Skip to main content

„Ich wollte nie erwachsen sein“

Mehr als 1,5 Millionen Zugriffe: Forchheimerin und Karlsruher landen mit Maffay-Song einen YouTube-Hit

Was als Spaß gedacht war, wurde zum viralen Hit: Vor zwei Jahren nahmen Nina Hirschler (23) und Christian Blank (49) „Ich wollte nie erwachsen sein“ von Peter Maffay auf. Die Aufnahme war ein besonderer Wunsch von Sänger Christian Blank - er sitzt im Rollstuhl und ist fast komplett blind.

Mit einem Cover-Song von Peter Maffay erobern Nina Hirschler aus Karlsruhe und der mit Handicap schwer belastete Christian Blank aus Karlsruhe seit 2019 die musikalische Welt. Foto: Rake Hora/BNN

„Ich wollte nie erwachsen sein“: Inzwischen hat die Coverversion des Song von Nina Hirschler aus Forchheim und Christian Blank aus Karlsruhe über 1,5 Millionen Aufrufe bei dem Videoportal Youtube. Bei anderen Social-Media-Plattformen erreichte der Song insgesamt über 25 Millionen Menschen. Hierbei sorgten die „Wisst ihr noch“-Facebookgruppen sowie die Bunte.de-Facebook-Seite für einen großen Reichweitenzuwachs.

Die gelernte Musicaldarstellerin, Sängerin und heutige Polizistin aus Rheinstetten-Forchheim wollte dem Karlsruher Christian Blank, der im sechsten Monat als Frühchen auf die Welt kam, im Rollstuhl sitzt und fast blind ist, eine Freude machen.

Die beiden kennen sich seit fast zwölf Jahren. Er ist regelmäßig zu Besuch im Fitness-Studio von Hirschlers Vater, der samstags mit Menschen mit Behinderung trainiert.

Als Blank erzählte, dass er im Chor „Effata“ in Rheinstetten-Mörsch singt und gerne mal einen Song aufnehmen würde, verwirklichten sie vor etwa zwei Jahren seinen größten Traum, der für ihn aufgrund seiner Einschränkung zuvor unmöglich schien.

In einem Pforzheimer Studio nahmen sie das Peter Maffay-Cover auf und traten auch bei der Gala „Sentiree hilft“ auf, die Hirschlers Vater veranstaltet.

Dass es genau dieses Lied wurde, sei eher Zufall gewesen, erzählen die beiden im Gespräch. „Es passt zu uns“, sagt Hirschler. Und auch Blank gefällt das Lied von Maffay, einem Künstler, mit dem er aufgewachsen sei. Und er verrät: Ein weiterer Künstler, der den 49-Jährigen inspiriert, ist Phil Collins.

Vorbild für andere Menschen mit Handicap

Mit dem erfolgreichen Song wurde Blank inzwischen zu einem Vorbild für andere Menschen mit Handicap. „Ich habe dieses Lied meinem Bruder gezeigt, der auch eine geistige Behinderung hat und seit diesem Tage an wollte er es immer hören“, schreibt beispielsweise Romano Elsholz.

Eine weitere besondere Nachricht erhielten Blank und Hirschler von einem Paar: Sie schrieben, dass sie die Aufnahme während der Geburt ihres Kindes gehört hätten.

Bis heute wurde das Lied von Christian Blank und Nina Hirschler auf Facebook über 25 Millionen mal aufgerufen. Foto: Rake Hora/BNN

Mit Fans steht der Karlsruher im regen Austausch – entweder per Telefon, Video-Chat oder auch persönlich. „Einmal kam ein Fan sogar von Köln angereist, um mich zu treffen“, sagt Blank, der durch Sauerstoffmangel bei der Geburt Spastiken am ganzen Körper hat.

„Am meisten freue ich mich über die Beiträge und Aufrufe, die uns ermutigen, weiterzumachen und neue Songs zu produzieren“, erzählt der Sänger weiter. Viele Kommentare und E-Mails beantwortet er selbst.

Da er auf einem Auge noch etwa zwölf Prozent Sehkraft hat, sei dies zwar mühsam, aber dennoch eine große Freude. Zu Weihnachten kamen außerdem Karten und das ein oder andere Päckchen bei ihm an.

Sich selbst sieht Christian Blank nicht als Mensch mit Behinderung, er möchte auch nicht so behandelt werden. Das nimmt seine Gesangspartnerin und mittlerweile gute Freundin beim Wort.

Christian übt fleißig. Aber wenn er mal schludert und seinen Text nicht kann, zeige ich ihm das deutlich.
Nina Hirschler, Sängerin aus Forchheim

„Christian übt fleißig. Aber wenn er mal schludert und seinen Text nicht kann, zeige ich ihm das deutlich“, sagt Hirschler, die manchmal zwei bis drei Stunden am Stück Gesangsübungen mit ihm macht.

Neue Lieder singt sie auf ihrem Handy ein, sodass ihr Duettpartner sich den Text und die Melodie immer wieder anhören und so einprägen kann. Vor Corona wurde Hirschler, die gerade auch einen eigenen Song herausgebracht hat, häufig für Hochzeiten gebucht.

Musik ist die große Leidenschaft von Christan Blank. Seitdem er mit vier Jahren in den Sonderschulkindergarten kam, singt er. Danach besuchte er die Körperbehinderten-Schule in Karlsbad-Langensteinbach, wo er der Sänger der Schulband war.

Gesangslehrerin hatte Kloß im Hals

Und heute nimmt er neben Proben mit Hirschler auch noch Gesangsunterricht bei der Karlsruher Gesangslehrerin Danny Konz. Als diese das Duett erstmals hörte, habe sie einen Kloß im Hals und Tränen in den Augen gehabt, erzählt sie.

„Das ist der Beweis, dass man auch mit einer ‚Beeinträchtigung‘ ein Vorbild sein kann. Ich bin unglaublich gerührt“, so Konz.

Christian Blank kam als Frühchen im sechsten Monat zur Welt. Durch Sauerstoffmangel hat er am ganzen Körper Spastiken. Foto: Rake Hora/BNN

Mittlerweile haben die beiden bereits mehrere erfolgreiche Songs aufgenommen. Das nächste Lied ist „Sei bereit“ aus dem Musical „Tanz der Vampire“.

Beide traten auch gemeinsam bei der Messe offerta auf. Was noch fehlt, ist ein Auftritt mit Peter Maffay. Das wäre der absolute Wahnsinn - da sind sich die beiden einig.

Nicht nur die Musik, auch der Sport hat es Blank angetan. Mit dem Fitness-Studio von Mario Hirschler ist er am Rheinstetten Triathlon gestartet. Dabei bildeten sie Teams aus Menschen mit und ohne Handicap. Und auch hier ist Hirschler, die nebenbei auch ausgebildete Fitnesstrainerin ist, mit von der Partie.

nach oben Zurück zum Seitenanfang