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Tipps und Tricks

Waldbronner Extremläufer Norman Bücher: So können sich Hobbysportler motivieren

Extremläufer Norman Bücher weiß, was Überwindung bedeutet. Der Waldbronner legt weltweit tausende Kilometer zu Fuß zurück und muss dafür hart trainieren. Für unsere Leser hat der Experte Tipps und ein Angebot für ein Training.

Der Waldbronner Extremläufer Norman Bücher ist weltweit unterwegs. Foto: Kleist

Die Coronakrise zwingt Menschen zum Nachdenken. Sie haben aufgrund von Kurzarbeit oder wegfallenden privaten Aktivitäten Zeit, sich Gedanken zu machen. So manch einem fällt dann ein, dass er ja schon immer mal Laufen gehen wollte. Und irgendwie lässt sich dieses Sportprogramm sicher in den Alltag integrieren. „Dass Leute coronabedingt Zeit für das Laufen gefunden haben, habe ich zuletzt häufig gehört”, sagt Norman Bücher.

Für den Extremläufer aus Waldbronn fallen derzeit viele Wettkämpfe weg. „Das merke ich auch”, sagt er. „Statt vier Stunden zu trainieren, lasse ich auch mal alle Fünf gerade sein.” Bücher muss sich in dieser Zeit auch ohne Wettkämpfe motivieren. Der Mann, der bei seinem Weltprojekt tausende Kilometer in sieben Kontinenten zurücklegen möchte, steht vor dem gleichen Problem wie ein Anfänger: Wie kann ich mich dauerhaft motivieren?

„Ziel kann auch zu hoch oder zu niedrig sein”

„Natürlich Freude ist die größte Motivation”, sagt Bücher. Man solle sich bewusst machen, wofür man läuft. „Ich habe geistig eine Collage vor Augen, wie ich durch das Ziel laufe.” Und ohne Wettkampf? „Ich habe ein Foto meiner Tochter dabei.” Es könne aber auch das Bild einer schönen Küste sein. „Weg vom Schmerz, hin zum positiven Element.”

Wer beim 20. Mal Laufen merkt, dass die Motivation eigentlich komplett fehlt, solle überlegen, die Sportart zu wechseln. „Die passt dann vielleicht eher.” Auch ein unpassendes Ziel kann aber zu einem Motivationsloch führen. „Es kann zu hoch oder auch zu niedrig gesteckt sein.”

Generell rät Bücher zu Teilzielen: „Nicht einmal hundert Kilometer am Stück, lieber hundert Mal einen Kilometer.” Ein erstes Teilziel könnten etwa vier Kilometer sein. „Auch einen Volkslauf oder Businesslauf mit Kollegen kann man anpeilen. Manche wollen abnehmen, ihre Sommerfigur oder ein besseres Lebensgefühl.” Bücher rät: „Ein Ziel setzen, an dem ich dran bleiben kann.”

Bücher spricht über den häufigsten Fehler

Bei einem Freund hat er mal erlebt, was ein zu hoch gestecktes Ziel anrichten kann. Der Läufer kroch bei einem Marathon entkräftet auf allen Vieren ins Ziel. „Es war sein letzter Marathon. Er hatte kein schönes Finalbild im Kopf, sondern dieses negative Erlebnis.”

Der häufigste Fehler: Man hat Lunte gerochen und möchte am Anfang zu schnell zu viel
Extremsportler Norman Bücher

Mit einem oder mehreren Freunden zusammen zu laufen, kann für Bücher auch ein Schlüssel sein. „Das hat mich am Anfang motiviert: Da steht jemand und wartet auf dich. Absagen fällt da schwer.” Mit Kopfhörern sieht man Bücher selten laufen. Er sagt aber: „Musik hat einen direkten Einfluss auf die Gefühlswelt. Das kann super sein.”

Doch für Menschen, die während der Corona-Zeit das Laufen für sich entdeckt haben oder es angehen wollen, ist nicht nur die Motivation wichtig. Es braucht auch Bedacht, wie Bücher sagt: „Der häufigste Fehler: Man hat Lunte gerochen und möchte am Anfang zu schnell zu viel.” Statt auf der Strecke mal zu laufen, mal zu gehen, „wird der Kopf rot gelaufen”. Diese Intensität sei am Anfang zu hoch.

„An Laufschuhen sollte man nicht sparen”

„Aber da nehme ich mich nicht raus”, sagt der Waldbronner. Er kennt die Situation am Start eines Wettkampfs, die Zuschauer, die Musik. „Da ist der Verstand hinten angestellt und man lässt sich mitreißen.” Dabei sei es besser, wenn man im zweiten Teil des Rennens noch Reserven habe und schneller werden kann.

Wer untrainiert überdreht, riskiert auch eine Muskelverletzung. „Im Worst-Case kann es aufs Herz schlagen. Das ist nicht häufig, kam aber alles schon vor.”

Welche Strecke ist die richtige? „Blutigen Anfängern empfehle ich ein flaches Terrain.” Ob Asphalt, Waldweg oder Wiese könne jeder Läufer nach Belieben entscheiden.

Eine besondere Ausrüstung braucht es jedenfalls nicht. Kompressionstrümpfe, High-Tech-Uhr oder atmungsaktiver Anzug sind zu Beginn nicht nötig. „Man kann auch mit einem Baumwoll-Leibchen laufen”, sagt Bücher. Nur eines sei ganz wichtig: „An Laufschuhen sollte man nicht sparen.” Diese gebe es für 70 bis 120 Euro, Bücher rät zu einer Beratung im Fachhandel. Mit den passenden Schuhen steht dem Lauftraining dann aber nichts mehr im Wege.

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