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Gruppenführungen beliebt

Tag des offenen Denkmals in Karlsruhe: Ritter, Kutschen und Bauhaus

Am Denkmaltag öffneten wieder zahlreiche Kirchen, Kultureinrichtungen sowie Privathäuser ihre Türen für Besucher. Ein Schwerpunkt lag diesmal auf dem Jubiläum "100 Jahre Bauhaus". Dazu fanden vor allem in der Dammerstock-Siedlung mehrere Aktionen statt.

Auf großes Interesse stießen die Führungen in der Dammerstock-Siedlung beim "Tag des offenen Denkmals" 2019. Foto: Peter Sandbiller

Beim Tag des offenen Denkmals haben in Karlsruhe viele sonst verschlossene Orte ihre Türen geöffnet, das Interesse des Publikums war entsprechend hoch.

„Heute sind wir wieder ganz berühmt!“ Die Bewohnerin aus der Dammerstock-Siedlung kann sich ein Lachen nicht verkneifen. Dass Fremde neugierig unter ihrem Balkon entlang laufen oder die Hausfassade aufmerksam mustern, kennt sie schon. „Es gibt immer wieder Führungen, auch mit Architekturstudenten.“

Umringt von gut 70 Neugierigen

Gabriele Tomaszewski muss erst einmal durchatmen. Normalerweise führt sie Gruppen von maximal 25 Teilnehmern durch die Siedlung. Zu ihrer ersten von zwei Führungen am Tag des offenen Denkmals sieht sich die Frau von der Karlsruher Tourismus GmbH von gut 70 Neugierigen umringt. Spontan entscheidet sie noch eine dritte Führung anzubieten, und verteilt Kärtchen. Einige Besucher nehmen das Angebot an und wollen später wiederkommen. Alle anderen aber heften sich an Tomaszewskis Fersen und lauschen ihren Ausführungen über den 1929 als Bauausstellung eröffneten Dammerstock, über Walter Gropius, das Bauhaus und Neues Bauen.

Jubiläum "100 Jahre Bauhaus" stößt auf Interesse

„Modern(e): Umbrüche in Kunst und Architektur“ lautet das Motto des Denkmaltages, das einen besonderen Fokus auf das Jubiläum „100 Jahre Bauhaus“ legt. Und das stößt bei den Karlsruhern auf großes Interesse: Nicht nur die Führungen durch die Dammerstock-Siedlung sind stark nachgefragt, auch im Waschhaus herrscht reger Betrieb. Und wer die Gästewohnung im Laubenganghaus von Walter Gropius besichtigt möchte, muss Schlange stehen.

Blick in die Markgrafenresidenz

In anderen Stadtteilen locken ebenfalls Aktionen am Denkmaltag. Tausende architektur- und geschichtsinteressierte Karlsruhe besuchen Museen, besteigen Kirchtürme, schließen sich geführten Rundgängen an und lauschen Orgelkonzerten. Mancher freut sich, einen Blick in Gebäude zu erhaschen, die sonst für die Öffentlichkeit verschlossen sind.

So öffnet Daniel Beisel die Türen zur Markgrafenresidenz in der Kriegsstraße 212, die einst der Sitz der Brauerei Moninger war. Der Anwalt, der in dem 1880 errichteten Gebäude eine Kanzlei unterhält, führt die Besucher durch die Räume und hat auch viel Geschichte rund um die Traditionsbrauerei im Gepäck.

Ein Jugendstil-Juwel

Ein „Jugendstil-Juwel im Lumpengewand“ war die Augusta-Apotheke in der Karlstraße, als Sema Dehmer sie 2005 übernahm. Die Karlsruherin, die aus Istanbul stammt und zum Pharmaziestudium nach Deutschland kam, hat viel Herzblut in die Apotheke gesteckt, die sich im 1897 erbauten Eckwohnhaus befindet. „Ich wollte ein Stück Apothekengeschichte für Karlsruhe bewahren“, betont Dehmer, die immer wieder Besuchern Rede und Antwort steht. Die sind sehr angetan von Eichenholzschränken, Tresen, Wandstuck und dem Boden-Mosaik im Eingangsbereich, die einen besonderen Charme versprühen.

In Durlach sind die Ritter los

Menschentrauben bilden sich am Basler-Tor-Turm in Durlach. Im mittelalterlichen Hemd erzählt Denkmalpfleger Martin Wenz ein ums andere Mal die abenteuerliche Geschichte des Stadttors. Die „Jörg von Nördlingen-Ritterschaft Durlach“ um Christian von Jörg hat es aus dem Dornröschenschlaf geweckt. Die Besichtigung ist ein Privileg und atemberaubend.

Im Rittersaal im Basler-Tor-Turm betreuten Claudia Kößler (vorn) und Christian von Jörg (ganz hinten) die Besucher. Foto: Sandbiller

Brigitte Fliegauf aus der Bergwaldsiedlung hat mehr als 80 steile Sandsteinstufen erklommen, für jedes Lebensjahr eine. Nun staunt sie über den Rittersaal unter der Turmhaube, den Claudia Kößler in den typischen Leinenkleidern einer Bäuerin betreut. In den Etagen darunter: ein Schlafgemach mit Fellen, eine Waffenkammer.

„Sie war früher Gefängniszelle“, erklärt Mirko Felber im ritterlichen Gewand. Ingrid Leitz von den Freunden des Pfinzgaumuseum zeigt durch eine Glasluke, wo im 15. Jahrhundert nur eine Sprossenleiter ins Gemäuer führte. Fliegauf erinnert sich an die Phase des Roten Turms: „In der Zeit der Kommune bin ich mal drin gewesen.“ Stefan Schlütter aus Wolfartsweier hat ebenfalls die Neugier getrieben. Ist sie befriedigt? Fast fehlen ihm ein bisschen die Worte: „Ja, toll!“

Die Kutschenausstellung gibt es zum letzten Mal

In der Mittelstraße hat Peter Nordwig am Vormittag schon 200 Besucher in der Kutschenausstellung des Puppenvarieté-Künstlers Stephan Blinn gezählt. Einen robusten Einspänner, der ab 1897 am Bodensee rollte, umsteht eine Besuchergruppe im Hof. Vier Tage Vorbereitung steckte Blinn jedesmal in den Denkmaltag. Denn er hievt die prächtigen Kutschen seiner Sammlung mit einer Winde hoch und stellt sie um, damit Besucher mehr Platz haben. Viele wissen nicht, dass sie die Finissage besuchen. Doch Blinn hat sich entschieden: „Das ist das letzte Mal.“ Der Aufwand sei zu groß.

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