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Seilerhäuschen wird barriereärmer

Rollstuhlrampen aus Legosteinen: Kulturküche Karlsruhe setzt auf kreative Konzepte für Quartiersarbeit

Die offizielle Eröffnung der Kulturküche und der Beginn der Corona-Krise in Deutschland lagen nur wenige Tage auseinander. Unterkriegen lassen sich die Initiatoren des Quartiersprojekts aber nicht.

Bunt und barrierefrei: Eine Rampe aus Legosteinen für Rollstuhlfahrer im Seilerhäuschen präsentiert Ibadete Kadrijaj von der Kulturküche. Foto: Peter Sandbiller

Für Rollstuhlfahrer stellen die Türschwellen im historischen Seilerhäuschen ein schwer zu überwindendes Hindernis dar. Weil ein Rückbau der wenigen Zentimeter hohen Raumübergänge in dem denkmalgeschützten Gebäude nicht ohne weiteres möglich ist, haben sich die Mieter des Kreativzentrums Kulturküche Karlsruhe etwas Besonderes einfallen lassen und bunte Rampen aus farbigen Legosteinen gebaut.

Dafür wurden mehrere Hundert Legosteine passgenau vor den Schwellen zusammengesteckt und mit Kleber fixiert. Für ein angenehmes Rollen sorgen die Steine mit schräger Oberfläche, die beim Modellhausbau für Dachschrägen verwendet werden.

„So konnten wir das Gebäude zumindest etwas barriereärmer machen“, freut sich Sabine Uhle vom Kulturküchen-Vorstand über die Aktion. Der Bau der Rampen war ursprünglich als Mitmachaktion für die Kulturküchen-Besucher gedacht und wurde während der Pandemie bei eingeschränktem Betrieb unter Wahrung der Corona-Verordnung in die Tat umgesetzt.

Idee für den Bau der Lego-Rampen stammt aus Köln

„Wir haben immer wieder Gäste im Hof angesprochen. Und fast alle waren mit Begeisterung dabei und haben Steine in die Hand genommen und eigene Ideen für die Gestaltung der Rampen beigesteuert“, erzählt Uhle.

Die Idee für den Bau der Lego-Rampen hatten die Karlsruher Kulturköche aus Köln übernommen. Dort wurden nach einer Initiative des Vereins „Junge Stadt Köln“ und der Aktion Mensch mehrere Gebäude mit Rampen aus bunten Spielsteinen barrierefrei gestaltet.

„Es wäre toll, wenn dieses Projekt auch in Karlsruhe Nachahmer auf den Plan ruft“, sagt Uhle. Komplett barrierefrei gemacht ist das historische Kulturküchen-Domizil an der Kaiserstraße gegenüber dem KIT-Campus Süd allerdings durch den spielerischen Ansatz nicht.

Die Treppeneingänge des ältesten Gebäudes der Fächerstadt sind für Lego-Rampen schlichtweg zu hoch. „Da braucht man über 10.000 Steine und kann unmöglich die erforderliche Stabilität herstellen“, so Uhle.

Auch Nachhaltigkeit steht im Fokus

Die Lego-Rampen sind nicht das einzige Projekt, mit dem die Kulturküche während der Corona-Pandemie am Laufen gehalten wird. Die zahlreichen Online-Kurse stoßen ebenso auf große Resonanz wie die werktägliche Mittagessen-Ausgabe.

Nachhaltigkeit lautet dabei das oberste Gebot, denn die täglich wechselnden Gerichte werden nicht nur aus regionalen, saisonalen und ökologisch produzierten Zutaten frisch zubereitet, sondern auch in Mehrwegverpackungen oder in selbst mitgebrachte Vesperdosen der Besucher ausgegeben.

Ein deutlich sichtbares Mahnmal gegen Verschwendung und Umweltverschmutzung ist auch das aus weggeworfenen Gegenständen gebastelte „Müllmonster“ im Schaufenster der Kulturküche.

Wir haben kein festgelegtes Konzept und keine starren Organisationsstrukturen.
Sarah Tzitzikos, Initiatorin der Kulturküche

„Solche Sachen machen richtig Spaß. Aber wir wurden von der Krise ebenso hart erwischt wie alle anderen“, sagt Kulturküche-Initiatorin Sarah Tzitzikos. Aufgeben sei aber nie eine Option gewesen und deshalb habe man das Angebot der aktuellen Situation angepasst.

Mahnmal: Das Mülllmonster im Schaufenster der Kulturküche soll die Betrachter für einen sorgfältigen Umgang mit Konsumgütern sensibilisieren. Foto: Joerg Donecker

Selbst dass die Corona-Krise ausgerechnet wenige Tage nach der offiziellen Eröffnung des soziokulturellen Quartiersprojekts auch in Karlsruhe ankam, hat dem Enthusiasmus des Gründerteams nur wenig geschadet. „Wir haben kein festgelegtes Konzept und keine starren Organisationsstrukturen. Deshalb konnten wir auf die jeweiligen Gegebenheiten gut reagieren“, sagt Tzitzikos.

Treffen in Kleingruppen wurden unter Beachtung der jeweiligen Verordnungen von den Innenräumen in den geräumigen Innenhof verlagert. Statt Kulturveranstaltungen mit mehreren Dutzend Besuchern im Seilerhäuschen ist nun individuelles Gärtnern in den vor wenigen Tagen geschreinerten Hochbeeten angesagt.

Und mit der Gründung der Stiftung Kraftnetz gegen Einsamkeit hat Tzitzikos Ende 2020 sogar noch ein zeitgemäßes Projekt zum Kampf gegen Isolation und Vereinsamung während der Pandemie in die Wege geleitet.

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