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Neues zur Corona-Lage

Stadt- und Landkreis Karlsruhe fordern Bürger zu Kontaktverzicht auf, um Ausgangssperren zu vermeiden

Mit Unterstützung holt das Gesundheitsamt Karlsruhe die Rückstände in der Kontaktverfolgung auf. Doch auch die Labore sind am Rande ihrer Kapazitäten angekommen.

Die Belastung hält an: Unter welchem Druck das Gesundheitsamt Karlsruhe steht, ist inzwischen kein Geheimnis mehr. In der vergangenen Woche lagen rund 6.000 Kontakte zum Nachverfolgen auf dem Tisch. Foto: Janina Keller

Die veränderte Situation im Stadt- und Landkreis Karlsruhe lässt sich am besten mit Zahlen beschreiben. Während vor nur zwei Wochen in einer gemeinsamen Pressekonferenz noch darüber diskutiert wurde, welche Folgen das Überschreiten des Grenzwerts von 35 und 50 hat, bewegt sich die derzeitige Statistik in einer ganz anderen Dimension.

Die 7-Tage-Inzidenz liegt für Stadt- und Landkreis inzwischen bei über 140. Rund 2.200 Infizierte verzeichnet das Gesundheitsamt am Freitag. Diese Anzahl lässt auch die Listen an Kontaktpersonen stetig länger werden. Weitere Einschränkungen auf regionaler Ebene wird es nicht geben, sagt Landrat Christoph Schnaudigel.

6.000 Kontakte in einer Woche verfolgt

Dazu fehle die Kompetenz, die wiederum liege inzwischen bei Bund und Land. In einem weiteren Gespräch zur Corona-Pandemie blickt er zum wiederholten Male auf die Folgen des Anstiegs der Infektionen.

6.000 Kontakte verfolgte das Gesundheitsamt alleine in der vergangenen Woche. „Dort haben wir am Wochenende am Rande der Belastbarkeit gearbeitet“, sagt er. Die Rückstände ließen sich nur langsam und mit Unterstützung der Bundeswehrsoldaten abarbeiten. Einen Tag sei man etwa noch in Verzug.

Schnaudigel betont aber auch: „Wenn die Menschen lange auf einen Anruf zur ihrem Testergebnis warten, dann liegt das nicht am Gesundheitsamt.“ Die Laborkapazitäten seien an ihren Grenzen. Auf deren Auswertung müssten auch die Mitarbeiter des Covid-Teams warten.

Für unseren Geschmack liegen die Zahlen immer noch auf einem zu hohen Niveau.
Christoph Schnaudige, Landrat des Kreises Karlsruhe

Nachdem im August rund 80 Prozent aller Infizierten Reiserückkehrer waren, forme sich auch bei der Suche nach der Infektionsquelle inzwischen ein anderes Bild. Etwa 30 Prozent könne man nicht rückverfolgen. Im Bundesvergleich stehe man damit aber noch gut da, so Schnaudigel.

„Wenn wir jetzt durchhalten und die Kontakte weiter reduzieren, kann es uns gelingen, dass Infektionsgeschehen wieder halbwegs zu normalisieren“, sagt der Landrat. In den vergangenen drei Tage habe man kein exponentielles Wachstum mehr beobachtet. „Für unseren Geschmack liegen die Zahlen immer noch auf einem zu hohen Niveau.“

Kliniken spüren die Folgen der Infektionszahlen

In den Kliniken im Stadt- und Landkreis Karlsruhe führe die Kurve an stationären Covid-Patienten nach oben. „Das ist eine Entwicklung, die uns Sorge bereitet“, so Schnaudigel – auch wenn die Krankenhäuser das derzeit noch packen würden. „Das Durchschnittsalter derer, die aufgenommen werden, ist aber deutlich niedriger als im Frühjahr.“

In den vergangenen Wochen stiegen die Zahlen an Infektionen in der Generation derer, die zwischen 20 und 35 Jahre alt sind, ergänzt Frank Mentrup, Oberbürgermeister der Stadt Karlsruhe. Damit verbindet er einen erneuten Appell, die Hygiene-Regeln eben auch im privaten und beruflichen Raum einzuhalten. „Man kann nicht mehr davon ausgehen, dass man rechtzeitig darüber informiert wurde, ob man infiziert oder eine mögliche Kontaktperson ist“, so Mentrup.

Es geht um konsequenten Abstand und Maskenpflicht auch im persönlichen Umfeld.
Frank Mentrup, Oberbürgermeister der Stadt Karlsruhe

Um noch strengere Maßnahmen wie einer Ausgangssperre entgegenzuwirken, müsse man mehr tun, als auf den Theater- oder Restaurant-Besuch zu verzichten. „Es geht um konsequenten Abstand und Maskenpflicht auch im persönlichen Umfeld“, kritisiert er.

Öffentliche Arbeitgeber sind gefährdet

Die steigenden Infektionszahlen würden sich auch bei öffentlichen Arbeitgebern bemerkbar machen. Die Verlässlichkeit des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) sei zwar noch gewährleistet, erste Ausfälle durch Krankheit und Quarantäne hielten aber auch beim dortigen Personal Einzug.

„Wenn zu viele Mitarbeiter fehlen, kann man das nicht mehr ausgleichen“, warnt Mentrup. Dieselbe Vorsicht gelte aber auch bei der Sicherstellung anderer Infrastruktur im öffentlichen Bereich.

Öffentlicher Raum ist ein Tabu

Dennoch appelliert Mentrup dafür, dem öffentlichen Raum nicht mit Angst zu begegnen. Durch die Schließung der Gastronomie leide auch der Einzelhandel in der Innenstadt. Dabei sei ein Einkauf unter Beachtung der Regeln problemlos möglich. Bei der viel diskutierten Maskenpflicht ist seine Meinung klar: „Es geht nicht darum, ob man ohne Maske erwischt wird, sondern darum, sich selbst und andere vor einer Infektionsgefahr zu schützen.“

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