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Brezel-Teilung passt zur Botschaft

St. Martins gute Tat bewegt auch die Kinder beim Umzug in Forchheim

Martinsumzüge vermitteln die Botschaft, dass Geben seliger denn Nehmen ist. Funktioniert die Botschaft noch. In Rheinstetten gab es bewegende Momente und eine unverhoffte Brezelteilung.

St. Martin teilt in Rheinstetten-Forchheim seinen Mantel
Der Heilige Martin prägt: Er schneidet seinen Mantel entzwei und teilt ihn mit dem Bettler – das ist die Botschaft hinter den Martinsumzügen. Foto: Jürgen Hotz

Am Platz der früheren Rupprechtschule geht es los, wo sich zahlreiche Familien meist mit Kinderwagen – am Ende werden es rund 400 Menschen gewesen sein – um 17 Uhr am Samstag versammeln. Feuerwehr und Rotes Kreuz sowie 30 Ordner sorgen für Sicherheit, so Michael Winter vom Gemeindeteam St. Martin.

Was hier in Szene gesetzt wird, bewegt zum 11.11. und am Wochenende bei vielen Martinsumzügen in der Region viele Kinder und ihre Eltern und Großeltern.

Sicherheit geht beim Umzug vor

In der einsetzenden Dämmerung taucht aus dem Nichts plötzlich ein römischer Soldat – rot ist sein Mantel und der Helmbusch seines goldenen Helms – auf und lenkt sein Pferd in die Kreuzstraße. Der Musikverein Harmonie spielt, alle singen kräftig: „Ich geh’ mit meiner Laterne, und meine Laterne mit mir. Dort oben leuchten die Sterne und unten leuchten wir.“ Langsam setzt sich der Sankt-Martin-Zug in Bewegung. Die Kinder würden am liebsten neben Sankt Martin laufen, doch Sicherheit geht vor.

Schaukelnde Laternen in allen Formen und Farben senden ihr warmes – zumeist batteriebetriebenes – Licht aus. Es gibt Eckige, Runde, Sternförmige, aus Papptellern gebaute Sonnen mit Krepp-Papier strahlen, Heißluftballons à la Montgolfier oder Raumschiffe – dem Bastelspaß sind keine Grenzen gesetzt. „Im Kindergarten“ ist die häufigste Antwort auf die Frage, wo die Leuchtkörper entstanden. Linus (6) hat einen grünen Dinosaurier gebaut, seine Schwester Miriam (5) ein braunes Eichhörnchen. Seit drei Wochen fieberten sie auf den Tag hin, sagt lächelnd ihre Mutter.

Wir hatten nur 200 Brezeln da und mussten teilen.
Brunhilde Schorb, Mesnerin

Auf dem Vorplatz der Kirche St. Martin angekommen, trifft der römische Soldat auf einen Bettler. Pastoralreferent Thomas Eckerle feiert eine kleine Liturgie und verkündet: „Das ist die Frohe Botschaft nach Matthäus: ‚Was ihr dem geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan‘“. Hinter den Seilen verfolgen Kinder und Erwachsene dann gebannt die Mantelteilung, denn, so St. Martin: „Mein Mantel ist groß genug“ – und er zerteilt ihn mit seinem Schwert und gibt eine Hälfte dem Bettler. „Auch wir können wie Sankt Martin handeln und an andere denken“, so Eckerle.

„Seit zwei Jahren schon bin ich der Bettler“, sagt der 14-jährige Frederik Eberhard, der das verhärmte grüne Gewand trägt. St. Martin, eigentlich St. Martina, wird von Saskia Klein mit ihrem Pferd Wahoo dargestellt. Sie meint: „Ich war nervöser als das Pferd. Es ist so schön in die strahlenden Kinderaugen zu sehen.“

Lob für Traditionspflege in einer digitalisierten Welt

„Es ist schön, dass wir in unserer modernen digitalisierten Welt die Tradition bewahren“, betont Reiner Buchmüller, der 1988 mit seiner Tochter das erste Mal mitgelaufen ist und jetzt mit seiner vierjährigen Enkelin Malia teilnimmt. Malia findet den Goldhelm am schönsten und Opa Reiner sagt abschließend: „Der St. Martin-Zug steht für Sehnsucht und Hoffnung.“ Dann gehen sie Richtung Seitenausgang der Kirche, wo Mesnerin Brunhilde Schorb Laugenbrezeln verteilt und ihren eigenen St. Martin-Moment erlebt: „Wir hatten nur 200 Brezeln da und mussten teilen, sodass es für alle reicht“.

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