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Teilweise Beschaffungsprobleme

Schnelltests in Pflegeheimen: So kommen sie in Karlsruhe zum Einsatz

Die Antigen-Schnelltests sollen Bewohnern, Angehörigen und Mitarbeitern in Pflegeeinrichtungen Sicherheit geben. Einrichtungen aus der Region haben die Tests seit dieser Woche eingeführt und erklären, wo sie helfen und wo sie an Grenzen stoßen.

Einige Pflegeeinrichtungen arbeiten bereits mit den Schnelltests, hier eine Pflegerkraft in einem Tübinger Seniorenheim. Sie sollen Bewohnern, Besuchern und Mitarbeitern innerhalb einer halben Stunde ein Ergebnis anzeigen. Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Im Karl-Siebert-Haus in Karlsruhe und im Anna-Leimbach-Haus in Durlach blicken die Menschen auf schwere Tage zurück. Nach Corona-Ausbrüchen in den beiden Pflegeeinrichtungen sind insgesamt zehn vorerkrankte Bewohner gestorben. Zeitweise war die Hälfte des Personals aufgrund von Quarantäne nicht verfügbar.

Mittlerweile haben beide Einrichtungen wieder für Besucher geöffnet, Bewohner und Mitarbeiter versuchen, die schweren Tage hinter sich zu lassen. Doch Unsicherheit ist geblieben. Manche Mitarbeiter fragen sich, ob sie nach Corona-Erkrankungen in ihrem erweiterten privaten Umfeld zur Arbeit kommen dürfen. Manche Bewohner sorgen sich nach dem Besuch des Enkels, in dessen Klasse es einen Corona-Fall gab.

Für solche Fälle hat die AWO in den beiden genannten und in allen ihren fünf Einrichtungen in und um Karlsruhe in dieser Woche Schnelltests eingeführt. „Mitarbeiter, Angehörige und Bewohner fragen das nach“, sagt Geschäftsbereichsleiterin Clarissa Simon. „Schnelltests geben eine Sicherheit – aber eine relative Sicherheit.“

Der Bund sieht den großflächigen Einsatz der Antigen-Tests in seiner Testverordnung vom 15. Oktober vor. Darin heißt es: „Ihr Einsatz soll verhindern, dass sich alte und kranke Mitbürgerinnen und Mitbürger mit dem Coronavirus anstecken.“ Bis es zur Umsetzung kam, mussten die Einrichtungen die Tests bestellen und Konzepte erstellen.

Umsetzung für Pflegeheime ist freiwillig

In den AWO-Seniorenzentren wird der Schnelltest nun eingesetzt, wenn sich Bewohner oder Mitarbeiter unsicher sind oder leichte Symptome zeigen, etwa einen Schnupfen. Angehörige sollen in Einzelfällen getestet werden, beispielsweise wenn sie aus einem Risikogebiet kommen.

Die Bewohner sollen in ihren Einzelzimmern getestet werden. Dann steht ihnen eine Pflegekraft mit FFP2-Maske, Schutzbrille, Haube und Handschuhen gegenüber. „Die Bewohner sind es gewohnt, dass sie auch nur im geringsten Zweifelsfall Mitarbeiter mit voller Montur sehen“, sagt Simon.

Ebenso wie beim PCR-Test wird ein Abstrich gemacht. Das Ergebnis soll jedoch schon nach einer halben Stunde vorliegen. Nach bislang rund 20 negativen Schnelltests in den AWO-Zentren fehlen noch Erfahrungswerte. Die goldene Lösung ist es jedoch nicht, wie Simon durchblicken lässt. „Für die Mitarbeiter ist das ein Riesenaufwand. Die halbe Stunde geht in der Pflege, am Menschen, abhanden.“ Die Pflegekräfte müssten sich für den Test umziehen, dann auf das Ergebnis warten und dieses umfangreich dokumentieren.

Pflegeeinrichtungen müssen die Schnelltests laut Verordnung nicht anbieten, es ist freiwillig. Doch aus Sicht von Simon wurden Erwartungen geweckt, wenn der baden-württembergische Sozialminister Manne Lucha (Grüne) die Schnelltests „dringend empfiehlt“. Simon sagt: „Ich sehe es kritisch, solche Verordnungen zu machen, ohne zu schauen, wie die Einrichtungen das schultern können. Reihentestungen bekommen wir personell überhaupt nicht hin – das ist unrealistisch.“ Externe mobile Testteams seien nicht verfügbar.„Deshalb halten wir es in der Form für problematisch.“

Beschaffungsprobleme in manchen Einrichtungen

Außerdem könnten die Tests nur eine erste Rückmeldung geben, da sie unzuverlässiger als PCR-Tests sind. Zeigt der Schnelltest ein positives Ergebnis, folge daher in jedem Fall ein PCR-Test.

Für die 27 Seniorenzentren „Haus Edelberg“, die es in der Region unter anderem in Pfinztal, Stutensee oder bei Rastatt gibt, ist das Unternehmen Orpea aus Frankfurt zuständig. In allen Einrichtungen gebe es seit dieser Woche Schnelltests, sagt Sprecher Bernhard Rössler. „Jeder Bewohner und Mitarbeiter wird einmal pro Woche getestet“, so Rössler. Das gelte für jede Einrichtung, solange der Inzidenz-Wert des jeweiligen Stadt- oder Landkreises über 50 liegt.

Auch „Hauptangehörige“ werden getestet. „Der Sohn beispielsweise, der oft zu Besuch kommt, wird mindestens einmal pro Woche getestet“, erklärt Rössler. „Es ist ein deutlicher Mehraufwand, aber wir möchten möglichst auf die sichere Seite gehen – auch wenn der Schnelltest nicht der letzte und ausschlaggebende Test ist.“

Das Land Baden-Württemberg hat fünf Millionen Schnelltests bestellt, etwa für größere Ausbrüche in Pflegeheimen oder im Fall von Versorgungsengpässen. Die FDP hatte der Landesregierung zuletzt zögerliches Verhalten vorgeworfen und vor Lieferengpässen gewarnt. Sozialminister Manne Lucha (Grüne) wies die Kritik zurück („Gründlichkeit geht vor Schnelligkeit“). Eine Abfrage bei großen Einrichtungen hatte laut Ministerium ergeben, dass es keine Lieferschwierigkeiten gibt.

Einer erneute Abfrage vom Montag zeigt nun ein anderes Bild, wie die BNN erfährt. „Manche Einrichtungen beklagen Beschaffungsprobleme“, teilt eine Sprecherin des Ministeriums mit. Träger würden auch eine Erwartungshaltung von Bewohnern und Angehörigen beklagen, die regelmäßig getestet werden wollen. Eine durchschnittliche Einrichtung bräuchte demnach ein bis zwei zusätzliche Personalstellen, um alleine die Beschäftigten einmal pro Woche zu testen. Die Sprecherin erklärt daher: „Personalmangel wird die Nutzung von PoC-Antigen-Tests selbst bei Behebung aller Beschaffungsprobleme auch in Zukunft vor Herausforderungen stellen.“

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