Skip to main content

Professionelle Daten vom KIT

Trübe Aussichten für Wetterstation in Karlsruhe: DWD setzt auf andere Standorte

Auf der offiziellen meteorologischen Wetterkarte Deutschlands findet Karlsruhe seit Jahren nicht mehr statt – und wird auch auf absehbare Zukunft nicht stattfinden. Mit dem Wegzug der Wetterstation des Deutschen Wetterdienstes (DWD) von der Karlsruher Hertzstraße auf ein Wiesengelände bei Rheinstetten im Jahr 2008 ist Karlsruhe aus dem Datenfundus des DWD verschwunden.

Das Thermometer zeigte deutlich über 30 Grad. Foto: Uli Deck dpa/lsw
Der DWD ist in Deutschland als Anstalt des öffentlichen Rechts für alle offiziellen Wetterdaten zuständig. Zahlreiche Medien, vor allem öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten und Institutionen nutzen die Daten, aber die zweitgrößte Stadt im Land taucht nicht mehr auf. Gerade in Zeiten des Klimawandels und von Rekord-Hitzewerten ein für viele Karlsruher nicht nachvollziehbarer Zustand. Auch die nun seit zwei Jahren stattfindende Neueinrichtung von sogenannten Stadtklima-Messstationen des DWD geht an Karlsruhe vorbei.

Bundesweit zehn Messtationen

Dass der Klimawandel neue Daten erfordert , erkennt der DWD ausdrücklich an: „Höhere Temperaturen beeinträchtigen insbesondere die Städte. Dort lebt und arbeitet der Großteil der deutschen Bevölkerung. Ein neues Netz von Stadtklimastationen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) soll helfen, die Klimaveränderungen in Städten aufzuzeichnen und zu analysieren“, teilte der DWD im vergangenen Jahr mit, als eine derartige Station in der Freiburger Innenstadt eröffnet wurde. Zehn Stationen sind bundesweit geplant. Fünf davon gibt es bereits, nämlich in Frankfurt, München, Hamburg und Hannover und 2018 folgte Freiburg.

Freiburg ähnelt Karlsruhe

Die Verhältnisse in Freiburg gleichen verblüffend der Historie der DWD-Station in Rheinstetten. Auch in Freiburg wurde die bisherige Station im Jahr 2006 von der Innenstadt auf den Freiburger Flughafen verlegt, weil die Rahmenbedingungen wie in Karlsruhe nicht mehr den strengen Vorgaben des DWD für eine Messstation genügten. Die DWD-Station auf dem Flughafen ist nun die „Referenz-Station“ zur Innenstadtstation, um die Werte zu vergleichen. Im Fokus ist immer die Bebauung und Versiegelung in der Stadt, die die Temperaturen zu sehr hochtreiben. In Städten heizen sich vor allem schlecht durchlüftete, dicht bebaute und versiegelte Flächen tagsüber stark auf. Das führt zu Temperaturen, die bis zu zehn Grad über dem Umland liegen können.

Warum Entscheidung für Neueinrichtung im badischen Süden?

Wieso wurde nun die Station in der Freiburger Innenstadt neu eingerichtet und nicht etwa Karlsruhe ausgewählt? Petra Fuchs, zuständige Abteilungsleiterin für Stadt- und Regionalklimatologie in der DWD-Zentrale in Offenbach, verweist darauf, dass man in Freiburg bereits vorhandene Infrastruktur nutzen konnte. So betreibt der DWD in Freiburg an gleicher Stelle seit der Verlegung der eigentlichen DWD-Station auf das Flughafenareal nahe der Breisgaumetropole noch eine medizinmeteorologische Messstelle, die spezielle Daten ermittelt. Es geht um das Einfluss des Klimas auf den menschlichen Körper. „Dort nutzen wir nun das gemeinsame Messfeld“, sagt Fuchs auf Nachfrage.

Station in Karlsruhe frühestens in einigen Jahren

Weitere Stadtklimastationen sollen in den kommenden Jahren in Essen, Leipzig, Dresden und wahrscheinlich in Regensburg entstehen. Karlsruhe ist bei diesen dann zehn Stationen nicht dabei. Letztlich ausschließen will Petra Fuchs die Fächerstadt aber nicht. „Das könnte noch einmal ins Gespräch kommen in einigen Jahren.“

KIT professionell, aber nicht vergleichbar mit DWD

Seit dem Abzug des DWD aus Karlsruhe ist das KIT die einzige Institution in Karlsruhe, die im Stadtgebiet noch wissenschaftlich-professionell Wetter- und Klimadaten erhebt . Die einstige DWD-Station in der Hertzstraße wurde vom Institut für Meteorologie und Klimaforschung des KIT übernommen, außerdem gibt es eine Station auf dem Dach des rund 60 Meter hohen Physikhochhauses. Diese Daten sind aber nicht vergleichbar mit den Bodenmessstationen des DWD und entsprechen nicht den Vorgaben der Meteorologenfachverbände.
nach oben Zurück zum Seitenanfang