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Unlogischer Zuschnitt

Wie kam das Gelände an der Fährstelle Neuburgweier in den Besitz der Gemeinde Au am Rhein?

Es ist ein seltsamer Grundstückszuschnitt: Das Rheinufergelände bei Neuburgweier zählt zur Gemarkung Au am Rhein - nicht Rheinstetten, wie es logischer erscheinen würde. Warum ist das so?

Warum dürfen diese am Rheinufer stehen, anstatt einen Panoramaweg für Spaziergänger anzulegen? Das fragte der Forchheimer Paul Rimmelspacher Foto: Ulrich Krawutschke

Johann Gottfried Tulla ist schuld. Das ist eine Antwort auf die Frage von Paul Rimmelspacher aus Forchheim, der unter anderem wissen will, warum das Rheinufergelände bei Neuburgweier nicht Gemarkung von Rheinstetten ist, sondern von der Gemeinde Au am Rhein im Landkreis Rastatt.

Bertold Treiber, früher Bürgermeister von Rheinstetten und verwandt mit dem Original und Historiker Heinrich Ell, kennt von diesem die „vermutlich richtige Antwort“ auf diese Frage. „Es ist schon ein komischer Grundstückszuschnitt, der so spitz an den Rhein bei Neuburgweier hineinragt.“

Laut Ell hängt das mit der Rheinbegradigung durch Tulla zusammen, bei der Gemeinden – wie Au am Rhein – Flächen entzogen wurden. Diese wurden durch Flächen anderer Kommunen, die nichts verloren hatten, entschädigt. Und so kam Au am Rhein wohl in den Besitz der Fläche bei Neuburgweier.

Vor Jahren waren Bestrebungen im Gange, durch einen Flächentausch das Rheinufer in den Besitz von Rheinstetten zu bringen, was aber, so Treiber, am mittlerweile verstorbenen FWG-Vorsitzenden Walter Hettel in Au am Rhein scheiterte. „Ja, wir waren kurz vor der Einigung“, erzählt Rheinstettens Oberbürgermeister Sebastian Schrempp. „Wir haben mit dem damaligen Auer Bürgermeister Hartwig Rihm, den beiden Landräten von Karlsruhe und Rastatt und den Vermessungsämtern eine praktische Lösung erarbeitet, die einen Geländetausch im Verhältnis der Kartierung von 1:1 beinhaltete. Die Grenze war an der L566, und der Gemeinderat hatte bereits zugestimmt.“

Grundstückstausch ist wieder im Gespräch

Es sei aber am Widerstand der FWG Au am Rhein gescheitert. Der Grundstückstausch sei aber jetzt wieder im Gespräch, bestätigte auch die Auer Bürgermeisterin Veronika Laukart. Sie will damit in ihren Gemeinderat. Aber ganz so schnell wird es wohl nicht gehen, „denn das hängt auch vom geplanten Polder ab“. Das Gebiet am Rheinufer Neuburgweier bereitet Au nämlich mehr Ärger und Kosten als Freude.

Das hängt auch mit dem zweiten Teil der Frage von Paul Rimmelspacher zusammen, warum es Au am Rhein und Rheinstetten über Jahre nicht gelungen sei, die vielen Wohnmobile vom Rheinufer weg zu bekommen. Rimmelspacher schwebt ein Panoramaweg am Ufer vor, der durch Ergänzung der Baumreihen und durch neue Bänke gestaltet wird und so den Menschen Erholungsqualität bietet.

Vor allem im vergangenen Jahr habe es, so Rheinstettens Ordnungsamtsleiter Ronald Daum, am Parkplatz am Rheinufer „chaotische Zustände gegeben“. Der Wohnmobil-Boom in Corona-Zeiten habe dazu geführt. Die Gemeinde Au am Rhein habe ein Eingreifen angekündigt.

Landratsämter und Wasserwirtschaft eingeschaltet

So ganz einfach ist das Problem aber wohl nicht zu lösen, denn, so Bürgermeisterin Laukart, direkt am Ufer habe das Bundesschifffahrtsamt Geländebesitz. Im November 2020 habe es dazu eine Besprechung mit Laukart, Schrempp und der Wasserschutzpolizei vor Ort gegeben.

Auch Landratsämter und Wasserwirtschaftsamt, so Schrempp, seien eingeschaltet. „Wir haben reagiert“ , sagt Bürgermeisterin Laukart. Unter anderem sei auch die Straßenverkehrsbehörde am Landratsamt Rastatt einbezogen worden. Geplant ist nun, noch 2021, an der Zufahrt zum Parkplatz eine Höhenbeschränkung von zwei Metern einzuführen, die die meisten Wohnmobile fern halte. Vor wenigen Tagen sei dazu die Anordnung des Landratsamtes Rastatt eingegangen.

Die Beschilderung und die Schranken seien bestellt, „wir gehen in die Vollen“. Es werde aber wohl bis zur Lieferung sechs bis acht Wochen dauern. Ob man Stellplätze an der L566 am Waldrand anbieten könne, wie von Rimmelspacher vorgeschlagen, hänge vom zuständigen Regierungspräsidium Karlsruhe ab, werde aber wohl 2021 nicht mehr zum Tragen kommen.

Das alles wird Klaus Ziegerer und seine Familie aus Weil der Stadt, der am Samstag zum ersten Mal mit dem Wohnmobil am Rheinufer bei Neuburgweier stand, betrüben. „Es ist schön hier, unser Ziel war einfach der Rhein. Wir können mit unserem Hund kleine Touren machen, Schiffe beobachten und relaxen. Wir kommen ganz bestimmt wieder“, sagt er. Auch weil der Speisenverkauf vom Zollhaus und dem Rheinkiosk Seyfert „richtig gut läuft“.

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