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Finanzsorgen des Vereins

So reagieren KSC-Fans auf eine mögliche Insolvenz des Karlsruher SC

Dass es um die Finanzen des Karlsruher SC nicht rosig aussieht, ist bekannt. Und die Corona-Krise verbessert diese Situation nicht. Je nachdem, ob diese Saison noch Fernsehgelder fließen, muss der Verein auch über eine mögliche Insolvenz nachdenken. Was denken die KSC-Fans über diese Nachricht?

25.08.2019 KSC Fans HSV Foto: Hora

Dass es um die Finanzen des Karlsruher SC nicht rosig aussieht, ist bekannt. Und die Corona-Krise verbessert diese Situation nicht. Je nachdem, ob diese Saison noch Fernsehgelder fließen, muss der Verein auch über eine mögliche Insolvenz nachdenken. Was denken die KSC-Fans über diese Nachricht, die am 1. April wie ein Aprilscherz durch die sozialen Netzwerke geisterte?

Zunächst an einen Aprilscherz dachte auch Marco Wallitschek, Inhaber von Fanartikel Walli. Aber dieser wäre schon sehr geschmacklos gewesen, erklärt er. Allerdings sei es für ihn als langjähriger KSC-Fan auch nichts Neues, dass bei seinem Verein die Gerüchteküche zu diesem Thema schnell brodele. „Die aktuelle Situation derzeit trägt natürlich auch nicht dazu bei, dass es besser wird“, sagt Wallitschek.

Laut Wallitschek geht es nicht nur dem KSC so, sondern sehr vielen anderen Traditionsvereinen. „Jeder hat im Moment zu kämpfen, wie in den meisten Wirtschaftszweigen“, sagt der Mann, der auch vom Erfolg des Fußballs lebt und derzeit nur Einkünfte aus seinen Onlineshops hat. Man müsse abwarten und alle möglichen Sparmaßnahmen treffen, die in dieser schwierigen Zeit notwendig seien. „Aber wer weiß, für was ein Neuanfang auch gut sein kann?“, so der 38-Jährige.

25.08.2019 KSC Fans HSV Foto: Hora

Normalerweise kein Mensch der großen Worte ist Gerd Rillmann. Er ist KSC-Fan und Administrator mehrerer KSC-Gruppen bei Facebook. Aber bei dem Thema muss er sich dann doch äußern: „Falls nach der DFB- und DFL-Ansage eine Planinsolvenz ohne Bestrafung durchzuziehen ist, wenn die Liga nicht zu Ende gespielt wird, ist das eine einfache und intelligente Art, sich seinem Schuldenberg zu entledigen.“ Menschlich gesehen sei dies laut Rillmann keine nette Art, aber in solch einer Situation gehe es um „das nackte Überleben des KSC“.

Wozu warten? Gas geben und das Ding nach Hause bringen.
Gerd Rillmann, KSC-Fan

Seiner Meinung nach sollte sich der Verein mit dem Thema auseinandersetzen. Dann werde er von Seiten des Verbandes unbestraft der Zweiten Bundesliga erhalten bleiben. Günstiger käme der Verein nicht mehr aus dieser Nummer.  „Wozu warten? Gas geben und das Ding nach Hause bringen“, lautet daher die Ansage des KSC-Fans.

„Im Endeffekt ist eine geordnete Insolvenz okay,“ sagt René Meyer vom KSC-Fanclub Blau-weisse KSC-Freunde . Dann kämen die ganzen Altlasten herunter. Die nächste Frage sei allerdings, seit wann dies alles bekannt sei. Wenn die Vereinsspitze das schon vor Corona gewusst hätte, hätte diese nach Meyers Meinung auch darüber informieren müssen. Der KSC-Fan schließt aus, dass die Corona-Krise die Insolvenz verschuldet hat, sagt er im Gespräch mit den Badischen Neuesten Nachrichten.

25.08.2019 KSC Fans HSV Foto: Hora

Ein Segen für den KSC

Die Einschätzung von KSC-Fan und Citymanager Frank Theurer: „Dem Verein würde eine geordnete Insolvenz zu Gute kommen." Dann würde sein Lieblingsverein das Schicksal mit Kaiserslautern teilen, meint Theurer. „Der Karlsruher SC kann dann von Null anfangen, ist schuldenfrei – ohne Altlasten und Diskussionen rund um Kölmel und die Schuldscheine“, so der Fan, der seit 1969 in den Wildpark geht und selbst Jugendspieler dort war. Er und seine Freunde, die alle eine Dauerkarte besitzen, verzichten auf die Rückerstattung der nicht gespielten Spiele.

KSC-Fan Frank Theurer (links) und die anderen Dauerkarten-Inhaber. Foto: pr

KSC-Fan und Wirt der Münchner Fußballkneipe „Stadion an der Schleißeimer Straße“ Holger Britzius folgert, dass der KSC nicht hintenanstehen kann, wenn alles gefühlt den Bach heruntergeht. „Die ewigen Altlasten, die zusätzlichen Stadionkosten, der leider doch recht wahrscheinliche Abstieg, der irgendwann drohende Rückzug von Vizepräsident Pilarsky und dann auch noch die jetzige massive Krise“, zählt Britzius auf. Lange habe das ohnehin nicht mehr gut gehen können, meint er.

Der gebürtige Grünwettersbacher hatte gehofft, dass der KSC in den Wildpark-Trümmern das „Bernsteinzimmer“ findet. „Aber davon hätte man wohl auch hier in München gehört“, sagt Britzius. Wenn es also gelingen könnte, eine geregelte Insolvenz hinzubekommen, wäre das vielleicht das kleinere Übel, so der Wirt. „Wir werden sicher nicht die einzigen sein, aber zumindest mal darin die ersten“, so der KSC-Fan weiter.

25.08.2019 KSC Fans HSV Foto: Hora

Supporters Karlsruhe zu drohender KSC-Insolvenz

„Als Kenner des KSC sind wir nicht komplett überrascht, dass die Krise auch unserem Verein zu schaffen macht“, sagt Marco Fuchs, erster Vorsitzender des Fan-Dachverbands Supporters Karlsruhe. Sein Verband hätte bereits früh davor gewarnt und die Fußballvereine und Verbänden zu gegenseitiger Solidarität aufgerufen.

Auf den ersten Blick wirke eine Planinsolvenz für jedes Mitglied und jeden KSC-Fan erschreckend. Fuchs und seine Kollegen sähen hierbei jedoch auch Chancen, Ballasttanks der Vergangenheit über Bord zu werfen und auch einen spürbaren Schritt in eine nachhaltige Zukunft zu machen. „Und dies aktuell vielleicht auch ohne einen großen sportlichen Einschnitt“, ergänzt der Vertreter der Fans.

Marco Fuchs, 1. Vorsitzender der Supporters Karlsruhe. Foto: Rastätter

KSC: Liga zwei top, alles andere ein Schock

Volker Körenzig vom Fanprojekt Karlsruhe betreut die Fans seit vielen Jahren. „Falls es so sein sollte, dass der Karlsruher SC Insolvenz anmeldet und in der Verbands- oder Landesliga anstatt im Profibereich spielen müsste, wäre das für die Fans eine Katastrophe“, sagt der Sozialarbeiter. Da würde hinterfragt werden müssen, ob auch sein Fanprojekt noch Sinn mache und wer das Ganze bezahlen würde. Seine kurz Zusammenfassung: Bleibt der KSC in Liga zwei wäre alles top, alles andere ein Schock.

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