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Gastspiel im Tollhaus

Warum Wolfgang Niedecken mit einem Dylan-Programm nach Karlsruhe kommt

Zwar singt der eine auf Englisch, der andere „op Kölsch“, doch Bob Dylan war für BAP-Sänger Wolfgang Niedecken eine große Inspiration. Auf einer Tour in Duo-Besetzung erzählt er von seinem Idol und ist auch im Tollhaus in Karlsruhe zu Gast.

Gemeinsames Musikprojekt: Wolfgang Niedecken und Mike Herting sind am Donnerstag im Karlsruher Tollhaus. Die Veranstaltung ist bereits ausverkauft. Foto: Tina Niedecken

Ohne Bob Dylan hätte es BAP nie gegeben. Wer die Geschichte der Kölner Band auch nur bruchstückhaft kennt, weiß das. Jetzt ist Wolfgang Niedecken wieder unterwegs mit einem Programm aus Dylan-Songs, eigenen Liedern und seinem Buch über Bob Dylan, das im vergangenen Jahr in der Reihe KiWi Musikbibliothek erschienen ist.

Es verschränkt seine eigene Karriere mit der seiner amerikanischen Inspirationsquelle und ist auch eine vorläufige Bilanz der jahrzehntelangen Beschäftigung des Kölners mit dem Amerikaner.

Am Donnerstag, 25. November, gastiert Niedecken mit seinem langjährigen Freund, dem Pianisten, Arrangeur und Big-Band-Dirigenten Mike Herting, im Tollhaus Karlsruhe. Die unter 2G-Bedingungen angesetzte Veranstaltung ist bereits ausverkauft.

Wolfgang Niedecken auf Spurensuche in den USA für eine Dylan-Dokumentation

2017 geht Wolfgang Niedecken für die TV-Dokumentation „Bob Dylans Amerika“ auf Spurensuche kreuz und quer durch die USA. Er besucht Wirkungsstätten seines Vorbildes und trifft Weggefährten wie den großen Popkultur-Fotografen Elliot Landy oder den Folkmusiker Happy Traum, der mit Dylan in den frühen 60er Jahren zusammengearbeitet hat.

„Wenn diese Leute erzählen, dann hat das eine andere Qualität, als wenn man das irgendwo liest. Wenn du mit Happy Traum in dem Keller in Woodstock stehst, in dem sie die ‚Basement Tapes’ aufgenommen haben, und der erzählt, wie er Dylan damals erlebt hat, das ist eine sinnliche Erfahrung.“

Niedecken legt offen, welchen wichtigen Einfluss der Amerikaner auf sein eigenes Lebenswerk hatte und hat. Dabei will er sich nicht als „Dylanhansel“ verstanden wissen. Denn dieser Typus ist für ihn „ein übersteigerter Fan, das kriegt so eine religiöse Komponente, da bin ich sehr vorsichtig“.

So hatte er es seinen Fans schon 2007 auf der Lesereise mit Dylans autobiografischen „Chronicles“ erklärt. Die „Chronicles“ waren für Niedecken ein entscheidender Schritt zur Entmystifizierung seines Idols, eine Offenbarung. Dylan sei „viel greifbarer geworden. Wer behauptet, dass das noch Rätsel aufgibt, der hat das Buch nicht verstanden“.

Kölsche Übersetzung der Dylan-Songs ist für Niedecken Schlüssel zum Verständnis

Heute sagt er: „Ich begreife einen Dylan-Text immer viel besser, wenn ich anfange, den in meine Sprache zu übersetzen. Ich habe mir vor kurzem ,Not Dark Yet’, ein unheimlich pessimistisches Stück, vorgenommen. Das will ich mal in eine kölsche Fassung bringen. Ich hab’ damit überhaupt nix vor, nur aus Interesse. Da werden die Stücke alle viel nachvollziehbarer. Und ich versuche es dem Publikum wirklich so darzubieten, dass sie es verstehen können.“

Dylan sei auch für Menschen begreifbar, die vielleicht eine Handvoll Songs von ihm kennen. Für die sei sein Programm gemacht. Unabhängig davon, ob sie nun ausgewiesene BAP- oder Dylan-Fans sind. „Es ist jedenfalls kein Programm nur für Dylanologen, die sich über das zwölfte Komma in irgendeinem Text unterhalten wollen.“

Auf dieser Tour spielt Wolfgang Niedecken auch wieder einige eingekölschte Songs. An Übersetzungen geht der Kölner dieser Tage allerdings anders heran als zu Beginn seiner Karriere und noch in den 90er Jahren.

Heute bin ich viel mehr an Werktreue interessiert.
Wolfgang Niedecken, BAP-Sänger

So hatte er sich damals für das „Leopardefell“-Album, für das er mit einer eigens zusammengestellten Band Dylan-Songs auf kölsch einspielte, viel mehr Freiheiten genommen. „Da habe ich beispielsweise ,Highway 61’ zu ,Nürburgring’ gemacht. Das würde ich heute nicht mehr tun. Heute bin ich viel mehr an Werktreue interessiert. Bei so einem Ding wie ,Mighty Quinn’ – das ist ein ziemlich bekiffter Nonsens Text –, da kannst Du Dir vielleicht mehr Freiheiten erlauben.“

Vielleicht sollte auch jener ungenannte Musiker einmal zu einer Veranstaltung von Wolfgang Niedecken kommen, der ihm dereinst durch fast schon bemitleidenswerte Unkenntnis auffiel: „Ende der 90er Jahre haben wir zweimal vor Dylan gespielt bei Rock am Ring und Rock am Park. Am ersten Tag stand ich auf der VIP-Tribüne, und neben mir stand irgendein Musiker, der da auch aufgetreten war. Und der meinte bei ,Knockin’ On Heaven’s Door’: „Mann, der Alte spielt doch tatsächlich ein Guns’n’Roses-Cover.“

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