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825.000 Euro Beute

So erklären die Transporter-Fahrer den vorgetäuschten Überfall

Wie kam es zu der Tat an der A5 bei Weingarten im Sommer 2019? Zum Prozessauftakt am Landgericht Karlsruhe wurde deutlich, warum zwei Transporter-Fahrer einen Überfall vortäuschten und das Geld selbst entwendet haben sollen. Doch es gibt zwei Versionen.

Echte Polizisten sind in dieser Darstellung im Einsatz. Sie kamen zum Tatort an der A5 bei Weingarten, wo Sicherheitsmitarbeiter einen Überfall auf ihren Transporter durch falsche Polizisten gemeldet hatten Foto: Riedel

Lange herrschte Einigkeit im Schwurgerichtssaal des Landgerichts Karlsruhe. Der 36-jährige Angeklagte K. ließ sich am Dienstag detailreich darüber aus, wie er mit dem mitangeklagten M. (30) den Überfall auf seinen Geldtransporter vorgetäuscht und dann die knapp 825.000 Euro in einem Auto deponiert hat.

Die Einigkeit endete mit vier Seiten, die M. durch seinen Rechtsanwalt verlesen ließ. Bei den beiden weiteren angesetzten Verhandlungstagen wird es vor allem darum gehen, welcher der beiden Männer welchen Anteil hatte.

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"Ich war Alleinverdiener"

An ihrer ursprünglichen Version vom vergangenen Sommer, sie seien von einer Zivilstreife an der A5 bei Weingarten auf eine Behelfsausfahrt gelotst und dann von „falschen“ Polizisten überfallen worden, hielten beide längst nicht mehr fest. Vier Wochen nach der Tat sind die beiden Angeklagten in den Fokus gerückt – wie genau, ist zu Prozessbeginn noch unklar.

Dafür zeichnet sich nun ein generelles Bild ab, wie es zu der Tat kam. Beide Angeklagte – verheiratet und verschuldet – versuchten zusätzlich zur Arbeit bei der Sicherheitsfirma Prosegur, ihre Familien mit Nebenjobs über die Runden zu bringen. „Meine Frau hat sich beschwert, dass ich nie da war“, sagte K. „Aber ich war Alleinverdiener, stand für alles alleine da.“

Seine Version der Tat präsentierte der Angeklagte K. am Dienstag dem Landgericht. Demnach planten er und der Mitangeklagte M. gleichermaßen, Geld aus ihrem Transporter zu entwenden – der aber sah die Hauptschuld anders verteilt. Foto: dpa

Beide Angeklagte waren schon über mehrere Jahre in der Branche tätig. Doch erst bei Tour 23 kreuzten sich ihre Wege. Täglich holten sie als Fahrer und Beifahrer im Raum Bruchsal und Hockenheim von Supermärkten, Fachgeschäften oder Banken Geld in Sicherheitstaschen ab.

"Ich habe es aus Habgier gemacht"

Wer hatte aber die Idee, dass das Geld am Ende ihres Arbeitstages einmal nicht in der Zentrale der Sicherheitsfirma sondern in der eigenen Tasche landen könnte? Da endete die Einigkeit der beiden Angeklagten.

K. trug seine Version vor, wonach alles mit Witzen begann. „Ich habe dann überlegt, wurde gierig. Ich habe es aus Habgier gemacht.“ In mehreren Gesprächen während der Einsatz-Fahrten soll die Idee mit den „falschen“ Polizisten und dem Bunker-Auto entstanden sein, in dem sie das Geld deponierten. Dann kam der 22. Juli 2019. „Ich wusste morgens bei Dienstbeginn noch nicht, dass wir das machen“, sagt K.

M. präsentiert eine ganz andere Version

Doch M. habe schon früh am Tag nach einer Station angedeutet, dass aufgrund des Gewichts viel Geld in den Sicherheitstaschen sein müsse. In den detailreichen Ausführungen von K. wurde deutlich, dass jeder der beiden Angeklagten Ideen hinzugegeben haben soll. „Es wäre unfair zu sagen, er war das – wir haben es gemacht“, betonte K.

Dann ließ M. seine Version verlesen, gedruckt auf vier Seiten. K. habe Geld gebraucht, um ein Speditionsunternehmen zu gründen. „Ich begegnete ihm, dass das wohl nicht sein Ernst sei“, hieß es in der Erklärung von M. „Ich war zunächst geschockt von der Idee – aber er bedrängte mich weiter.“ Nur unter Druck habe er „bei dieser dummen Idee mitgemacht“.

Nächste Verhandlung am 31. März

Als die Erklärung verlesen wurde, schüttelte K. nur ungläubig den Kopf. Die beiden Deutschen müssen sich wegen Diebstahls mit Waffen und Vortäuschen einer Straftat verantworten – am nächsten Verhandlungstag am 31. März (4 Kls 670 Js 29424/20) wird es weiter um die Anteile der beiden Beschuldigten an der Tat gehen.

Es gebe insgesamt nur eine geringe Anzahl an Angriffen aus den eigenen Reihen, so die Bundesvereinigung Deutscher Geld- und Wertdienste. „Die Innentäterzahl ist sehr niedrig“, erklärt eine Sprecherin. Die geringe Anzahl der Überfälle führt sie auf die Verschärfung der Sicherheitsrichtlinien zurück. Viele Versuche blieben „glücklicherweise im Versuchsstadium stecken“.

Wer neu beschäftigt wird, werde überprüft – dazu gehöre auch die finanzielle Lage. „Aber natürlich kann es leider vorkommen, dass Beschäftigte innerhalb des Beschäftigungszeitraumes in finanzielle Notlagen geraten.“ Informationen darüber erhalte der Arbeitgeber dann nicht.

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