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Konkurrenzkampf steigt

Tesla sorgt für Unruhe: Karlsruher BGV-Versicherungsgruppe sieht Herausforderung

Tesla baut nicht nur Sportwagen, sondern bietet auch erfolgreich Versicherungen an. Was, wenn VW, Toyota & Co. die Kalifornier nachahmen?

Gewinnsprung: Die Karlsruher BGV Badische Versicherungen-Gruppe hat unter dem Strich 15 Millionen Euro verdient - über fünf Millionen Euro mehr als im Vorjahr.
Die Karlsruher BGV Badische Versicherungen-Gruppe hat unter dem Strich über fünf Millionen Euro mehr als im Vorjahr verdient. Foto: Rake Hora

Der US-Autobauer Tesla wurde schon einmal unterschätzt – und gilt inzwischen als wegweisend in Sachen Elektromobilität. Die Karlsruher BGV/Badische Versicherungen-Gruppe beobachtet jetzt aufmerksam ein anderes Produkt, das die Kalifornier ausrollen. „Das ist eine Herausforderung für die klassischen Versicherer“, mahnt BGV-Vorstandschef Edgar Bohn gegenüber dieser Redaktion.

Doch was ist es, was die Versicherungsbranche aufschreckt? Tesla kennt die Daten seiner Fahrer, analysiert diese und kann so das individuelle Unfallrisiko ziemlich genau einschätzen. Dies ermöglicht es Tesla laut Ratingagentur Moody’s, in den USA eine Kfz-Versicherung anzubieten, die 20 bis 40 Prozent günstiger sei als die der klassischen Versicherer.

Hinzu kommt, dass die Tesla-Kunden die Versicherungsprämien monatlich bezahlen – dadurch ist der Anreiz größer, sicherer zu fahren und so bei der Prämie zu sparen. Nun ist Tesla immer noch ein relativ kleiner Autobauer. Aber was, wenn Massenhersteller wie Toyota, der VW-Konzern oder Stellantis (Fiat, Peugeot, Opel) nachziehen und mit Echtzeit-Fahrdaten ebenfalls maßgeschneiderte Kfz-Versicherungen anbieten?

Wir bringen unsere Stärken auf die Straße.
Edgar Bohn, BGV-Vorstandschef

Mit sogenannten Telematik-Tarifen können HuK, Allianz und Co offenbar nicht gegenhalten – die bieten meist erheblich weniger Daten und haben sich in Deutschland bislang nicht durchgesetzt. Das weiß auch BGV-Chef Bohn. „Wir stecken den Kopf aber nicht in den Sand“, sagt er. „Wir bringen unsere Stärken auf die Straße.“ Er meint: Im Schadenfall wollen die meisten Versicherten einen persönlichen Ansprechpartner, der unkompliziert alles regelt. Dafür sei der BGV weit über Baden hinaus bekannt.

Auch wenn man Teslas Kfz-Versicherung einmal ausklammert, bleiben Herausforderungen: Die Autos werden auf dem Weg zum autonomen Fahrzeug immer smarter. Das heißt auch: Es kracht seltener auf den Straßen. Dadurch steigt der Druck auf die Versicherer, günstiger zu werden. „Das wird kommen“, sagt Bohn.

Der Kfz-Versicherungsmarkt bleibt umkämpft – und ist auch für den BGV-Konzern enorm wichtig: 45 Prozent der Beitragseinnahmen steuert diese Sparte bei, so Bohn. Immerhin lege man bei der Kfz-Haftpflicht mit einer Schaden-Kosten-Quote von rund 95 Prozent nicht mehr drauf. Bei der Vollkasko liege man zwar leicht über 100 Prozent, nähere sich aber auch hier immer mehr der Rentabilität.

Vorerst sollen die Prämien nicht steigen

Die gute Nachricht für Kfz-Versicherungskunden der Karlsruher Assekuranz: „Ich denke, dass wir unser Niveau bei den Prämien halten werden.“ Somit zahle sich aus, dass der BGV nicht bei Dumpingangeboten mitgegangen ist. Der Chef des deutschen Kfz-Marktführers HuK-Coburg, Jürgen Heitmann, hatte hingegen jüngst gegenüber dem „Handelsblatt“ steigende Prämien angedeutet – weil bei der HuK Beitragseinnahmen stagnieren, gepaart mit höheren Schäden.

Derweil bleiben Hausaufgaben für die BGV-Strategen: So ist die Kundschaft vergleichsweise überaltert. Auch deshalb wurden im Mai vergangenen Jahres maßgeschneiderte Versicherungspakete für Familien („BGV Family“) platziert. Vorstandsmitglied Moritz Finkelnburg spricht bei der Bilanzpressekonferenz von 22.000 Family-Verträgen und einem Bestandsbeitrag von 5,5 Millionen Euro. Für die kommenden fünf Jahre habe man einen Bestandsbeitrag von 15 Millionen Euro ins Visier genommen.

Parallel forciert die Versicherungsgruppe das Firmenkundengeschäft, und hier besonders mit dem Handwerk. Bundesweit ist hier die Signal-Iduna der Platzhirsch. Das weiß auch Finkelnburg: „Wir sprechen hier aber über Baden.“ Im Handwerk, bei Hotellerie und Gastronomie in Baden sei der BGV schon stark – eine Basis für weiteres Geschäft.

Das treffe auch als Versicherer von Vereinen zu. Hier haben die Karlsruher durch ihre Sponsoring-Aktivitäten – etwa beim Karlsruher SC, dem SC Freiburg und den Rhein-Neckar-Löwen –, aber auch für kleinere Vereine oder Feuerwehren einen guten Ruf, den sie verstärkt nutzen wollen.

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