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Zahlreiche Maßnahmen

Sicherheitsdienste am Eingang: Wie sich geöffnete Läden in Karlsruhe auf Corona einstellen

Plexiglas und Klebeband sind dieser Tage das Klopapier vieler Unternehmen mit Kundenkontakt – sie sind mindestens genauso gefragt. Wer trotz Corona-Verordnung noch öffnen darf, schützt seine Mitarbeiter und Kunden so gut es geht. In Karlsruhe nutzen sie dafür die unterschiedlichsten Methoden.

Die noch offenen Geschäfte reagieren mit Zugangsbeschränkungen, Abstandsmarkierungen und Informationstafeln auf die Corona-Krise. Foto: jodo

Plexiglas und Klebeband sind dieser Tage das Klopapier vieler Unternehmen mit Kundenkontakt – sie sind mindestens genauso gefragt. Wer trotz Corona-Verordnung noch öffnen darf, schützt seine Mitarbeiter und Kunden so gut es geht.

In Zusammenarbeit mit unserer Mitarbeiterin Clara Müller-Wirth

Vor allem an den Kassen finden sich viele Provisorien. Auf dem Boden markieren Linien und Kreuze den verlangten Abstand. Die eilig angebrachten Scheiben sollen Infektionen verhindern. Teilweise regeln Sicherheitsdienste den Einlass. Fast überall informieren Aushänge oder Aufsteller über die getroffenen Maßnahmen.

Zeitschriften, Post und Drogerieartikel sind weiter gefragt

In der Mühlburger Rheinstraße ist am Vormittag recht viel los, mehrere Läden sind geöffnet. Vor dem Drogeriemarkt reicht die Schlange bis auf die Straße. Ein Sicherheitsmitarbeiter gibt freundlich aber bestimmt Anweisungen.

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Einige Schritte weiter steht Christiane Schicht an der Kasse eines Zeitschriftenladens. Sie trägt Einmalhandschuhe. Der Chef ist unterwegs, um Plexiglas zu kaufen. „Die meisten nehmen Rücksicht und halten Abstand. Aber es ist nicht weniger los als normal“, erzählt die Verkäuferin.

Besonders groß ist der Andrang bei der Post-Annahmestelle. „Viele verschicken zum Beispiel kleine Aufmerksamkeiten an Freunde und Verwandte.“

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Läden abseits des täglichen Bedarfs spüren Kundenrückgang

Etwas weiter westlich sind deutlich weniger Kunden unterwegs. Läden abseits des täglichen Bedarfs, die am Freitag noch öffnen dürfen, gehen ganz unterschiedlich mit der Situation um.

Die Filiale des Hörgeräte-Experten Seifert teilt per Aushang mit, dass nur „absolut notwendige“ Besuche erwünscht sind. Optik Arnold möchte von potenziellen Kunden wissen, ob sie denn in Risikogebieten waren oder mit Infizierten Kontakt hatten. Dann solle man doch lieber zum Telefon greifen, so die Anweisung.

Die Niederlassung des Optikers Binder bleibt gleich ganz zu. Thomas Krämer steht derweil noch hinter der Theke von „Brillen Erb“. Er rechnet damit, das Geschäft bald schließen zu müssen. Kunden werden weiterhin normal beraten. „Es kommt aber sowieso keiner mehr.“

Ähnliches berichtet eine Mitarbeitern der Textilreinigung Sauberland. Niemand bringe mehr etwas, deshalb habe man die Öffnungszeiten ohnehin schon um die Hälfte reduziert.

Manche Kunden freuen sich über ein bisschen Normalität.
Elke Moosler, Inhaberin Friseursalon Brädle

Im Friseursalon Brädle sitzen zur selben Zeit zwei ältere Damen. Einige hätten ihre Termine abgesagt, erzählt Inhaberin Elke Moosler.

„Aber manche Kunden freuen sich über ein bisschen Normalität.“ Im Salon lässt sich die Abstandsetikette nicht einhalten, auch wenn die Friseure meist hinter ihren Kunden stehen. Wer den Laden betrifft, muss sich seit einigen Tagen zuerst die Hände waschen.

Die Friseure desinfizieren nach jedem Kunden direkt Stuhl, Arbeitsplatz und Material. „Es hat mich trotzdem verwundert, dass wir weiter öffnen dürfen“, sagt Moosler noch am Donnerstag.

Apotheken schotten sich ab

In der Drei Linden-Apotheke hält sich der Andrang kurz vor Mittag in Grenzen. Die Mitarbeiter tragen Mundschutz, auf dem Boden weisen rote Kreuze Warteplätze zu.

Früh dran mit Maßnahmen wie diesen war die Rathaus-Apotheke in Grötzingen. Schon seit Montag gelangen Kunden nur noch durch eine abgesteckte Warteschlange hinein. Maximal fünf Personen sollen sich drin gleichzeitig aufhalten. Beratung gibt es nur noch durch Plexiglas.

„Wir bieten außerdem Onlinebestellungen an, die jetzt verstärkt genutzt werden“, sagt Mitarbeiter Benedikt Bühler. „Für die jetzigen Maßnahmen wurden wir anfangs belächelt“, erzählt Bühler. „Mittlerweile halten sich die Kunden alle daran und äußern sogar ihren Dank.“

Organisatoren von Das Fest helfen am Rathaus West

Hinter dem Rathaus West hat die Karlsruhe Marketing und Event GmbH (KME) ihre Erfahrungen aus der Organisation von Das Fest in ein Kunden-Leitsystem mit eingebracht. Absperrungen und Infotafeln sollen die Sicherheit jener Besucher garantieren, die einen Not-Termin bekommen haben.

„Niemand hätte einen Vorteil, wenn Gedränge entsteht“, sagt Markus Wiersch, der stellvertretende Geschäftsführer der KME.

Ein Leitsystem soll am Rathaus West Kunden mit Notfall-Terminen schützen. Foto: psc

Mitarbeiter des Ordnungsdienstes überwachen den Einlass. „Die meisten haben keinen Termin und müssen wieder gehen“, erzählen sie. Ärger habe deshalb aber niemand gemacht.

Viel Disziplin auf dem Wochenmarkt

Sehr diszipliniert zeigen sich auch die Kunden auf dem Wochenmarkt am Gutenbergplatz am Donnerstagmittag. Die zehn Menschen lange Schlage am Obst- und Gemüsewagen verteilt sich auf gut 15 Meter. Immer wieder ruft jemand: „Stehen Sie auch an?“

Eine Frau bittet freundlich, mehr Abstand zu halten. Eine andere ist mit ihrer Tochter auf den Gutenbergplatz geradelt. Der Wochenmarkt bringt ein Stückchen Normalität. Ihren geplanten Zahnarzttermin hat die Frau abgesagt.

Viel Abstand lassen die meisten Besucher der Wochenmärkte. Foto: psc

Die Fahrt mit dem Zug zur Arbeit nach Offenburg ist seit Mitte der Woche dem Homeoffice gewichen. „Vieles ist anders. Aber ich habe trotzdem den Eindruck, dass die meisten freundlich und entspannt sind“, sagt sie.

Waschsalon bleibt Anlaufstelle

„Jetzt ist die Zeit, in der die Menschen die wichtigen Dinge wieder zu schätzen lernen“, sagt Gabriela Zaharia. Sie arbeitet seit 15 Jahren im Waschsalon in der Sophienstraße, ein paar Fuß-Minuten vom Gutenbergplatz entfernt.

Kunden kommen noch immer. Wer keine Waschmaschine zuhause hat, dem bleibt kaum eine andere Wahl. Sorgen macht sich Zaharia nicht. Aber auch hier gibt es zusätzliche Schutzmaßnahmen. Die Angestellte desinfiziert den Waschsalon mehrmals täglich.

Strichliste am Baumarkt-Eingang

In der Käppelestraße im Osten der Stadt sind am frühen Nachmittag die Parkplätze der Supermärkte gut gefüllt. Käme nicht ein Mann mit Mundschutz und je einer Packung Klopapier und Küchentücher unter dem Arm aus einem Discounter, könnte man nahezu von Business as usual sprechen.

Drin ändert sich das Bild freilich. Auch hier sind Wartebereiche eingezeichnet. Mit Nachdruck ruft ein Kassierer mehrfach zur Einhaltung auf.

Auf der anderen Straßenseite verlieren sich die Besucher in den Gängen des Baumarkts. Maximal 150 Menschen lässt man hinein, so ist es zu lesen. Überwacht wird die Vorgabe von einem Sicherheitsmitarbeiter, der mit Zettel und Kugelschreiber eine Strichliste führt. „Es ist trotzdem einiges los“, erzählt er. „Ein Kunde hat zum Beispiel einen Schutzanzug gesucht.“

Wie wir über die Auswirkungen des Coronavirus berichten Auf bnn.de berichten wir zurzeit verstärkt über die wichtigsten Entwicklungen rund um Corona in der Region rund um Karlsruhe, Bretten, Pforzheim, Rastatt und Bühl. Jeden Tag schränken Kliniken die Besuchszeiten ein, Schulen schließen, Firmen schicken Mitarbeiter nach Hause. Es ist selbst für unsere Redaktion zeitweise schwierig, den Überblick zu behalten. Deshalb filtern wir für unsere Leser aus der Flut an Informationen, welche der vielen Corona-Meldungen wichtig sind – unter anderem in dieser Übersicht .

Alle Informationen prüfen wir, um keine Falschinformationen zu verbreiten. Viele Menschen, auch in unserer Redaktion, machen sich ohnehin Sorgen. Wir möchten sie informieren und nicht verunsichern.

Zwei unserer Kollegen befassen sich ausschließlich mit dem Thema Corona – als unsere internen Experten. Viele weitere BNN-Redakteure recherchieren täglich zu den Auswirkungen von Covid-19 in den Städten und Gemeinden der Region. Unsere Autoren sprechen mit Entscheidern in den Landratsämtern, Krankenhäusern und in Firmen. Gleichzeitig telefonieren sie (Betroffene treffen wir derzeit nicht persönlich) mit Menschen, die Cafés schließen, Veranstaltungen absagen oder zu Hause bleiben müssen.

So möchten wir dazu beitragen, dass Menschen in der Region sich auf dem aktuellsten Stand halten können, um die richtigen Entscheidungen für ihren Alltag und ihre Gesundheit zu treffen.

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