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Spitznamen-Serie

Was hinter den Bezeichnungen „Gaiße“, „Woogletsche“ und „Schnepfen“ für die Bewohner von Rheinstetten-Neuburgweier steckt

Mit gleich drei Spitznamen wurden die Neuburgweierer im Laufe der Zeit von ihren Mitmenschen bedacht: Nicht nur als die „Gaiße“, sondern auch als die „Woogletsche“ und die „Schnepfen“ sind die Weierer schon von ihren Mitmenschen betitelt worden.

Der Weierer Geißbock: Die Skulptur des Künstlers Peter Müller erinnert an die Anekdote, wie die Weierer zu ihrem Spitznamen „Geißböck“ gekommen sind. Foto: Susanne Garcia

Bezüglich der Hintergründe zur Entstehung dieser Spitznamen verweist Annelie Lauber vom Stadtarchiv Rheinstetten auf die Publikation von David Depenau. Er hat sich in seinem Buch „Die Necknamen in Stadt und Landkreis Karlsruhe“ mit der Herkunft dieser Bezeichnungen befasst.

Ihm zufolge zeichnet für die beiden heute nicht mehr so geläufigen Übernamen „Woogletsche“ und „Schnepfen“ (sprich mit Bezug auf die am Wasser lebenden Vögel) in erster Linie der Federbach verantwortlich. Früher hieß dieser nur die „Woog“ – was im Altdeutschen für „Bach oder „Wasser“ steht.

Aufgrund der vielen großen Bachpflanzen, die wegen ihrer weichen Konsistenz als „Latsche“ bezeichnet wurden, sei den Weierern von ihren Nachbarn dann der Übername „Woogletsche“ verpasst worden.

Beim Spitznamen „Schnepfen“ bietet Depenau zwei Varianten zur Entstehung an. Zum einen schlicht die Vielzahl der „zahlreich an der Woog vorhandenen Wasserschnepfen“. Zum anderen bringt er die zeitweise Territorialzugehörigkeit von Neuburgweier zur Pfalz ins Spiel. Denn die Pfälzer trugen den Spitznamen „Krametsvögel“, was so viel wie „Schnepfen“ bedeutet.

„Gaiße“ stammt aus den 1920ern und hat mit einem Betrug zu tun

„1680 wurde das Gebiet um Neuburgweier von Frankreich mit Gewalt in Besitz genommen, 1697 wieder an die Kurpfalz abgetreten. Von dieser kam es per Staatsvertrag am 24. August 1707 wieder an die Markgrafschaft Baden“, schreibt Depenau.

Der gängigste und heute noch geläufige Übername „Gaiße“ oder „Geißböck“ stammt Depenau zufolge aus den 1920er Jahren und diente auch als Vorbild für die Skulptur des golden glänzenden Neuburgweierer Geißbocks. Das Werk aus Stahlrohren des Künstlers Peter Müller steht am Ortseingang – die amüsante Geschichte dazu kennen die Alteingesessenen selbstverständlich nur zu gut.

Franz Gerstner vom Heimatverein Rheinstetten beispielsweise kann sie direkt erzählen. „Wie die meisten Ortschaften früher hatten auch die Weierer einen Geißbock im gemeindeeigenen Stall. Das waren die Decktiere. Und der Bock aus Neuburgweier hatte wohl seine besten Jahre hinter sich“, erzählt Gerstner. „Dann wurde vom Gemeinderat beschlossen, den alten Bock zu verkaufen und stattdessen eine neuen anzuschaffen.“ Gerstner schmunzelt.

„Tja, und dann hat ihn einer aus Daxlanden gekauft, der war ein guter Geschäftsmann. Der hat den alten Bock mitgenommen, ihn schön geputzt und geschoren und aufgepäppelt, und ihn dann den Leuten in Weier einfach als einen jungen Bock mit Aufpreis wieder zurück verkauft.“ Als der neue alte Bock dann wieder in Weier war und im Stall direkt an seinen Stammplatz gelaufen sei, sei den Neuburgweierern der Betrug allmählich gedämmert. Sie hatten sich hereinlegen lassen.

Verein benennt sich nach Anekdote

Der clevere Geschäftsmann musste schließlich seinen Betrug gestehen, und die Weierer hatten ihren neuen Spitznamen sicher. Im Gedicht „Der Bock von Neuburgweier“ in der Version von Ludwig Egler heißt es dazu: „Es lacht der Greis, es lacht das Kind, es pfeift’s vom Dach der Spatz; die Mär fliegt weiter wie der Wind und bringt gar lust’ge Hatz.“

Einer der örtlichen Vereine hat sich augenzwinkernd nach dieser Anekdote benannt: Als „Die Weierer Geißböck“ kümmern sich die rund 600 Mitglieder Mitglieder seit der Gründung im Jahr 1986 darum, alte Traditionen in Neuburgweier zu erhalten oder wieder zu beleben. Der Verein hat auch die Erstellung der Skulptur des Weierer Geißbocks am Ortseingang initiiert und der Stadt Rheinstetten geschenkt.

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