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Kommunalpolitik

Rollen die Bahnen doch weiter durch die Kaiserstraße? Diskussion über Kombilösung in Karlsruhe

Rausreißen oder Liegenlassen? Das ist die Frage, die sich plötzlich auch die Stadtpolitik hinsichtlich der Schienen in der Karlsruher Kaiserstraße stellt. Dabei ist das Herausnehmen der Straßenbahnen aus der Kaiserstraße eine zentrale Komponente der Kombilösung. Darf daran nachträglich gedreht werden? BNN-Redakteur Rupert Hustede gibt Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Auslaufmodell: Wird die von den Karlsruhern 2002 beschlossene Kombilösung umgesetzt, dann verschwinden die Bahnen aus der Kaiserstraße voraussichtlich Ende 2021 mit der Inbetriebnahme der U-Strab und der umgebauten Kriegsstraße. Die Gleise werden ausgebaut, und die Fußgängermeile gepflastert wie der neue Marktplatz. Foto: jodo

Rausreißen oder Liegenlassen? Das ist die Frage, die sich plötzlich auch die Stadtpolitik hinsichtlich der Schienen in der Kaiserstraße stellt. Vor einem halben Jahr eröffneten die BNN die neue Debatte mit dem Bericht über die Forderung des Fahrgastverbands Pro Bahn, die Gleise durch die Fußgängerzone doch weiter zu nutzen.

Dabei ist das Herausnehmen der Straßenbahnen aus der Kaiserstraße eine zentrale Komponente der Kombilösung, für die sich die Karlsruher 2002 aussprachen. Darf daran nachträglich gedreht werden? Und geben die in über 17 Jahren veränderten Mobilitätsverhältnisse Anlass zum Umdenken? Redakteur Rupert Hustede gibt Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Wie ist die Ausgangslage?

Die Bürger haben 2002 die Kombilösung beschlossen. Sie enthält die zwei Komponenten U-Strab sowie Umgestaltung der Kriegsstraße mit Autotunnel und oberirdisch neuen Gleisen. Das Herausnehmen des Bahnverkehrs aus der Kaiserstraße sowie aus der Südachse Marktplatz bis Ettlinger Straße Höhe Zoodirektion ist dabei dreifach zentraler Bestandteil: Das Aus für die Straßenbahnen in der Kaiserstraße gilt erstens als Hauptgrund für die Zustimmung der Bürger zur Kombi.

Das Duo aus OB Heinz Fenrich und Nahverkehrschef Dieter Ludwig kamen gerade auf diese Lösung, um die Bürger doch noch für die U-Strab zu begeistern. Beim ersten Bürgerentscheid 1995, als die U-Strab durchfiel, stand gerade die jetzt wieder aufkommende Mischlösung mit Straßenbahnen oben und unten in der Kaiserstraße zur Abstimmung.

Was hat sich verändert?

Der Schienennahverkehr steht aus zwei Gründen wahrscheinlich vor einem enormen Aufschwung. Die Klimakrise bestimmt derzeit die Verkehrspolitik. Wahrscheinlich fließen in den nächsten Jahren viele Milliarden Euro aus der Bundeskasse in die Stärkung des ÖPNV. Dass für die Passagiere tatsächlich bald der „kostenlose ÖPNV“ kommt und das Autofahren in der Stadt noch unattraktiver gemacht wird, erscheint möglich.

Ein gewaltiger Ansturm auf das „Karlsruher Modell“, die umsteigefreie Fahrt ins Herz der Technologieregion, ist also möglich. Diese Perspektiven lassen daran denken, das oberirdische Netz im Zentrum der Stadt nicht zu kappen.

Was spricht für Schienen in der Fußgängerzone?

Die Kapazität ist da. Diese Möglichkeiten dürfe man sich nicht durch Rausreißen der Gleise nehmen, meinen Befürworter des Verbleibs der Schienen. Die Zeiten haben sich geändert: Karlsruhe braucht deshalb mehr City-Gleise als die Kombi vorsieht. Die Straßenbahn hat Vorrang in Zeiten des Klimanotstands.

Da müssen die Flaneure eben auf eine reine Fußgängerzone mit grenzenloser Bewegungsfreiheit, ohne Gefahr unter die Räder zu kommen, verzichten. Die vielen Millionen für feines Pflaster in der Kaiserstraße wie auf dem Marktplatz kann sich Karlsruhe sparen.

Was spricht gegen Gleise in der Kaiserstraße?

Das Versprechen, das die Bürgermehrheit für die Kombi 2002 erst ermöglicht hat, muss gehalten werden. Die schienenfreie Kaiserstraße ist ein Eckpfeiler des Stadtumbaus, ohne ihn stürzt die ganze Kombi in sich zusammen. Ganz einfach: Die besonders auch von den U-Strab-Gegnern geforderte Umgestaltung der City-Autobahn Kriegsstraße, die Fenrich und Ludwig mit der U-Strab zur Kombi machten, war eigentlich nur mit der Herausnahme der Schienen aus der Kaiserstraße möglich.

Die kommende Straßenbahntrasse Kriegsstraße ist der Aufhänger, um sich auch den Autotunnelbau von Bund und Land als ÖPNV-Folgemaßnahme zu 80 Prozent finanzieren zu lassen. Schienen in der Kaiserstraße würden also nachträglich den Umbau der Kriegsstraße mit Autotunnel in Frage stellen. Die Kombilösung wäre endgültig eine Mogelpackung.

Welche Positionen beziehen die Parteien vor der Debatte am Dienstag im Gemeinderat?

Die Stadtverwaltung pocht darauf, dass mit der kompletten Inbetriebnahme der Kombi „die Gleise in der Kaiserstraße nicht mehr benötigt und deshalb wie geplant zurückgebaut werden“.

Die SPD bleibt dabei: „Die Gleise müssen rausgenommen werden“, erläutert ihr Vorsitzender Parsa Marvi den Beschluss der Kreisdeligiertenkonferenz. „Wir fordern die SPD-Fraktion dazu auf, den ursprünglichen Plan zur Kombilösung weiter zu verfolgen. Dies bedeutet, dem ursprünglichen Beschluss, die Schienen von der Karlsruher Kaiserstraße zu entfernen, treu zu bleiben“, meint die SPD. Man sei auch nicht für einen neuen Bürgerentscheid, sagt Marvi.

Dagegen fordern die Grünen und Die Linke ein „Moratorium für den Abbau von Gleisen in der Stadt“. Zunächst müsse die U-Strab ein Jahr laufen und dann die Situation bewertet werden. Die Begründung lautet: „Ein Gleisabbau ist nur dann sinnvoll, wenn hinsichtlich der Kombilösung final geklärt ist, ob eine Strecke für den täglichen Betrieb auch als Umleitung definitiv nicht notwendig ist. Dies muss auch hinsichtlich notwendiger Kapazitätssteigerungen betrachtet werden.“

Die AfD will, dass die Gleise sicherheitshalber mindestens drei Jahre nach Fertigstellung der Kombi erhalten bleiben. Die anderen Parteien und Gruppierungen haben sich noch nicht positioniert. n Sonderseite U-Strab-Bau

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