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Apfelernte ist in vollem Gang

Trockenheit sorgt für mehr Fallobst auf Streuobstwiesen

Auf vielen Streuobstwiesen hängen die Äste und Zweige noch voller Obst. Mit Vernachlässigung hat das aber nichts zu tun: Die Apfelernte ist noch in vollem Gange. In einigen Regionen ist sie jedoch nicht so gut ausgefallen, beklagen Experten.

Auf den Bäumen der Streuobstwiesen hängen derzeit vor allem noch spät reifende Äpfel. Viele Bäume haben ihr Obst aber frühzeitig abgeworfen - sie leiden unter der Trockenheit. Foto: Rake Hora

Wer dieser Tage durch die Felder und Wiesen der Region wandert, entdeckt vor allem eins: voll behangene Obstbäume. Auch auf dem Boden findet sich bereits reichlich Fallobst. Sind da Baumbesitzer mit der Ernte ins Hintertreffen gekommen?

„Draußen hängt noch einiges, aber das heißt nicht, dass es nicht abgeerntet wird“, sagt Hans-Martin Flinspach. Er ist Ökologe im Landratsamt Karlsruhe und Vorsitzender der Streuobstinitiative Karlsruhe. Die Saison laufe noch bis Mitte Oktober, prognostiziert er. Vor allem spät reifende Apfelsorten seien aktuell noch nicht bereit für die Ernte, wie etwa Bittenfelder oder der Rheinische Winterambur.

Für den Landkreis Karlsruhe ist Flinspach zufrieden mit der bisherigen Ernte. Er spricht von einem „guten Vollertrag“, man liege knapp hinter dem Apfel-Jahr 2018 zurück. Etwas weiter südlich ist man nicht ganz so zufrieden: Uwe Kimberger von der Beratungsstelle für Obst und Gartenbau im Landratsamt Rastatt geht von einem Ernteerfolg rund von 80 Prozent aus.

Verdorrte Früchte an Obstbäumen sind nicht zwingend ein Zeichen für nachlässige Besitzer. Viele Bäume leider unter Trockenstress und können ihr Obst nicht richtig ausbilden. Foto: Rake Hora

Und im Nordschwarzwald? Dort sei die Ernte wesentlich schlechter ausgefallen, beklagt Karin Röhm-Kubesch, Vorsitzende der Streuobst-Initiative Calw-Enzkreis-Freudenstadt. Grund sei später Frost rund um die Eisheiligen gewesen. Der habe vielen damals blühenden Apfelbäumen erheblich zugesetzt.

Bäume wollen mit Notreife energiefressende Äpfel loswerden

Doch woher kommt dann das viele Fallobst? Schuld sei die anhaltende Trockenheit, erklärt Hans-Martin Flinspach. Die führe bei vielen Bäumen zu einer Notreife der Äpfel. Denn die kosten den Baum Energie – ein vorzeitiger Abwurf des Obstes fungiert da als Selbstschutz. Viele der Äpfel, die noch an den Zweigen hängen, sei zudem wurmstichig, bedauert der Experte.

Durch den Trockenstress haben viele Bäume ihr Obst frühzeitig abgeworfen. Besitzer von Streuobstwiesen sollten das Fallobst jedoch rechtzeitig wegräumen, da es Wildschweine anlockt. Foto: Rake Hora

Abgefallene Äpfel sollten Wiesenbesitzer jedoch schnellstmöglich beiseite räumen, betont Uwe Kimberger. Denn die locken Wildschweine an, die bisweilen Schäden auf den Wiesen anrichten und so die Pflege des Grundstücks erschweren.

Gelbe Bänder erlauben freies Ernten

Hängt am Ende doch zu viel auf dem Baum, können Streuobstwiesen-Besitzer mit dem Ernteprojekt „Gelbes Band“ ihre Bäume für andere Obstliebhaber freigeben. Karin Röhm-Kubesch findet die Aktion toll, auch um die Bekanntheit von Streuobstwiesen zu vergrößern. „Das ist für manche Leute auch ein Türöffner“, sagt sie. Sie hofft auf mehr Mitglieder für die Streuobstinitiativen. „Unsere Bäume brauchen Schutz und Fürsprecher“, betont sie.

Doch die Aktion „Gelbe Bänder“ hat nicht nur Fans. Uwe Kimberger weiß von vielen Wiesenbesitzern, die bewusst keine gelben Bänder um ihre Bäume knüpfen – aus Sorge vor rechtlichen Problemen. Denn wer komme dafür auf, wenn einem Obstpflückenden ein Ast auf den Kopf falle oder der Schäden an einem Baum anrichtet? An Obst Interessierten rät er eher, bei Rathaus oder der Ortsverwaltung nachzufragen. Die könnten in der Regel Obstbäume zum Abernten vermitteln.

Die gelben Bänder sieht auch Hans-Martin Flinspach zwiespältig. „Unsere Streuobstwiesen leiden nicht an mangelnder Ernte, sondern an mangelnder Pflege“, betont er. Mit dem Landratsamt Karlsruhe identifiziert er aktuell Gewanne mit hohem Pflegenotstand für ein Erstpflegeprojekt. Viele Streuobstwiesen-Besitzer seien jedoch älter und schafften die körperlich anstrengende Arbeit auf den Wiesen nicht. Andere hätten zwar eine Streuobstwiese geerbt, aber nicht das dazugehörige Wissen. „Da gibt es eine gewaltige Wissenserosion“, so Flinspach.

Auch der Zeitfaktor spiele eine Rolle. „Es gibt kaum noch Leute, die einen Apfel am Boden liegen sehen können, ohne ihn aufzuheben“, beklagt Uwe Kimberger. Junge Leute hätten oft eher den Profit eines Baums im Blick. Dabei sei der mit Streuobst nicht besonders hoch. „Streuobst ist ein Draufzahlgeschäft für alle.“

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