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Karlsruhe im Yoga-Fieber

Ruhe in der Krise: So sieht die Yoga-Szene in Karlsruhe aus

Yoga machen nicht mehr nur esoterische Omis oder flexible Körperakrobaten. Es kann als weltumfassende Bewegung beschrieben werden, die in Krisenzeiten wieder an Aktualität gewinnt.

Alessa Nagy ist Inhaberin von „Yoga by Alessa” und ist durch Yoga selbstbewusster und ausgeglichener Foto: Alessa Nagy

„Yoga, so wie ich es verstehe, ist schön undogmatisch und trotzdem ein fundiertes Übungssystem, das alle Ebenen deines Dasein anspricht und transformieren kann“, sagt Volker Linder. Er ist Inhaber der Yoga Akademie Karlsruhe und Co-Author des Buches „Yoga der Achtsamkeit. Für jedes Alter an jedem Tag“. Auf der Suche nach etwas, das im Spaß mache und gleichzeitig in die Tiefe gehe, stieß der ehemalige Philosophie-Student auf Yoga.

„Yoga ist für mich Wellness für den Kopf und aktive Physiotherapie für den Körper“, so beschreibt es Katharina Lutz, die im Mai dieses Jahres ihre eigene Yoga-Schule „Kly Yoga“ in Karlsruhe eröffnen will . Gerade die Vielseitigkeit gefalle ihr besonders am Yoga und dass es einem gibt, was man gerade brauche. Sei es Ruhe durch Meditation und Dehnung, schweißtreibende Bewegungssequenzen oder intensive Einheiten zur Kräftigung der Muskeln. „Alle Yoga-Einheiten haben die Gemeinsamkeit, den Moment bewusst wahrzunehmen und präsent zu sein.“, findet die Yoga-Lehrerin.

Wie sieht die Yoga-Szene in Karlsruhe aus?

Als Yoga-Lehrerin Tina Kreuz der Schule „Happy-Yoga-KA“ vor vier Jahren nach Karlsruhe kam, habe sie länger nach einem passenden Kurs gesucht. Heute sei das Angebot, wie auch das allgemeine Interesse, gestiegen.

„Karlsruhe hat eine bunt gemischte Yoga-Landschaft.“, sagt Volker Linder. So spuckt auch eine Google-Suche nach „Yoga in Karlsruhe“ zahlreiche Treffer zu Angeboten in Karlsruhe und Umgebung aus. Sei es in Fitnessstudios, Vereinen, in klassischen Yoga-Schulen oder auch unter freiem Himmel im Sommer, wie beim Meetup „Yoga im Schlossgarten Karlsruhe“ .

„Yoga kann jeder üben, der atmen kann.“ Im Gegensatz zu den Vorurteilen, man müsse schlank und gelenkig sein, um Yoga zu machen, besagt das Zitat des Gelehrten und indischen Yoga-Lehrers Krichnamacharya, wer tatsächlich Yoga machen kann: und zwar jeder! Ob dünn oder dick, krank oder gesund, alt oder jung.

Die Vorurteile gegenüber Yoga [...] werden nach und nach aufgebrochen.
Katharina Lutz / „Kly Yoga”

„Die Vorurteile gegenüber Yoga, zum Beispiel dass nur meditiert wird oder es nur etwas für esoterische Menschen ist, werden nach und nach aufgebrochen. Ich merke auch, dass immer mehr Männer an Yoga-Stundenteilnehmen.“, so Lutz.

Wieso steigt das Interesse für Yoga?

Körperliche Beschwerden, Krankheiten, emotionale Unausgeglichenheit oder mangelnde Flexibilität – die Wege zum Yoga sind unterschiedlich und dennoch verbindet sie alle der Wunsch auf diesem Weg die eigene Lebensqualität zu verbessern. So konnte auch Yoga-Lehrerin Alessa Nagy von „Yoga by Alessa“ , ihr Gedankenkarussell im Kopf endlich bändigen. „Unser Leben ist heutzutage so stressig und laut – und da ist Yoga ein wundervoller Weg, um wieder zu sich selbst zu finden und zur Ruhe zu kommen“, sagt sie.

„Yoga hat nichts mit sportlichem Wettbewerb zu tun, sondern jeder macht für sich eigenen Erfahrungen“, so Kreuz. In ihrer zehnjährigen Erfahrung war Yoga ein treuer Begleiter und ein Weg, um Ruhe und Kraft zu tanken. „Bei Yoga komme ich mit mir selbst in Kontakt, kann meinen Körper und den Moment wahrnehmen und meinen Geist anhaften.“

„Stress ist eine der Hauptursachen für ein schwaches Immunsystem“, sagt Lutz, die davon überzeugt ist, dass Yoga zur Linderung beiträgt. „Durch die bewusste und tiefe Atmung wird mehr Sauerstoff in die Zellen transportiert, was zu einer erhöhten Nährstoffaufnahme und dem Abtransport von Schadstoffen führt“, sagt die Yoga-Lehrerin.

„Gesundheit wird im Yoga ganzheitlich verstanden“, erklärt Linder, der auch Yoga-Ausbilder ist. Die positiven Wirkungen von Yoga seien mittlerweile wissenschaftlich belegt. Körperlich helfe es beispielsweise bei Rücken- oder Kopfschmerzen, aber auch auf psychischer Ebene. „Der Geist wird ruhiger und ausgeglichener und oft verschwinden in der Folge Schlafstörungen, Depressionen und Ängste“, so der Karlsruher Yoga-Lehrer.

Und auch Kreuz sieht die positiven Effekte des Yogas, aber sie sagt dennoch: „Yoga sehe ich als Prävention. Wenn man wirklich krank ist, sollte man besser zum Arzt gehen.“

In Bezug auf das Coronavirus, erzählt Nagy aus eigener Erfahrung. Sie selbst war mit COVID-19 infiziert und weiß deshalb: „Yoga kann einer Corona-Infektion nicht vorbeugen.“ Doch es stärke die Abwehrkräfte und das Immunsystem. Außerdem komme man so stressfreier und ruhiger durch diese aufwühlenden Zeit. „Und natürlich kann Yoga helfen, um sich nach einer Infektion wieder zu erholen. Ich selbst wende verschiedene Atemtechniken an, um nach meiner Infektion schnell wieder fit zu werden“, berichtet sie.

Wie sieht es mit Yoga-Kursen in der Corona-Zeit aus?

Yoga-Kurse bieten drei dieser fünf Yoga-Lehrer aus Karlsruhe an und die durch Linder betreuten Ausbildungen finden teilweise auch über das Internet statt. Generell ist das Angebot im Netz groß. Von kostenlosen Tutorials für private Einheiten bis hin zu gemeinsamen Yoga-Kursen ist alles dabei.

De Alvarez gesteht, dass sie Online-Kurse nur ungern mache, da die Korrektur jedes einzelnen Yoga-Schülers ein wesentlicher Bestandteil sei und online nicht möglich ist. Dennoch sieht sie an den Online-Kursen auch eine schöne Seite, denn so kann sie mit ihren Schülern in Kontakt bleiben.

Lutz’ Online-Angebot wurde dankend angenommen und sie konnte ihre Teilnehmeranzahl sogar erweitern. Sie vermutet, dass die Hürde an einem Kurs teilzunehmen, da Nl zunächst unbeobachtet üben können. „Oder vielleicht hat man jetzt mehr Zeit, um neue Hobbies auszuprobieren“, sagt Lutz.

Es hat alles immer seine guten Seiten – und auf die sollte man sich konzentrieren.
Alessa Nagy / „Yoga by Alessa”

Die Zeit nutzen alle fünf, um an sich selbst zu arbeiten. So berichtet Lutz, dass sie aktuell neue Ideen sammle und Einheiten für Anfänger drehe. Außerdem übe sie sich gerade in Geduld, was die Eröffnung ihrer Yoga-Schule angeht: „Manchmal muss man einfach seine Pläne über den Haufen werfen und darauf vertrauen, dass am Ende alles gut oder vielleicht sogar noch besser als geplant wird.“

Kreuz erzählt, dass sie selbst digital an Kursen ihres alten Yoga-Studios in Düsseldorf teilnehme und sich an dem schönen, wenn auch virtuellen, Gemeinschaftsgefühl erfreue. Sie sieht das Leben als Prozess und arbeitet ständig an sich. Deshalb empfindet sie es als spannend, diese Situation anzunehmen, um darin neue Chancen zu erkennen.

Auch Linder sagt, dass die Situation ihm helfe, herauszufinden, ob er in seinem Leben tatsächlich mache, was er will. „Und wenn nicht, ist es jetzt Zeit das zu ändern.“, so der Ausbilder.

Natalie de Alvarez Yogaschule „Anjali” befindet sich in Karlsruhe-Durlach Foto: Natalie de Alvarez

De Alvarez praktiziere täglich drei bis vier Stunden Yoga. Dabei dürfen eine Stunde Philosophie sowie Meditation nicht fehlen. In ihren Augen dürfe der Bezug zu den indischen Schriften nicht verloren gehen, da er gerade jetzt aktueller denn je ist. „Yoga sagt, dass es eine Schattenseite, aber auch Sonnenseite gibt. Die Schattenseite macht uns stärker. Yoga ist zeitlos.“

Und auch Nagy, die nach ihrer Infektion wieder zurück auf der Matte stehe, schaue optimistisch in die bevorstehende Zeit: „Es hat alles immer seine guten Seiten – und auf die sollte man sich konzentrieren.“



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