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Corona-Krise und Profisport

Sportstätten bis 19. April geschlossen: KSC berät sich mit Stuttgart und Freiburg

Nachdem Oliver Kreuzer und Michael Becker die für sie verstörende Nachricht erhalten hatten, suchten die Geschäftsführer des KSC als erstes Kontakt zur TSG 1899 Hoffenheim. Mit dessen Geschäftsführer Peter Görlich und mit Sportchef Alexander Rosen erörterten sie den Sprengstoff der bis 15. Juni geltenden Verordnung des Landes zur Corona-Krise.

Große prangt das Logo des KSC auf der Straßenbahn. Foto: Karlsruher SC

Diese legt fest, dass der Betrieb von Sportstätten vorerst bis 19. April untersagt ist. Dass es für die Clubs aus dem Profifußball keine Extrawürste geben wird, hatte Pascal Murmann, der Sprecher des Sozial- und Gesundheitsministeriums, laut „Bild“ mit Dauer bis Juni bestätigt. Richtig ist: Eine Wiederaufnahme des Trainingsbetriebs der Mannschaften ist zeitnah ausgeschlossen.

Ausnahmeregelung gefordert

„Wie soll das gehen? Ein Profifußballer, der bis zu fünf Wochen nicht trainiert hat und dann Meisterschaftsspiele austragen soll: Das ist schon rein körperlich nicht möglich“, sagte Kreuzer den Badischen Neuesten Nachrichten.

Für die Vereine der Ersten und Zweiten Liga müsse, analog zu den in Berlin und Hamburg im Sinne der dortigen Erst- und Zweitligisten getroffenen Bestimmungen, eine Ausnahmeregelung her. In einer Telefonkonferenz der baden-württembergischen Clubs soll am Donnerstagvormittag eine gemeinsame Linie besprochen werden. Mit den Hoffenheimern, dem SC Freiburg, dem VfB Stuttgart, dem SV Sandhausen und dem 1. FC Heidenheim habe man sich am Mittwoch bereits abgestimmt, hieß es.

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„Wirtschaftlich wie sportlich: Es ist verzwickt, es ist brutal“, sagte Kreuzer zum Corona-Chaos. Schon jetzt erscheint ausgeschlossen, dass es am Ende dieser Saison Absteiger geben wird. Wenn die Saison, auch mit Geisterspielen, überhaupt zu einem Ende gebracht werden kann, dann nach Stand der Dinge nur mit dem einzigen Ziel, den TV-Vertrag mit Sky zu erfüllen. Ansonsten bricht das System in sich zusammen. Insolvenzen wären die Folge.

Die Mannschaften von Hertha BSC sowie der Zweitligisten 1. FC Nürnberg, Holstein Kiel, SV Wehen Wiesbaden und Hannover 96 in häuslicher Quarantäne: Eine faire fußballerische Auflösung, die danach rechtlich unangreifbar bliebe, ist inzwischen kaum vorstellbar.

Individualtraining und Homeoffice

Die ins Individualtraining verwiesene Mannschaft des KSC sowie ihr Trainer- und Betreuerteam zuhause. Die Geschäftsstellen-Mitarbeiter mit einem Alter über 60 im Homeoffice.

Das Ausmaß des wirtschaftlichen Schadens völlig unabsehbar: Wollte jemand ein Szenario entwerfen, das gegen die Idee einer Aktien-Emission einer Fußball-Kapitalgesellschaft spricht, wäre es die aktuelle Lebenswirklichkeit. Auf der Kippe stand die am Donnerstag gestartete Ausgabe von Wertpapieren bei der KSC GmbH & Co KGaA laut Becker aber zu keiner Zeit.

Im Gegenteil: „Das ist für uns die Möglichkeit, eine gewisse Finanzierung vorzunehmen. Der Bedarf wird durch die Corona-Krise eventuell ja noch höher. Deshalb haben wir uns dazu entschlossen, die Aktien dennoch zum gegenwärtigen Zeitpunkt herauszugeben“, sagte Becker. Der KSC sei die erste Kapitalgesellschaft im Profifußball, der Aktien ohne Börsennotierung ausgibt.

Ein „Stück KSC” erwerben

Den Verkaufspreis pro Aktie gab der KSC mit 24 Euro an. Dieser ergibt sich aus der von Geschäftsführung, Beirat und Aufsichtsrat getroffenen Festlegung, den Unternehmenswert der GmbH & Co KGaA der Lage anzupassen und auf 60 Millionen Euro zu beziffern. Ein Drittel der Anteile wird nun herausgegeben.

Anleger ab 100.000 Euro könnten ab sofort zeichnen. Laut Becker befinde er sich in Gesprächen mit Interessenten. Anleger bis 25.000 sollen ab Anfang April über die Banking-Plattform Kapilendo zum Zug kommen. Grundlage der Bewertung war, wie berichtet, die Expertise der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte.

Jeder Aktionär könne somit „ein Stück KSC“ erwerben und „eine individuelle und exklusive Schmuckurkunde“ erhalten, warb der Fußball-Zweitligist in einer Mitteilung, „weiterhin besteht ein Auskunfts- und Stimmrecht bei der jährlich stattfindenden Hauptversammlung der KSC KGaA“.

Hoffnungen in Aktienverkauf

Die Krise habe den KSC nur darin bestärkt, das Thema wie vorbereitet anzugehen. „Die Alternative ist, dass wir weitere Kredite aufnehmen und dafür wieder Zinsen zahlen und damit den gegenläufigen Weg nehmen als wir das wollten“, sagt Becker. Er erhofft sich über den Aktienverkauf, Verpflichtungen in Höhe von 17 Millionen Euro abzulösen. „Priorität hat dabei der verschobene Liquiditätsbedarf aus den letzten Jahren von circa 4,5 Millionen Euro. Weiterhin könnten kurz- und mittelfristige Darlehen von etwa vier Millionen Euro sowie der Vertrag mit Michael Kölmel für 8,5 Millionen Euro abgelöst werden“, wiederholte Becker.

Der Geldbedarf beim KSC steht nicht erst seit der Bedrohung eines Rückfalls in Liga drei und der existenzgefährdenden Corona-Krise über allem anderen.

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