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Gewerbeflächen

Stadt Karlsruhe hat ehemaliges Pfizer-Gelände im Visier

Die Stadt Karlsruhe will das ehemalige Pfizer-Areal in Hagsfeld für 143 Millionen Euro kaufen. Von der 200.000 Quadratmeter großen Gewerbefläche verspricht man sich zusätzliche Gestaltungsmöglichkeiten. Am 13. März entscheidet der Gemeinderat. Viel verändern kann man am Gelände aber wohl erst ab 2029.

Schon 2009 hatte die Stadt Interesse am ehemaligen Pfizer-Areal in Hagsfeld. Nun unternimmt sie einen zweiten Anlauf. Foto: Sandbiller

Nach dem Kauf des ehemaligen L’Oréal-Geländes in der Greschbachstraße Ende 2019 will sich die Stadt eine weitere Industriefläche in Autobahnnähe sichern. Man möchte das Vorkaufsrecht für ein 200.000 Quadratmeter großes Gebiet nutzen, das bis 2009 dem Pharma-Riesen Pfizer gehörte. Seit einigen Jahren steht dort unter anderem ein Logistikzentrum von Simon Hegele.

Ganz billig wird der Kauf nicht: 143 Millionen Euro muss die Stadt hinlegen. Die Zustimmung des Gemeinderats, der am Freitag zu einer Sondersitzung zusammenkommt, dürfte nach BNN-Informationen reine Formsache sein.

Erster Anlauf zum Kauf scheitert 2009

Das Gelände beschäftigt die Rathausspitze und das Stadtparlament schon seit Jahren. 2009 hatte man die Fühler danach ausgestreckt. Letztlich erfolglos, da sich ein Käufer mit Firmensitz in Karlsruhe fand. Der hatte laut Vertrag Vorrang vor dem städtischen Zugriff. Wie viel der Investor damals bezahlte, ist nicht bekannt.

Doch gut zehn Jahre später ergibt sich für die Stadt eine neue Chance. Bei der Entwicklung des Geländes wäre aber erst einmal Geduld gefragt. Gut 90 Prozent der zulässigen Fläche sind bereits bebaut. Sieben Mieter kommen in den Gebäuden unter. Die südlich gelegenen Gewerbeflächen könnten laut Stadtverwaltung frühestens 2029 leer sein – sofern gewünscht. Der Mietvertrag mit Simon Hegele läuft noch einige Jahre länger.

Karlsruhe will Einfluss auf Gewerbe-Entwicklung ausbauen

Den geplanten Kauf bezeichnet die Stadt in der Beschlussvorlage für den Gemeinderat als „Impuls, um die Bestrebungen nach ressourcenoptimierten Gewerbe- und Industriegebieten weiter voranzutreiben“. Bei vielen Räten rennt die Verwaltung damit offene Türen ein, das haben nicht zuletzt die vergangenen Gemeinderatsdebatten zur Reform der städtischen Erbpacht-Vergabe und zu anderen Vorkaufsrechten gezeigt.

Fraktionen signalisieren Zustimmung

Die Grünen kündigen an, für den Kauf stimmen zu wollen. Es gehe darum, die „Kontrolle über den Markt zu behalten und die Gewerbeansiedlung gezielt zu steuern“, teilt Fraktionssprecher Aljoscha Löffler auf Nachfrage dieser Zeitung mit. Durch die regelmäßigen Mietzahlungen werde sich zudem die Investition mittelfristig amortisieren.

Auch SPD-Frontmann Parsa Marvi erklärt schon vor der Sitzung ein Votum seiner Fraktion für den Kauf. Die SPD habe in der Vergangenheit mehrfach gefordert, das Areal zu kaufen. Nun müsse man die Chance nutzen.

Die CDU-Fraktion hat die Nachfrage bis zum Mittwochabend nicht beantwortet. Doch auch sie hatte zuletzt den grundsätzlichen Kurs der Stadtverwaltung für die Entwicklung von Gewerbegebieten unterstützt.

Zwei Flächen könnten noch bebaut werden

Konkrete Ideen, was mit dem Gebiet in den nächsten Jahren passieren könnte, finden sich in der Gemeinderatsvorlage nicht. Zunächst soll die städtische Fächer GmbH das Zepter für die Verwaltung übernehmen.

Im südlichen Teil des Geländes finden sich noch zwei sogenannte „Baureserven“. Auf 20.000 Quadratmetern könnten dort schon in absehbarer Zukunft weitere Gebäude in die Höhe wachsen.

Mittelfristig will die Stadt das Gelände nutzen, um als Standort für Großunternehmen interessant zu bleiben. In den vergangenen Jahren hatte unter anderem L’Oréal die Stadt verlassen, da man dem Unternehmen keine Fläche anbieten konnte.

Kaufpreis liegt über dem Marktwert

Dass es nun besonders schnell gehen muss, ist laut einer Sprecherin der Stadt wegen der Frist für das Vorkaufsrecht notwendig. Der bisherige Besitzer hatte das Gelände bereits Ende 2019 verkauft, das lässt sich den Unterlagen für den Gemeinderat entnehmen.

Der Kaufpreis liegt laut Einschätzung der Stadt gut zwölf Prozent über dem eigentlichen Marktwert. Dennoch kommt man unter Abwägung der Interessen zum Schluss, dass er sich lohnt.

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