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Busfahrer soll Mitnahme zunächst verweigert haben

Rollstuhlfahrer aus Rheinstetten will Strafanzeige gegen KVV-Busfahrer stellen

Weil ein Busfahrer ihn aufgrund seines Elektro-Rollstuhls nicht habe mitnehmen wollen, hat sich der 72-jährige Helmut Liedel beim Karlsruher Verkehrsverbund beschwert und sich rechtliche Schritte vorbehalten.

Helmut Liedel nutzt gerne den öffentlichen Nahverkehr. Weil ein Busfahrer ihn wegen des Elektrorollstuhls zuerst nicht mitnehmen wollte, hat er sich beim KVV beschwert. Foto: Susanne Garcia

Von Susanne Garcia

Der Fahrer eines Busses des momentan eingesetzten Schienenersatzverkehrs (SEV) soll sich an der Haltestelle in der Forchheimer Hauptstraße geweigert haben, die Rampe für Helmut Liedels Rollstuhl auszuklappen und dies damit begründet, Liedel sei mit seinem Elektrorollstuhl zu schwer. Er müsse eine Begleitperson fürs Busfahren dabeihaben – und außerdem die Rampe selbst herunterklappen.

Busfahrer soll Rampe erst nach einiger Diskussion heruntergelassen haben

Liedel ist sauer und fühlt sich diskriminiert. Die Aussagen des Busfahrers seien „absolut falsch“. In seinem Schreiben an den KVV betont er: „Mein Elektrorollstuhl hat 120 Kilogramm und ich habe 112 Kilogramm. Außerdem steht auf der ausklappbaren Rampe, dass diese für 350 Kilogramm zugelassen ist.“

Zudem bediene stets nur unterwiesenes Personal solche Rampen an den Fahrzeugen, niemals ein Fahrgast. Der Busfahrer habe erst nach langem Hin und Her die Rampe heruntergelassen. Auch an der Zielhaltestelle habe der Fahrer zunächst die Hilfe beim Ausstieg verweigert, so Liedel.

Wenn auch nur einer so mit einem Rollstuhlfahrer umgeht, dann darf man das nicht ignorieren
Helmut Liedel

„Dass jemand mal einen schlechten Tag hat – okay“, meint der 72-Jährige. „Aber bei aller Liebe, so geht es nicht. Ich nutze täglich den ÖPNV. Wir sind hier super angebunden und die Fahrer sind eigentlich auch immer sehr hilfsbereit. Aber wenn auch nur einer so mit einem Rollstuhlfahrer umgeht, dann darf man das nicht ignorieren.“

Schließlich sei nicht jeder in so einer Situation spontan in der Lage, sich durchzusetzen. „Viele hätten wahrscheinlich nicht die Kraft dazu und dann werden sie stehen gelassen und es bekommt keiner mit.

Obwohl ein Elektrorollstuhl für den Nutzer viel leistet: ohne Rampe in den Bus – das funktioniert auch mit elektrischem Antrieb nicht. Foto: Susanne Garcia

Weil auch nicht jeder den Mut aufbringt, sich hinterher zu beschweren. Ich mache das deshalb auch nicht nur für mich, ich mache das für alle anderen Rollstuhlfahrer, die es selbst nicht schaffen, gegen solch diskriminierendes Verhalten vorzugehen.“

KVV wartet noch auf Stellungnahme des Busfahrers

Der Karlsruher Verkehrsverbund hat Liedels Beschwerde indes an die zuständigen Teamleiter weitergegeben. „Wir müssen natürlich beide Seiten hören und werden zunächst noch die Stellungnahme des Fahrers zu den Vorwürfen abwarten“, erklärt Sarah Fricke von der KVV-Pressestelle.

Grundsätzlich würden die Fahrer aber im Rahmen des Beförderungsscheins im Umgang mit solchen Situationen und den entsprechenden Regeln unterwiesen. „Außerdem finden in regelmäßigen Abständen Schulungen auch zu diesem Thema statt.“ Richtig sei, dass die Rampe an den Bussen bis zu 350 Kilogramm trage, und natürlich auch Elektrorollstühle befördert werden.

Der Fahrer muss aussteigen und die Rampe bedienen.
Sarah Fricke, KVV

„Auch ohne Begleitperson“, bestätigt sie. „Der Fahrer muss aussteigen und die Rampe bedienen.“ Lediglich sogenannte Elektromobile seien im öffentlichen Nahverkehr ein Problem. „Sie sind wesentlich länger als ein Rollstuhl, deshalb haben sie nicht genug Platz und sind deshalb ein Sicherheitsproblem.“

Sollte sich bestätigen, dass der Fahrer sich in beschriebener Weise nicht korrekt verhalten habe, werde es ein intensives Gespräch mit ihm geben. „Und natürlich eine Entschuldigung“, sagt KVV-Sprecherin Fricke.

Ihr Tipp für Rollstuhlfahrer: „Stellen Sie sich immer prominent an die Haltestelle – damit der Fahrer Sie direkt sieht und dann auch prompt behilflich sein kann.“ Der KVV biete regelmäßig Schulungen für Rollstuhlfahrer und Rollatornutzer an, um den Ein- und Ausstieg bei Bussen und Bahnen zu üben.

KVV macht Angebot nach und nach barrierefrei

Die sukzessive Umstellung auf Niederflurfahrzeuge und der Umbau an den Haltestellen bringe die Barrierefreiheit in der Region laufend weiter voran. Lediglich auf einzelnen Regionalbuslinien seien noch Fahrzeuge ohne Rampen im Einsatz.

Im Landkreis vertreten mehrere Interessengemeinschaften die Anliegen von Menschen mit Behinderungen. Victor Österle beispielsweise ist stellvertretender Vorsitzender der „Interessengemeinschaft barrierefreies Waldbronn“ und findet es gut, dass Liedel sich beschwert hat. „Wenn das so stattgefunden hat, dann ist es unglaublich wichtig, dass über solche Vorfälle auch gesprochen wird“, meint er. „Nur so geht etwas voran.“

Bei derlei Vorfällen sei es wichtig, sich direkt vor Ort zu beschweren. „Aber auch die Interessengemeinschaften in den einzelnen Gemeinden sind jederzeit ansprechbar, wenn sich für Menschen mit Einschränkungen Probleme auftun.“

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