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Aufgegabelt!

Vanille und Erotik: der Duft aus Tausendundeiner Nacht

Mit Vanillearoma aus dem Chemielabor wird unser Gaumen gefügig gemacht, aber in die Irre geführt. Nur die echte Vanille bringt Exotik und Erotik gleichermaßen ins Spiel. Der Haken daran: Mit einem Kilopreis von rund 500 Euro sind die Schoten extrem teuer. Trotzdem: es lohnt sich!

Objekt der Begierde: Gebratene Jakobsmuscheln auf Vanillespieß, Currynudeln und Bratbanane in Vanillekaramell. Foto: Michael Ludwig

Das allermeiste, was uns die Industrie als Vanille verkauft, stammt aus dem Labor. Mit echter Vanille hat das nur sehr entfernt  zu tun. Bourbon-Vanille aus Madagaskar oder Tahiti-Vanille sind freilich teuer. Zu teuer für billige Schokolade. Wir bringen Sie auf den Geschmack. Vanille und Erotik - zwei die zusammenpassen!

Vanille und Erotik: die Sache mit dem "breiten Arsch"

Kennen Sie ein Gewürz mit einem breiten Arsch? Nicht? Ingo Holland schon. Der populäre Spezereienhändler, der in Klingenberg das „Alte Gewürzamt“ betreibt und seine duften Aromaspender auch übers Internet vertickt, beschreibt so nämlich das Wesen der Tahiti-Vanille. Wenn großspurige Küchenhäuptlinge mit der kostspieligen und aromafetten Wuchtbrumme aus dem Südpazifik Eindruck schinden wollen, geht das in der Regel buchstäblich in die Hose: „Die Tahiti-Vanille hockt dann mit ihrem breiten Arsch auf dem Teller und bügelt alles nieder mit ihrem protzigen Parfum“, erzählt der „Berufsschnüffler“ vom Main.

Auch die Tahiti-Vanille hat ihr Renommee

Vielen Speisen schadet das eher, als dass es sie aromatechnisch adelt. Der „breite Arsch“ ist aber nicht despektierlich gemeint, schließlich ist auch das Produkt aus Tahiti ein mühevoll gewonnenes und hochwertiges Gewürz.

Noch ganz grün: So sehen Vanilleschoten vor ihrer Veredelung aus. Foto: dpa Foto: None

Die elegante Schwester aus Madagaskar

Wesentlich eleganter kommt da die feine Schwester aus Madagaskar daher. Man nennt sie Bourbon-Vanille und eigentlich ist sie auch die Schote der Wahl, wenn es um den Extrakick in der feinen Patisserie oder Gastronomie geht. Zuletzt machte die gern gesehene und noch lieber gerochene Gespielin aus dem Orchideengarten freilich durch heftige Preisschübe von sich reden, die sogar teures Silber matt aussehen lässt.

Echte Vanille ist noch teurer geworden

Sehr zum Leidwesen von Eismachern, Konditoren und Küchenchefs, die das frivole Spiel aus Exotik und Erotik in ihren Kreationen gern und genüsslich auf die Spitze treiben. Für diese Geschmacksartisten kommt Vanillearoma aus den Chemielaboren der Food-Riesen natürlich nicht aus und schon gar nicht in die Tüte. Das wäre, als kochte man einen Risotto mit Maggi- oder Knorr-Brühe. Bäh!

Foto: Pierre-Yves Babelon/AdobeStock Foto: None

Nun hat die echte Vanille nicht nur einen ansehnlichen Preis, sie ist auch ein leider (oder gottlob) nur begrenzt verfügbares Naturprodukt. Was erklärt, warum Schokolade, Joghurt, Keks & Co zu 99 Prozent mit Geschmack aus dem Chemiebaukasten aufgedonnert werden. Veritable Vanille von „Les Îles“, wie der Franzose die Heimat der Bourbon-Vanille zu nennen pflegt, ist also überwiegend Fehlanzeige.

Vanille und Erotik? Bei Chemieprodukten Fehlanzeige!

Man muss wissen: Künstliches Vanillearoma wird entweder aus Erdöl gewonnen oder mit Hilfe von Abfällen aus der Zellstoffherstellung. Die chemische Extraktion ist kompliziert und dennoch eine für die Food-Industrie preiswerte Alternative. Was verwöhnten oder auch nur chemisch unbelasteten Gaumen da zugemutet wird, steht freilich auf einem anderen Blatt.

Ob da echte Vanille drin ist? Zweifel sind erlaubt. Foto: dpa Foto: None

Wer den Verzehr von Erdöl lieber seinem Auto oder dem Heizkessel überlässt, muss freilich ganz genau hinschauen: Steht in der Zutatenliste „Vanille“ oder „natürliches Vanillearoma“, ist alles im grünen Bereich. Bezeichnungen wie „natürliches Aroma“, „Aroma“ oder „Vanillearoma“ hingegen sollten bei Genießern und Gesundheitsbewussten die Alarmglocken schrillen lassen, denn dann hat Gundel Gaukelei oder wie auch immer die Laborhexe sich nennt, ihre knorpeligen Hände im trügerischen Spiel.

„Vanillezucker aus dem Tütchen, das ist nichts weiter als Zucker und Vanillin“

„Vanillezucker aus dem Tütchen, das ist nichts weiter als Zucker und Vanillin“, klärt der Gewürzmogul aus Klingenberg auf. Echte Vanille hingegen bestehe nur zu ein bis 2,5 Prozent aus Vanillin, den Rest des einzigartigen Dufts besorgten Hunderte von weiteren in der Schote vereinten „Stöffsche“.

Braunes Gold: das Mark einer Vanilleschote. Foto: dpa Foto: None

Ledrig, mineralisch, erdig - Das Bukett ist prädestiniert für pikante Speisen

Apropos: Das Bukett echter Vanille beschreibt Ingo Holland mit „ledrig“, „mineralisch“ oder „erdig“. „Bisweilen gesellt sich auch der Odeur schwarzer Oliven dazu, vielleicht ein Hauch von Essig“, ergänzt er. An Vanillekipferl & Co denkt man dabei wohl eher nicht. Weshalb der Spice-King natürlich immer ein paar Schoten für Pikantes auf Lager hat, zum Beispiel für eine verführerische Liaison mit Krustentieren oder Steinbutt oder Seezunge oder Jakobsmuscheln oder Schweinefleisch.

Unübertroffen: selbstgemachtes Vanille-Eis,  direkt aus der Eismaschine gelöffelt

Gleichwohl: Ingo Hollands Lieblingsvanillerezept ist trotzdem süß, dazu simpel und absolut zum Dahinschmelzen: selbstgemachtes Vanilleeis, cremig und direkt aus der Eismaschine gelöffelt. Vielleicht noch mit einer aromatischen Saisonerdbeere gekrönt, basta.

Na, Lust bekommen? Dann lassen Sie sich mitnehmen auf eine kleine Lustreise ins Reich des „Gewürzes der Göttin“, wie man die Vanille auch nennt. „Aufgetischt“ wird heute ein Gericht, mit dem Sie ihre Gäste schon mal sanft aber sicher auf Touren bringen können, bevor vielleicht im Gefolge von anderen aphrodisierend wirkenden Schlemmereien wie Hummer, Artischocken, weißen Trüffeln oder was auch immer dann der kulinarisch-sinnliche Höhepunkt erreicht wird.

Aufgetischt

St. Jacques à la vanille, Currynudeln, Bratbanane

Aufgegabelt Foto: None

4 Portionen 20 g Butter 1 große Schalotte (oder 2 kleine), grob gewürfelt 500 ml Sahne Salz 1 TL Currypulver (ideal: „Erotischer Curry“ www.schuhbeck.de/Curry ) 250 g Tagliolini (dünne Eiernudeln) 12 ausgelöste Jakobsmuscheln 4 ausgetrocknete Bourbon-Vanille-Schoten zum Aufspießen 4 Baby-Bananen (längs halbiert) 4 EL Butter 1 EL Bourbon-Vanillezucker Pfeffer aus der Mühle Thai-Basilikum

1. Schalottenwürfel in der Butter farblos anschwitzen. Sahne zugeben, Currypulver einrühren. Sämig (nicht zu dickflüssig) einkochen, mit Salz abschmecken. Abseihen und warm halten.

2. 3 EL Butter in einer Pfanne schmelzen, Vanillezucker darin karamellisieren lassen.

3. Bananenhälften von jeder Seite 1,5 Min. goldbraun braten (die gewölbte Seite schon in der Pfanne mit der Karamellbutter bepinseln). Bananen herausnehmen, pfeffern und warm halten.

4. Immer 3 Jakobsmuscheln mit den Vanilleschoten aufspießen, salzen und in der Karamellbutter von beiden Seiten je 1 Min. scharf anbraten. Verbliebenen EL Butter zugeben, aufschäumen lassen und die Spieße nochmals kurz in der Pfanne wenden.

5. Nudeln nach Packungsangabe in Salzwasser bissfest garen. Abschütten (etwas Kochwasser auffangen). Mit der Soße vermischen (evtl. etwas Kochwasser zugeben).

6. Wie auf dem Foto anrichten. Mit Thai-Basilikum (wird mitgegessen!) garnieren.

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