürlicheres Gelblicht.

Der Gedankensprung zu den Fledermäusen war da nicht weit. Unterm Dach des LTZ-Gebäude im Silberstreifen gibt es schon seit 1979 eine Wochenstube von Fledermäusen – gerade erst sind dort Jungtiere zur Welt gekommen.

Babyfledermäuse
Rheinstettener Fledermausnachwuchs: Gerade erst zur Welt kamen die kleinen Vertreter des Großen Mausohr unter dem Dach des Landwirtschaftlichen Technologiezentrums. Foto: LTZ

Die Exemplare des Großen Mausohrs dort sind auf die Insekten als Beute angewiesen, die Flugschneisen werden möglichst dunkel gehalten.

Den Insekten-Hochbetrieb etwa an Straßenlampen nutzen jedoch wenige, denn nur einige sehr schnelle Fledermausarten trauen sich die Jagd dort zu, erklärte ein Fledermausexperte. Denn wo es hell wie am Tag ist, seien sie für Fressfeinde wie den Waldkauz leichte Beute.

Orientierungssysteme der Tiere werden gestört

Die Lichtbelastungen seien „teils extrem“, bemerkte der Referatsleiter Naturschutz und Landschaftspflege im RP, Daniel Raddatz, zu den Erhebungen an mehreren Orten im Land. Ein Umdenken sei notwendig. Etwa beim Beleuchten von Radwegen oder auch den aktuell vorangetriebenen Radschnellwegen. Je mehr Licht, desto mehr würden Orientierungssysteme nachtaktiver Tiere gestört, Schutzmechanismen ausgehebelt.

Ministerpräsidentenbesuch im Garten
Geballte Politprominenz im Garten: Ministerpräsident Winfried Kretschmann warnte vor den Gefahren durch das Artensterben. Mit dabei die Minister Peter Hauk und Winfried Hermann sowie Staatssekretär Andre Baumann (von links). Foto: Rainer Obert

In einer Zeit, in der viele Kommunen Radwegbeleuchtungen vorantreiben, Privatleute Gärten durch günstige Solarenergie nachts beleuchten, müssten Denkprozesse her. Ein Radweg sei auch eine Lichtbarriere für Tiere. Verkehrsminister Hermann verwies auf mögliche Bewegungsmelder, damit das Licht nur an ist, wenn tatsächlich jemand dort fährt.

Letztlich geht es im Projekt um weniger Licht und gezieltes Licht mit weniger Streufaktor. Untersucht wurde auch die von Menschenhand erzeugte Himmelsbeleuchtung (Skyglow), Baden-Württemberg liege im vorderen Mittelfeld.

Aufforderung zum Lichtsparen durch Slogans wie „No Lämps Länd“

Für ein Schmunzeln und zustimmendes Nicken bei den Spitzenpolitikern sorgten zuletzt von Projektteilnehmern erstellte Plakate mit Slogans gegen Lichtverschmutzung: Darunter „No Lämps Länd“ oder „Werde zum Lämpfluencer“.

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