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Nach 95 Jahren

Viele Erinnerungen: Karlsruher Berufsfeuerwehr zieht in neue Wache um

Seit der Gründung der Karlsruher Berufsfeuerwehr im Jahr 1926 hatten die Brandschützer ihre Einsatzzentrale in der Ritterstraße. Nun beginnt der Auszug.

Ende einer Ära: 95 Jahre lang war der historische Billing-Bau an der Ritterstraße Einsatzzentrale der Karlsruher Berufsfeuerwehr. Am Montag begann der Umzug in die neue Wache am Oststadtkreisel. Foto: Jörg Donecker

Vor 37 Jahren hat Joachim Orloff als junger Mann das Schild mit der Aufschrift „Branddirektion“ und „Hauptfeuerwache“ am Eingangsbereich des historischen Gebäudes in der Ritterstraße angebracht. Nun ist der Feuerwehrmann 59 Jahre alt und geht Anfang Mai in Rente.

Als eine seiner letzten Amtshandlungen schraubte Orloff das Schild zum Auszug der Verwaltung am Montag wieder ab. „Damit schließt sich ein Kreis“, sagt er mit einem Lachen. Am Mittwoch folgt dann auch der Umzug der Einsatzeinheiten in die neue Hauptfeuerwache in der Zimmerstraße beim Oststadtkreisel.

„Mit der alten Wache sind sehr viele schöne Erinnerungen verbunden“, sagt Orloff. „Aber ich bin auch froh, dass ich die letzten Tage meiner Dienstzeit in dem neuen Gebäude erleben darf.“

Umzug mit lachendem und weinenden Auge

Auch für den Branddirektor Florian Geldner ist der Umzug mit einem „lachenden und einem weinenden Auge“ verbunden. „Die Alte Wache hat bis zuletzt ihre Pflicht getan“, sagt der Chef der Karlsruher Berufsfeuerwehr.

Es wäre schön, wenn sich die Geschichte des Katastrophenschutzes an dieser Stelle weiterdreht.
Florian Geldner, Branddirektor

Den Anforderungen einer zeitgemäßen Feuerwehr hat das von den Architekten Herrmann Billing und Friedrich Beichel entworfene und im Jahr 1926 in Betrieb genommene Gebäude in der Südweststadt aber schon lange nicht mehr erfüllt. Die wuchtigen Holztore waren für moderne Einsatzfahrzeuge schon seit einigen Jahren zu eng, und auch innerhalb des Gebäudes konnten nicht mehr alle Anforderungen an Arbeitsschutz und Einsatzeffizienz umgesetzt werden.

Insgesamt 90 Millionen Euro wurden deshalb in den Bau einer neuen Feuerwehrzentrale mit Integrierter Leitstelle investiert. In dem denkmalgeschützten Billing-Bau soll nach dem derzeitigen Sachstand ein Rettungszentrum für Organisationen wie das Deutsche Rote Kreuz eingerichtet werden.

Wache war für viele Feuerwehrleute ein zweites Zuhause

„Es wäre schön, wenn sich die Geschichte des Katastrophenschutzes an dieser Stelle weiterdreht“, sagt Geldner. Denn in den 95 Jahren seit der Gründung der Karlsruher Berufsfeuerwehr sei in dem Gebäude schließlich ein Stück Stadtgeschichte geschrieben worden. Bis zur Komplettsanierung Anfang der 1980er Jahre wurde die Wache sogar noch mit Festbrennstoffen beheizt, erinnert sich der langjährige Branddirektor Bernd Wichmann. „Und den Heizer hat man deshalb meist den ganzen Tag nicht zu Gesicht bekommen.“

Mit der alten Wache sind sehr viele schöne Erinnerungen verbunden.
Joachim Orloff, Feuerwehrmann

Doch nicht nur das Heizen mussten die Feuerwehrleute viele Jahre lang selbst übernehmen. „Man hat eigentlich alles selbst gemacht“, erzählt Wichmann. Ohnehin sei die Branddirektion für viele Feuerwehrleute eine Art zweites Zuhause gewesen. Für die jüngeren Kollegen standen nach Feierabend Faustballspiele im Innenhof auf dem Programm, die älteren spielten nach Dienstschluss Karten. Und in den Fernsehraum brachte der eine oder andere Kollege sogar seine Frau für einen gemütlichen Abend vor der Flimmerkiste mit. Der Röhrenfernseher der Branddirektion blieb übrigens nach einer Tombola in der Schwarzwaldhalle übrig und wurde dann von Oberbürgermeister Günther Klotz kurzerhand der Feuerwehr spendiert.

Dienstwohnungen gab es in der Nachbarschaft

Einige Jahre lang gab es in der Hauptfeuerwache sogar zwei Dienstwohnungen. „Die bauten Handwerker, die bei der Stadt Schulden hatten und diese abarbeiten mussten“, blickt der ehemalige Personalratsvorsitzende Reiner Schindler zurück in die Geschichte. Für viele Feuerwehrleute gab es in der Nachbarschaft auch günstige Dienstwohnungen. „Nur 32 Mark habe ich pro Monat dafür gezahlt“, erzählt der langjährige Wachvorsitzende Karl Heinz Hock.

Die Nähe von Wohn- zu Arbeitsort hatte ihren Grund. Erst 1973 wurde die Arbeitszeit der Feuerwehrleute auf 54 Wochenstunden reduziert. Missen möchte von den ehemaligen Brandschützern die Zeit in der Ritterstraße niemand. Der ehemalige Feuerwehrmann Klaus „Roger“ Handt erhielt auf eigenen Wunsch zu seinem 70. Geburtstag sogar ein besonderes Geschenk: eine Übernachtung im Schlafsaal der Feuerwache.

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