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Verguss-Material wird flüssig

Bahnverkehr in Karlsruhe wegen Hitzeschäden eingestellt – viele Strecken am Mittwoch gesperrt

Der Tram- und Stadtbahnverkehr in Karlsruhe ist nach Hitzeschäden an den Gleisen eingestellt worden. Die Fachleute der Verkehrsbetriebe arbeiten mit Hochdruck an der Beseitigung des Problems. Dennoch wird auch am Mittwoch der Bahnbetrieb über weite Strecken ruhen.

Fieberhaft arbeiten Experten am Abend wie hier in der Karlsruher Blücherstraße daran, die Gleise wieder in Schuss zu bringen. Solche Arbeiten sind an vielen Stellen im Stadtgebiet erforderlich. Foto: Jörg Donecker

Gegen 16.30 Uhr melden am Dienstag aufmerksame Tramfahrer per Funk die ersten Schäden an die Zentrale: Im Bereich nahe dem Städtischen Klinikum, oder auch davor, ist offenbar teerartiges Vergussmaterial flüssig geworden und in die Schienen geraten.

Das zähflüssige und klebrige Material wird über die Radreifen der Bahnen auf weitere Gleisabschnitte verteilt. Gut eine Stunde später ziehen die Betriebs-Verantwortlichen die Notbremse.

Von diesem Moment an geht erst einmal nichts mehr auf dem Schienennetz in Karlsruhe. Es ist Berufsverkehr, und am Abend hat die deutsche Nationalmannschaft bei der EM ihr erstes Spiel.

Bahnen in Karlsruhe stehen still: Fahrgäste müssen auf Busse ausweichen

Die Gesichter der verhinderten Fahrgäste an den Haltestellen im Stadtgebiet sind lang. „Ich müsste dringend nach Daxlanden“, erklärt Sebastian Pelletier. Der Student ist wie viele andere Tram-Nutzer an der Haltestelle Marktplatz gestrandet und studiert die dortige Hinweistafel.

Am Abend müssen die Fahrgäste wie hier an der Haltestelle Herrenstraße in Busse steigen, die die wichtigsten Routen bedienen. Foto: Jörg Donecker

Sie tut kund, dass wegen der Gleisschäden im Karlsruher Stadtgebiet der komplette Bahnverkehr gestoppt ist. Zwar ist zwischenzeitlich ein Schienen-Ersatzverkehr zwischen Durlach und Lameyplatz eingerichtet. Doch die Busse, die sich nach anfänglich langen Wartezeiten endlich im Fünfminutentakt durch die Kaiserstraße bewegen, sind bereits eng besetzt.

Sebastian Pelletier zückt deshalb sein Smartphone und hält nach einem freien Elektro-Roller Ausschau. Vielleicht klappt es auf diese Weise ja doch noch Richtung Daxlanden bis zum Anstoß der EM-Begegnung. Zwei ältere Damen haben diese Option nicht. „Vielleicht nehmen wir ein Taxi“, gibt die rüstigere der beiden zu Protokoll. Sofern sie eines ergattern.

Flüssig gewordenes Guss-Material als Ursache für das Bahn-Chaos in Karlsruhe

VBK-Sprecher Michael Krauth spricht am Abend gegenüber den BNN von einem „schwerwiegenden Problem“. Die von Ralf Messerschmidt, dem Leiter des Unternehmensbereichs Betrieb bei den Verkehrsbetrieben, veranlasste Einstellung des gesamten Betriebs der VBK-Trams und AVG-Stadtbahnen sei unbedingt geboten gewesen. Während er das sagt, sind überall im Stadtgebiet bereits Infrastruktur-Experten im Einsatz, um die Schadstellen zunächst zu lokalisieren und sie möglichst zugleich zu entschärfen.

Mit dem Druck von Dampfstrahlern und mit Hacken versuchen sie, flüssig gewordenes und auf die Gleise gelangtes, teer-ähnliches Guss-Material zu beseitigen. Auch die Bahnen, die unterwegs waren, müssen eingehend untersucht werden. Die Fachleute sind die ganze Nacht im Einsatz, um das Gleisnetz zu checken und Schadstellen zu reinigen. Über die Höhe der Schäden an Gleisen und rollendem Material gibt es noch keine Erkenntnisse.

Tram- und Stadtbahnverkehr in Karlsruhe eingestellt – ganze Region betroffen

Nicht nur in Karlsruhe fahren am Abend keine Bahnen. Auch die AVG-Stadtbahn-Linien in der Region um die Stadt herum sind von der kompletten Einstellung des Bahnbetriebs betroffen. Die Fachleute sind hinter den Kulissen heftig bemüht, so viele Busse nebst Fahrern wie möglich herbeizuschaffen.

Auch am Mittwoch steht der Schienenverkehr in Karlsruhe noch weitgehend still. Bis der reguläre Betrieb wieder aufgenommen werden kann, gilt ein Notfahrplan.

Die Arbeiten sind umfangreich und betreffen weite Strecken. Lediglich auf ausgewählten Abschnitten im Stadtgebiet können Bahnen unterwegs sein, heißt es.

Laut VBK-Sprecher Michael Krauth hat es entsprechende Hitzeschäden mit derart gravierenden Folgen bislang in Karlsruhe noch nicht gegeben. In den kommenden Tagen soll geklärt werden, wie es im Detail zu der speziellen Situation kommen konnte - zumal die Außentemperaturen am Dienstag zwar hoch, nicht aber extrem waren.

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