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Nutrias und Grundeln auf dem Teller

Umgang mit Invasiven Arten: Wenn sonst nichts mehr hilft, hilft aufessen

Wenn sie schon unsere Landschaft ruinieren, so bereichern sie uns doch wenigstens kulinarisch. Einige Invasive Arten haben durchaus Potenzial auf dem Grill oder in der Pfanne. Wie wäre es mal mit einem Nutria-Barbecue?

Pelzig, putzig, zum Abschuss freigegeben: Ein Nutria. Foto: Boris Roessler picture alliance/dpa

Nutrias sind klein, pelzig, für manche Betrachter putzig und für andere eher ein wenig ekelig. Aber sind sie auch ein kulinarischer Leckerbissen? Wer sich ein wenig im Internet umschaut, könnte schnell auf die Idee kommen.

Es gibt eine ganze Reihe von Berichten, in denen Menschen die geschmacklichen Qualitäten des eingewanderten Nagers betonen. Es gibt sogar Rezepte und Serviervorschläge. Und in Foren erkundigen sich Menschen, wo Nutriafleisch gekauft werden könne.

Jemand, bei dem das grundsätzlich möglich ist, ist Simon Boos aus Hügelsheim. Boos ist Jäger und hat selbst schon Nutria vom Grill probiert. „Eine Idee von Jagd ist ja schließlich, zu essen was man vorher geschossen hat“, erklärt er. Insofern machten viele Jäger zwischen Nutria und anderem Wild zunächst mal keinen Unterschied. „Andere sind aber natürlich schon ziemlich verdutzt, wenn man sagt, man geht Nutria essen.“

Schmeckt wie Schwein, Geflügel oder Kaninchen

Geschmacklich liege das Nagetier irgendwo in der Schnittmenge von Geflügel und Schwein. „Das variiert aber durchaus von Tier zu Tier“, erklärt Boos. Oft berichten Nutria-Esser zudem, dass sie sich an Kaninchenfleisch erinnert fühlten.

Tatsächlich, das berichtet Boos, würde Nutriafleisch teils auch von Nicht-Jägern nachgefragt. „Bei uns hat etwa schon mal jemand aus dem Elsass Nutria-Fleisch aufkaufen wollen.“

Während der Verzehr von Nutria aktuell wohl nur eine Sache weniger Liebhaber sein dürfte, ist die Fischerei im Umgang mit Invasiven Arten schon weiter. So bewerben Angel- und Fischereiverbände etwa die eingewanderte Schwarzmaulgrundel als Delikatesse. Auch der am Oberrhein berüchtigte Kalikokrebs könne verzehrt werden, berichtet der Karlsruher Berufsfischer Axel Dannenmaier.

Der Kalikokrebs kann ganze Gewässer umgestalten. Schmecken soll er auch ganz gut. Foto: Karsten Grabow picture alliance/dpa

Die sich invasiv verbreitende Krebsart habe ihm in den letzten Jahren in vielen Gewässern durchaus Probleme bereitet, berichtet Dannenmaier. „Der hat mir in den letzten Jahren ganze Teiche abgeräumt. Außer Krebsen gab es da keine Tiere mehr.“ Daher habe er kurzerhand mit deren Vermarktung begonnen. „Invasive Fische und Krebse sind am Markt durchaus konkurrenzfähig. Man müsste das vielleicht nur mal bekannter machen.“

Plötzlich gehen die Bestände zurück

Und darauf hoffen, dass einem die Natur nicht das Geschäft versaut: In diesem Jahr habe Dannenmaier erhebliche Probleme gehabt, seinen Kunden die gewünschte Menge der Krebse zu liefern, berichtet er. „Die Bestände sind plötzlich geringer als üblicherweise, sagt er.

Der Grund liegt wohl in den Mägen von Fischen. „Hechte und Welse entdecken den Kalikokrebs offenbar immer mehr als Beutetier“, sagt Dannenmaier. Nehme er entsprechende Fische aus, finde er oft den ganzen Bauch voller Krebse. Vielleicht ja ein Zeichen dafür, dass sich einheimische Tiere durchaus zum Gegenspieler Invasiver Arten entwickeln können.

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