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Vorab-Konzert zu neuer CD

Viel Beifall im Tollhaus Karlsruhe für Sandie Wollasch und Klaus Wagenleiter Trio

Viel Jubel im voll besetzten Saal gab es für Sandie Wollasch und das Klaus Wagenleiter Trio im Tollhaus Karlsruhe. Dort waren erstmals Songs des neuen Albums „Better“ zu hören.

Ein neues Kapitel einer langen Laufbahn hat Sandie Wollasch mit ihrem Album „Better“ eingeschlagen. Foto: Peter Bastian

Nein, wegen des Konzerts der Hamburger Band Selig, das ursprünglich mal für diesen 8. Oktober vorgesehen war, sitzt niemand im ausverkauften Saal. Auch wenn Tollhaus-Chef Bernd Belschner augenzwinkernd nachfragt und somit kurz das anhaltende Problem des ständigen Verschiebebahnhofs von Veranstaltungen andeutet.

„Dafür“, so Belschner, „haben wir heute abend eine Künstlerin, mit der sich Karlsruhe wirklich schmücken kann.“ Ein großes Versprechen, das aber durch einen großen Abend eingelöst wird: Mit der Vorab-Präsentation der Songs ihres Albums „Better“, das in wenigen Monaten erscheinen soll, zeigt sich die Sängerin Sandie Wollasch auf der Höhe ihrer Kunst.

Seinen Ausgangspunkt genommen hat dieser große Schritt mit der kleinen Kindergitarre ihres Sohnes. Auf dieser, erzählt sie, hat sie während der Corona-Zwangspause angefangen, selbst zu komponieren - erstmals im Alleingang. Zwar ist Wollasch als Interpretin seit Jahrzehnten gut im Geschäft. Doch mit „Better“, so wird im kleinen Tollhaus-Saal deutlich, schlägt sie ein neues Kapitel auf, das viel Potenzial birgt.

Band mit souveräner Virtuosität

Einen wesentlichen Anteil daran haben drei Musiker, die mit dem Label „Begleitband“ weit unter Wert verkauft wären: das Klaus Wagenleiter Trio, die Rhythmusgruppe der SWR Big Band, deren musikalischer Leiter Wagenleiter auch ist. Der Pianist und seine Mitstreiter, Decebal Badila am Bass und Guido Jöris am Schlagzeug, sind schon instrumental eine Klasse für sich: In drei Wagenleiter-Kompositionen, die sie zum Programm beisteuern, gibt es immer wieder Zwischenapplaus für die souverän-entspannte Virtuosität, mit der das Trio aufspielt.

Gemeinsam aufgetreten sind Wollasch und das Trio schon oft, gemeinsam eigenes Material eingespielt haben sie zum ersten Mal. Und der Abend im Tollhaus beweist, wie großartig hier instrumentale Perfektion und gesangliche Emotion einander ergänzen. Eingeläutet wird das 90-minütige Programm mit dem Titelsong „Better“, der mit zerbrechlichen Pianoklängen beginnt und den Fretless-Bass von Decebal Badila als betörendes Melodieinstrument einführt.

Eindringlich singt Wollasch von der Hoffnung auf Besserung. Der Song, erzählt sie, sei entstanden in einer „Zeit, in der viel Verzweiflung da war“. Doch in dieser Verzweiflung verharrt sie nicht: „Es hat sich gelohnt, durchzuhalten und nach vorne zu denken.“

Die neuen Stücke bestätigen das. Sie überzeugen nicht nur durch Handwerk, sondern auch durch stilistischen und atmosphärischen Reichtum. „Just A Matter Of Time“ hat viel Soul-Appeal, „Someday We’re Gone“ ist ein leises, nachdenkliches Stück über Vergänglichkeit, und das grandiose „Curse Or Blessing“ beginnt im hingetupften Rumba-Rhythmus, wechselt im Refrain zum Blues und schwingt sich gegen Ende auf zum beseelten Gospelsound.

Hinreißende Chorsätze und ansteckender Groove

Zu verdanken ist das auch zwei Stimmen, die den Abend als Überraschungsgäste bereichern: Sarah Lipfert und Silvia Dias reichern mehrere Songs mit charismatischen Backing Vocals an. Und im unwiderstehlichen Ohrwurm „Flagship Model“ sind auch Wagenleiter (der hier vom Flügel ans Rhodes Piano wechselt) und Drummer Jöris stimmlich mit von der Partie. Das Ergebnis sind Chorsätze (arrangiert von Jöris), in die man sich einkuscheln könnte, wenn der ganze Song nicht so ansteckend grooven würde.

Zum krönenden Finale mit „So Unconditionally“ holt Wollasch schließlich das Bläsertrio der Formation „Soul Café“ auf die Bühne. Und mit Marcus Franzke (Posaune), Sean Guptill (Trompete) und Christian Steuber (Saxofon) kommt nochmals neuer Glanz in den zudem glänzend abgemischten Sound, bevor der mit „standing ovations“ bedachte Abend mit dem stillen, aber selbstbewussten „Thanks For The Disillusion“ stimmig ausklingt.

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