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Im Zweifel zum Notschalter

Viele Brautpaare müssen ihre Traumhochzeit wegen Coronavirus verschieben

Wie Seifenblasen, eine nach der anderen, platzen bei vielen Brautpaaren gerade die Planungen für die Traumhochzeit. Ausgerechnet jetzt, wo die Hochzeit für Hochzeiten beginnt, legt Corona alles lahm. Gastronomen müssen riesige Verdienstausfälle in Kauf nehmen, kleinere Dienstleister wie Fotografen und DJs sehen ihre Existenz bedroht. Bei den Brautpaaren selbst ist die Enttäuschung groß.

LEERE BÄNKE: Den Traum von einer Frühlingshochzeit müssen sich Brautpaare derzeit leider abschminken. Foto: dpa

Corona war einmal ein schönes Wort. Gerade im Zusammenhang mit Hochzeiten. Eine Corona mit C geschrieben zum Beispiel bezeichnet einen Kranz aus Blättern, Blüten oder Zweigen, den man zu einem feierlichen, religiösen Fest auf dem Kopf trägt.

Korona mit K dagegen ist laut Duden eine Ansammlung von (meist jüngeren Menschen), die gemeinsam etwas unternehmen.

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In der Coronavirus-Krise gibt´s kein Rundum-Sorglos-Paket

Für Bernd und Roswitha Werner, die Hoteliers von Schloss Eberstein bei Gernsbach, hat das Wort seine Unschuld leider verloren. Das historische Gebäude, das hoch über dem Murgtal thront, ist eine der beliebtesten Hochzeits-Locations weit und breit. Besonders gefragt auch deshalb, weil das Standesamt der Gemeinde Gernsbach dort eine Außenstelle betreibt.

Seit dreieinhalb Jahren bekommen Hochzeitspaare auf dem Schloss das Rundum-Sorglos-Paket geboten. Heiraten und feiern an ein und demselben Ort. Das angeschlossene Hotel ermöglicht sogar die Unterbringung der Gäste auf dem Schloss.

Corona hat dem Hotelier und Sternekoch Werner die Saison allerdings gründlich verhagelt. Absagen oder Terminverschiebungen sorgen dafür, dass seine Frau und er derzeit alle Hände voll zu tun haben, auch wenn sonst nichts geht. Denn die Hochzeit der Hochzeiten steht bevor. „Von jetzt bis Oktober sind wir an jedem Wochenende ausgebucht gewesen“, sagt Werner.

Statt fröhlicher Hochzeits-Koronas stehen auf seiner Panorama-Terrasse jetzt nur leere Stühle.

Die Mitarbeiter sind daheim, die Kühlhäuser leer

Fast das gesamte Team aus 74 Männern und Frauen musste nach Hause geschickt werden. Dazu sind sämtliche Kühlhäuser leer geräumt. Wie es weitergeht? „Keine Ahnung“, sagt Werner. „Wir können nur hoffen, dass es bald wieder losgehen kann.“

Über den finanziellen Verlust mag der Geschäftsmann nicht sprechen. Dass eine Hochzeit auf Schloss Eberstein mit einem Menü aus der Sterneküche, Zimmern für die Gäste und einer rauschenden Party kein ganz günstiges Vergnügen ist, ist klar.

Wenn es um Hochzeiten geht, sind die Deutschen ohnehin nicht knickrig. Der schönste Tag im Leben ist für viele Paare auch der teuerste. Dem Bund Deutscher Hochzeitsplaner zufolge liegt das Budget einer Hochzeit im Durchschnitt bei 15.000 Euro. Den Gesamtumsatz der gesamten Hochzeitsindustrie schätzen Branchenkenner auf jährlich rund zwei Milliarden Euro.

Dienstleister unterschiedlich betroffen

Die Location ist dabei nur ein Kostenfaktor. Unzählige Dienstleister hängen noch in der Schleife. Fotografen, Trauredner, DJs, Hochzeitsbands oder Autoverleiher. Dazu kommen noch Juweliere, Hochzeitsausstatter und Druckereien für die Save-the-date-, die Einladungs- und schließlich auch die Dankeskarten.

Während Letztere das Geschäft schon lange im Vorfeld der Trauung machen, sind es vor allem Erstere, die jetzt durch Corona empfindliche und in vielen Fällen existenzbedrohende Einbußen hinnehmen mussten.

Trotzdem zeigen sich die meisten in der Krise kulant. „Wir haben fast überwiegend gute Erfahrungen gemacht“, sagen Leonie von Zastrow und Paul Schäfer. Eigentlich hätte das Paar am vergangenen Samstag in der Karlsruher Christuskirche heiraten wollen.

Das Versammlungsverbot aber hatte den beiden einen Strich durch die Rechnung gemacht. Statt die Hochzeit ganz zu stornieren, entschieden sich die beiden für einen neuen Termin im Oktober. „Von der Vermietung mit Catering bis hin zum Fotografen sind uns dabei eigentlich alle entgegengekommen“, sagt die Braut.

Wir brauchen zwei Jahren, um die Verluste wieder aufzuholen
Bernhard Zepf vom Hotel Restaurant Erbprinz in Ettlingen

Bernhard Zepf von einer anderen beliebten Hochzeits-Location, dem Erbprinz in Ettlingen, sind Terminverschiebungen allemal lieber als Absagen. Derzeit ist sein Event-Team damit beschäftigt, die Veranstalter privater Feiern zu kontaktieren, um einen neuen Termin zu vereinbaren.

Auch wenn viele Gäste dazu bereit seien, könne dies den Umsatzausfall der jetzigen Zeit aber nicht wett machen. „Selbst wenn das hier schnell vorbeigeht, brauchen wir zwei Jahre bis wir wieder auf dem Stand von vor der Krise sind“, sagt er bitter.

Notschalter im Standesamt Karlsruhe

Corona trotzen und trotzdem heiraten? „Manche Paare entscheiden sich auch für diese Variante“, sagt die Leiterin des Standesamts Karlsruhe, Anke Heim. Besonders romantisch fällt die Trauung am Notschalter allerdings nicht aus. Zugelassen sind nur das Paar und ein Standesbeamter, der hinter einer Plexiglasscheibe steht. Gäste müssen zu Hause bleiben. Bei einer kirchlichen Trauung dürfen maximal fünf Personen anwesend sein.

Thomas Schalla, der Dekan der Evangelischen Stadtkirche in Karlsruhe, hat bis Ostern keine Trauung auf dem Plan. „Vorerst gilt eine generelle Absage der Landeskirche für alle Gottesdienste bis Ende April. Wir gehen aber jetzt schon davon aus, dass es Juni wird“, sagt er.

Dann wird's halt eine Winterhochzeit
Laura Schnell, Braut aus Steinbach

Laura Schnell aus Steinbach will an ihrem Trautermin, dem 2. Mai, vorerst festhalten. „Wir haben aber auch einen Plan B“, sagt sie. Gemeinsam mit den Werners von Schloss Eberstein habe man einen Ausweichtermin am 12. Dezember auserkoren. Dass aus der Frühlingshochzeit ein Winterfest werden könnte, stört sie nicht. „Dann kaufe ich mir eben noch ein Jäckchen für übers Kleid.“

Leonie und Paul trauern ihrem verpatzten Hochzeitstermin nicht hinterher. Der neue Termin für Oktober steht. Ohnehin wollen die beiden in der Krise das Gute sehen. „Am vergangenen Samstag hätte es in Strömen geregnet und – wer weiß – vielleicht wird der Oktober ja golden.“

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