Skip to main content

Bunte Blumen allein bringen oft wenig

Sind Blühmischungen für mehr Insektenvielfalt eine Mogelpackung?

Blühstreifen und bunte Blumenwiesen sind nicht nur schön fürs Auge. Sie sollen, so das Versprechen, auch Insekten anlocken und positive Effekte für die Artenvielfalt haben. Seit März 2020 allerdings ist der Einsatz von Samenmischungen streng reguliert - denn oft taugen sie nichts.

Das versprochene Insektenparadies für mehr Artenvielfalt entpuppt sich manchmal als Mogelpackung. Foto: Christian Bodamer

Eine bunte Wiese kostet nicht viel: Bereits zu Preisen von unter einem Euro sind in Online-Shops und in Gartencentern Blühmischungen für Wiesen erhältlich, auf denen Bienen, Hummeln und Schmetterlinge sich wohl fühlen sollen. Tatsächlich haben diese Mischungen für die Natur aber selten einen nennenswerten Mehrwert. „Oft sind darin einjährige Arten, die aber nicht viel mehr als ein Lückenfüller sind und rasch wieder verschwinden“, sagt Thomas Breunig vom Karlsruher Institut für Botanik und Landschaftskunde.

Die Honigbiene ist vom Bienensterben nicht betroffen

Arten wie etwa der Klatschmohn oder die Kornblume seien auch kein geeignetes Mittel, um etwa Insekten einen Lebensraum zu schaffen. „Die Honigbiene nutzt solche Anpflanzungen zwar durchaus, weil sie relativ anspruchslos und robust ist“, erklärt Breunig. Die tatsächlich mit dem Begriff „Bienensterben“ gemeinten wilden Insektenarten profitierten indes kaum von solchen Blühstreifen.

Problematisch ist zudem bisweilen auch, was in den Blühmischungen selbst enthalten ist: Produkte aus dem Niedrigpreissegment enthalten oft Samen, die aus weit entfernten Gegenden stammen - und an die spezifischen Standortbedingungen einer Region gar nicht angepasst sind.

Es besteht sogar die Gefahr, dass in fremdländischen Blühmischungen Arten enthalten sind, die sich in der hiesigen Landschaft invasiv verbreiten könnten. Selbst die Naturschutzorganisation BUND verteilte vor einigen Jahren mal Blühmischungen für mehr Insektenvielfalt, in denen sich problematische Arten fanden.

Viele Naturschützer weisen daher schon lange darauf hin, beim Anlegen von Blühstreifen und Insektenwiesen auf Samen aus der jeweiligen Region zurückzugreifen - auch wenn diese im Zweifelsfalle teurer sind. Seit März 2020 findet sich diese Vorschrift auch im Bundesnaturschutzgesetz wieder: Gebietsfremde Arten dürfen in der freien Natur nur noch nach vorheriger Genehmigung ausgebracht werden. Im eigenen Garten allerdings bleiben sie weiterhin erlaubt.

Die „Blumenwiese“ als Etikettenschwindel

Unklar ist, wie das neue Verbot überwacht werden kann. „Aus naturschutzfachlicher Sicht ist es nicht einzusehen, dass man so viele Arten in die freie Landschaft einbringen kann“, sagt Botaniker Thomas Breunig. Freilich hänge am Handel und am Verkauf von Samenmischungen längst ein beträchtlicher Erwerbszweig.

Am Ende seien für die Ausbildung artenreicher Wiesen die Samen aber ohnehin nicht so sehr ausschlaggebend. „Das Problem ist stattdessen die fehlende Standortvielfalt in der Landschaft und insbesondere das Fehlen magerer Böden, auf die sehr viele Pflanzen und Tiere angewiesen sind“, erklärt Breunig. Eine echte Magerwiese bezeichnet er als „lokales Unikat“, das sich über einen langen Zeitraum ausgebildet habe und Heimat für 50 bis 60 regionaltypische Arten sein könne. „Das bekomme ich so mit keiner Samenmischung hin.“

Insofern, beklagt Breunig, seien Blühmischungen aus dem Gartenbaumarkt ein vermeidbarer Etikettenschwindel: „Solche Mischungen sollten zumindest nicht unter dem Namen ‘Blumenwiese’ verkauft werden. Der Name ist schlicht irreführend, schließlich fehlen meistens mehrjährige Gräser und Blumen, die eine nachhaltige Wiese begründen können.“

nach oben Zurück zum Seitenanfang