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Chaos

Wird die Besucherzahl am Epplesee in Rheinstetten begrenzt?

Ein tödlicher Badeunfall am stark besuchten Epplesee Rheinstetten hat erneut heftige Diskussionen um Sicherheit und Ordnung an dem Gewässer ausgelöst.

Das Rettungsboot der DLRG ist regelmäßig auf dem Epplesee im Einsatz. Foto: DLRG Karlsruhe Bezirk Südhardt

Bei Spielen des KSC sind selten mehr Zuschauer als an Sonntagen im Hochsommer Badegäste am Epplesee. Rheinstettens Oberbürgermeister Sebastian Schrempp brachte es nach den neuerlichen chaotischen Zuständen und dem tödlichen Badeunfall am Forchheimer Epplesee jüngst im Gemeinderat auf den Punkt: Warum kommt das Land nicht der örtlichen Polizei durch zusätzliche Einsatzkräfte zur Hilfe?

Das müsse doch möglich sein. Rheinstetten wie andere Kommunen im Land, die solche Badeseen für die Allgemeinheit offen ließen, dürften nicht im Stich gelassen werden. Man habe zwar Anfang Juni schon einmal mit dem Polizeipräsidium in Karlsruhe ein Konzept erarbeitet, um den Verkehr rund um den Epplesee einigermaßen in Griff zu bekommen.

Die Energie manches Seebesuchers, Straßensperren zu umgehen, sei enorm. Auf Feldwegen quer gelegte Baumstämme würden artistisch umfahren und irgendwie schaffe man es dort auch an den vielen Schranken vorbeizukommen.

Dauergast sieht Stadt in der Pflicht

Helmut Schmidt, Dauergast am Epplesee und eine Art Sprecher der Badegäste, beklagte zum wiederholten Male die mangelnde Präsenz der kommunalen Ordnungsdienstes aus Rheinstetten. Er befürchtet, dass die Stadt es sich leicht machen und den See wie während des Corona Lockdowns wieder komplett schließen könnte.

Noch einigermaßen eingehalten wurden die Abstandsregeln im Mai am Epplesee Foto: Werner Bentz

„Wo sollen wir aber hingehen und uns noch erholen?”, fragt der Ettlinger. Außer am Epplesee gebe es im südlichen Landkreis Karlsruhe kaum noch Möglichkeiten, sich an einem See zu entspannen, zu sonnen oder zu baden. Das Lagern am Sulzbacher See zwischen Ettlingen und Malsch sei ebenso verboten, wie der Fermasee größtenteils aus Naturschutz-Belangen kaum für Freizeitaktivitäten zu nutzen sei.

Warum wird Seeordnung nicht umgesetzt?

Schmidt wirft der Stadt Rheinstetten vor, die bereits 2008 vom dortigen Gemeinderat verabschiedete Seeordnung nicht umgesetzt zu haben. Dieser Tage wollte sich Helmut Schmidt mit Vertretern des Rheinstettener Ordnungsamts am See treffen. Er hat in den vergangenen Jahren einen Ordner mit allen Presseartikeln und Gemeinderatstexten zum Thema „Sicherheit und Ordnung am Epplesee” angelegt. Er wünscht, dass es endlich ein Leitsystem gibt.

„Die Menschen kommen von weit her und kennen sich nicht aus. Es wäre gut, wenn die Menschen genau wüssten, wo die Familienwiese ist, WC, Kiosk oder DLRG . Das geht nur mit einer guten Beschilderung”, sagt Helmut Schmidt. Ein ausgearbeitetes Konzept dafür habe er schon lange der Verwaltung in Rheinstetten vorgelegt.

Das Gewässer hat seine Tücken. Durch die Baggerungen ist das Wasser recht trüb.
Luca Wernert, Sprecher DLRG Südhardt

Luca Wernert, Pressesprecher der DLRG Südhardt, hält es für sinnvoll, die Besucherzahl an dem wunderbar gelegenen Baggersee an den Hochsommertagen zu begrenzen. „Wir verlieren sonst den Überblick auf unserem Wachtposten.” Dies obwohl die Rettungsorganisation nach den ersten chaotischen Vorkommnissen nach der Corona bedingten Wiedereröffnung im Mai die Zahl der ehrenamtlichen Kräfte am See an Sonntagen von fünf auf zehn erhöht habe. Die Badegäste müssten wissen, das sei nicht erst seit dem tödlichen Badeunfall eines 60-Jährigen so, „dass der Baggersee für Badende seine Tücken hat .”

Kiesabbau macht Tauchen schwierig

Es gebe aufgrund der Baggerungen im See im Wasser enorme Temperaturschwankungen. Zusätzlich gebe es im direkten Uferbereich Stellen, an denen es neben seichten Flächen sofort fünf und mehr Meter steil in die Tiefe gehe. Und schließlich sei das Wasser im See wegen des Kiesabbaus recht trüb. Wenn jemand untergehe, ein Noteinsatz erforderlich ist, sei es wegen der schlechten Sicht für die DLRG in dem See schwierig, jemanden vor dem Ertrinken zu retten.

Im Extremfall helfen laut Wernert nur noch professionelle Taucher, um einen Untergegangen vom Grund des Sees zu holen. Und mehr als drei Minuten ohne Atemluft überlebten die wenigsten ohne schwere Schädigungen. Die Chance, Schwimmunfälle an diesem See zu verhindern. lägen in erster Linie in der Prävention.

Ein Publikumsmagnet ist der Epplesee: An hochsommerlichen Sonn- und Feiertagen ist er das Ziel von Tausenden von Badegästen. Foto: Werner Bentz

Alle Besucher müssten mit Hinweisschildern über die Gefahren des Badens aufgeklärt werden. Und im Wasserbereich müssten jene Zonen kenntlich gemacht werden, wo es senkrecht in die Tiefe geht.

Ich fände es auch sehr schade, wenn der frei zugängliche Charakter des Sees verändert würde.
Ariane Rieflin, BNN-Leserin

Auch andere Epplesee-Nutzer machen sich ihre Gedanken: „Ich fände es auch sehr schade, wenn der frei zugängliche Charakter des Sees verändert würde. An den allermeisten Tagen des Jahres gibt es dort keine Probleme. Hier wäre es Aufgabe von Rheinstetten an den wenigen Wochenenden, an denen es zum Massenandrang kommt, vorbereitet zu sein und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen (Strafzettel, Abschleppen). Hier gäbe es viele Möglichkeiten zur Abschreckung.

Die Parkgebühr sollte auf zehn Euro erhöht werden”, schreibt Leserin Ariane Riefling den BNN.

Löst Messegelände das Park-Problem?

Aus dem Polizeirevier in Ettlingen ist zu hören, dass für die Probleme mit dem ruhenden Verkehr rund um den See zu aller erst die Stadt Rheinstetten zuständig ist. Und auch Ralf Minet, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Karlsruhe, macht wenig Hoffnung auf einen größeren Einsatz von Bereitschaftspolizei.

Von Seiten der Polizei kommt lediglich der Hinweis, dass der überregionale von der Autobahn A5 kommende Besucherverkehr noch viel früher umgeleitet gehört. Und bei Oberbürgermeister Sebastian Schrempp gibt es die Überlegung, wenn der Parkplatz des Epplesees voll geparkt ist, vielleicht bei der Messe Karlsruhe Parkplätze bereit zu stellen.

Man sei hier im Gespräch. Er hat aber große Zweifel, dass die Besucher so vernünftig sind, die 700 bis 800 Meter von dort zum See zu Fuß zurückzulegen.

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