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Corona-Krise

Sommergeschäft weg: Karlsruher Event-Gastronomen kämpfen ums Überleben

Karlsruher Foodtruck-Besitzer und Event-Gastronomen fürchten um ihre Existenz. Viele schaffen sich normalerweise im Sommer ein Polster für den Winter. Dieses Jahr fällt das aus. Über das Mittagsgeschäft versuchen viele zu retten, was zu retten ist.

Hilfe in der Not: Julia und Philipp Silvergieter dürfen dienstags vor dem „Holzhacker“ ihre Burger verkaufen. Das Restaurant hat dann Ruhetag. Mit dem Straßenverkauf versucht der Familienbetrieb, ein paar der Lücken zu schließen, die stornierte Veranstaltungen und Catering-Aufträge gerissen haben. Foto: jodo

Wird einer der Foodtrucks von Harry Schröder für ein großes Firmenevent gebucht, bringt das schnell mal 4.000 Euro Umsatz an einem Tag. Im Moment ist der Inhaber der „Frozen Yogurt Factory“ froh, wenn er im ganzen Monat auf diese Summe kommt. Seit einiger Zeit steht er mit einem Wagen bei gutem Wetter sechs Tage die Woche am Stephanplatz. „Es ist ein Überlebenskampf“, sagt der Unternehmer.

Events, Hochzeiten, Firmenfeiern – die größten Einnahmequellen sind der gesamten Branche aufgrund der Corona-Krise auf absehbare Zeit weggebrochen. Wer kann, versucht nun mit dem Tagesgeschäft zu retten, was zu retten ist. „Irgendwie über die Runden kommen“ lautet das Motto für die meisten.

Mittagsgeschäft leidet unter Firmen im Homeoffice

Am Dienstag brät Gordon Glökler zum ersten Mal seit Wochen wieder beruflich Burger. In der Nähe des Grünen Krebs in Durlach verkauft er aus seinem „Elephant“-Foodtruck. „Es lief besser als gedacht“, sagt er. Doch auch für ihn ist das Mittagsangebot nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein.

„Normal wären wir unter anderem beim Burgfest oder bei 'Das Fest' dabei gewesen. Solche Lücken lassen sich nicht schließen.“ Mindestens 50 Prozent des Jahresumsatzes sind weg, schätzt Glökler. Aushilfen beschäftigt er derzeit nicht, das Lager ist minimal gefüllt. „Runterfahren so weit es geht“ sei angesagt.

Selbst das Mittagsgeschäft ist nicht vergleichbar mit den Zeiten vor der Krise. Die Mitarbeiter vieler Firmen seien noch im Homeoffice, berichtet Glökler, das sei schon einige Tage vor Beginn des Lockdowns zu spüren gewesen. Stehtische für die Kunden gibt es trotz der bisherigen Lockerungen nicht. Gegessen wird mindestens 50 Meter entfernt, so die behördliche Vorgabe. Dafür sorgen müssen die Anbieter.

Sommer ist für viele die wichtigste Zeit des Jahres

Besonders hart trifft die Krise Unternehmer, die sonst eher im Eventbereich zuhause sind und erst ein Tagesgeschäft etablieren müssen, sagt Branchenexperte Daniel Bendl vom Online-Portal „Craftplaces“.

Diese Erfahrung machen seit drei Wochen auch Julia Silvergieter und ihr Mann Philipp, die seit fünf Jahren mit ihrem „Pretty Burger“-Wagen unterwegs sind. Sechs neue Standorte fährt das Duo an fünf Tagen an – zwei laufen recht gut.

Vor der Krise war die mobile Burgerbude gut im Geschäft, für 2020 war man fast ausgebucht. „Dann hat es Stornierungen gehagelt ohne Ende“, berichtet Julia Silvergieter. Aushilfen gibt es auch bei ihr nicht mehr. Mit der staatlichen Soforthilfe hielt sie sich einige Zeit über Wasser. Sogar zum Spargelstechen bewarben sich Julia und Philipp.

Jetzt läuft der Betrieb eingeschränkt wieder. „Die Existenzbedrohung bleibt aber“, sagt die Unternehmerin. „Eigentlich verdienen wir unser Geld vor allem im Sommer.“

Hoffnung auf kleinere Aufträge sobald es wieder geht

Auf Sonne und Wärme ausgelegt ist auch das Geschäftsmodell von Harry Schröder. Gut 30 Streetfood-Events in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz standen im Terminplan. Beim Hafenkulturfest und der Folkloria wollte er ebenfalls „Frozen Yogurt“ verkaufen.

„Viele Aufträge kommen außerdem von Firmen – die sind natürlich auch alle gestrichen“, sagt Schröder. Vier seiner fünf Wagen hat er deshalb vorerst abgemeldet. Einer steht dank kurzfristiger Genehmigung der Stadt regelmäßig am Stephanplatz.

Am Stephanplatz verkauft Harry Schröder mit seinem Foodtruck bei gutem Wetter kalte Erfrischungen. An Eventbuchungen kommt der Umsatz nicht ran. Foto: privat

Doch die Sorge bleibt. „Ich muss eigentlich den Sommer nutzen, um mir ein Polster zu schaffen“, erklärt der Foodtruck-Betreiber. Im Corona-Jahr dürfte das allerdings unmöglich sein. Deshalb hofft Schröder auf ein zweites Soforthilfepaket, um irgendwie durchzuhalten. „Und vielleicht kommen mit der Zeit ja auch kleinere Aufträge zurück.“

Bewerben für den Weihnachtsmarkt

Erste Anzeichen einer Aufhellung nimmt Foodtruck-Besitzer Gordon Glökler wahr. Er berichtet von zögerlichen Anfragen in den vergangenen Tagen, unter dem Vorbehalt weiterer Lockerungen. Bei Julia Silvergieter ist die Auftragslage hingegen weiter düster.

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Wie viel das Tagesgeschäft mit Mittagsgästen tatsächlich auffangen kann, dazu will sie noch keine Prognose wagen. Wie in den vergangenen Jahren wird sich der Familienbetrieb für einen Stand auf dem Karlsruher Weihnachtsmarkt bewerben.

Große Hoffnungen setzt Silvergieter darin nicht. Einerseits weil ihr Antrag in den vergangenen Jahren stets erfolglos blieb. Andererseits weil ja längst nicht sicher ist, dass Großveranstaltungen wie diese zur Weihnachtszeit wieder genehmigt werden.

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