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Was macht Mode eigentlich zur Mode?

Von hui nach pfui - und wieder zurück: Warum „Buffalos“ jetzt wieder im Trend liegen

​Schulterpolster aus den 80ern, Plateau-Turnschuhe aus den 90ern: Influencer und Designer entdecken gerade die Modeerscheinungen vergangener Jahrzehnte wieder. Wer belebt solche alten Trends wieder? Und wie? Das Beispiel „Buffalo“ zeigt die Mechanismen.

Sieht aus wie die tölpelhafte Stiefschwester: Auch wenn die Beine rechts der Schauspielerin Helena Bonham Carter gehören, fragt man sich unweigerlich, ob sie diesen Trend nicht besser ausgelassen hätte. Foto: Michael Kappeler picture alliance / dpa

Der Buffalo-Trend war wirklich nicht jedermanns Sache. In den 90ern war es so: Bei jedem „Girlie“ (so bezeichneten sich je nach Gesinnung auch Frauen, die stramm auf die 40 zugingen) musste der Rock kurz sein, die Nieren sollten frei liegen - und der Schuh musste aussehen, als ob Mafiosi die Füße in Zement gegossen hätten.

Vorreiterinnen waren die Spice Girls, und junge Frauen auf der ganzen Welt machten es nach: Plateau-Sneakers - nach der bekanntesten Hersteller-Marke „Buffalos“ genannt - waren der letzte Schrei. Um die Jahrtausendwende verschwand der Schuh scheinbar auf Nimmerwiedersehen. Doch nun ist das Ungetüm plötzlich wieder da. Warum?

Die einfache Antwort ist: Weil der Schuh in Mode ist. Doch nun wird es komplizierter: Wer bestimmt eigentlich, was tragbar ist? Ein Kartell der Designer, dass sich in jeder Saison einmal heimlich an einem anonymen Ort trifft, mit Einlasskontrolle und Parole, um danach einmütig Schulterpolster, Puffärmel und Trampelschuhe aus der Versenkung zu holen?

Designer recherchieren auf Social-Media-Kanälen

Romantische Vorstellungen solcher Art kann man sich gleich aus dem Kopf schlagen. Raffaela Sulzner, eine der Kuratorinnen der Großen Landesausstellung „Fashion?! Was Mode zu Mode macht“ im Stuttgarter Landesmuseum Württemberg, weiß, wie Mode kreiert wird.

„Der Rechercheprozess für eine neue Kollektion beginnt oftmals auf den Social-Media-Kanälen angesagter Influencerinnen und Influencer“, erklärt die Expertin für Populär- und Alltagskultur. Dort sähen sich Modedesigner an, wie modebewusste Menschen ihre Outfits zusammenstellen - und erst danach bauten sie auf Basis dieser Erkenntnisse ihre eigenen Kollektionen auf.

Das hat die Mode in den letzten Jahren stark verändert, sagt Sulzner. „,Street Fashion’, die Kleidung, die wir in unserem Alltag tragen, hat für die Entstehung neuer Modetrends enorm an Bedeutung gewonnen.“ Das heißt: Mode kommt nicht mehr zwingend vom Laufsteg auf die Straße - immer häufiger nehmen neue Trends auch die umgekehrte Richtung.

Erst die Avantgardisten - dann die Masse

So war es jetzt wohl auch bei den „Buffalos“, die nach Meinung von Raffaela Sulzner zunächst vom allgemeinen Sneaker-Trend profitiert haben, dann aber auch massiv durch Modevorbilder in den Blickpunkt rückten. Eine Wiederauflage des einstigen Verkaufsschlagers gab es bereits 2017 - mutige Avantgardisten wie beispielsweise die Schauspielerin Helena Bonham Carter trugen die Klötze dort schon zur Abendgarderobe.

Doch massentauglich sind „Buffalos“ erst wieder, seit Internet-Fashionistas wie die Stuttgarter Zwillinge Lisa und Lena sie zum neuen Must-have erklärt haben. Die beiden haben gemeinsam mit der bekannten Schuhmarke ein eigenes Paar Plateau-Sneaker herausgebracht - sehr zum wirtschaftlichen Vorteil beider Parteien und unter der geballten Aufmerksamkeit der 15,5 Millionen Follower von Lisa und Lena.

Mode-Ausstellung in Stuttgart

Die Plateau-Sneaker von Buffalo und Lisa und Lena sind momentan in der Großen Landesausstellung „Fashion?! Was Mode zu Mode macht“ im Stuttgarter Landesmuseum Württemberg noch bis 25. April 2021 zu sehen. Aktuell kann die Schau virtuell im digitalen Showroom besichtigt werden. Weitere Infos zur Ausstellung unter www.landesmuseum-stuttgart.de.

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