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Shopping im Advent

Weihnachtsgeschäft und hohe Inflationsrate: Was erwarten die Einzelhändler der Region?

Wenn es zu warm ist, kaufen die Menschen weniger warme Klamotten. Wenn keine Maske getragen werden muss, wird auch viel öfter wieder zum Lippenstift gegriffen. Wie ist die Lage im Einzelhandel?

Geschenke in einem Einkaufszentrum
Die kommenden Wochen sind für den Einzelhandel enorm wichtig. Die Erwartungen sind allerdings, je nach Branche, sehr unterschiedlich. Foto: Michael Reichel / dpa

Jahresendspurt für den Einzelhandel. Das Weihnachtsgeschäft – nach Branchendefinition umfasst es November und Dezember – ist für die Branche enorm wichtig. Beim Spielwareneinzelhandel hat es traditionell einen Anteil von 40 Prozent am Jahresgesamtumsatz. Ein Überblick.

Der Handelsverband Nordbaden

Mit gemischten Gefühlen blicke der Handel auf die kommenden Wochen, sagt die Karlsruherin Petra Lorenz, die Präsidentin des Handelsverbandes Nordbaden ist. „Die steigenden Ausgaben für Energie und Inflation trüben die Kauflaune und werden sich auf den privaten Konsum auswirken“, befürchtet sie.

Lebensmitteleinzelhändler, Anbieter von Unterhaltungselektronik und Drogeriehändler rechnen laut Lorenz mit einem guten Weihnachtsgeschäft. Dem Mode- und Schuhhandel machten hingegen die bislang viel zu warmen Temperaturen zu schaffen. Mit Lieferschwierigkeiten kämpfe neben dem klassischen Handel auch der Online-Handel.

Lorenz macht zudem einen Trend aus: Seit einigen Jahren verlagere sich das Weihnachtsgeschäft in die Zeit „zwischen den Jahren“, also zwischen den Weihnachtsfeiertagen und dem 6. Januar.

Der Modehandel

Steffen Jost spricht wegen der aktuellen Krisen von schwierigen Rahmenbedingungen. Dennoch gehe der stationäre Modehandel „mit vorsichtigem Optimismus in das diesjährige Weihnachtsgeschäft“, sagt der Präsident des „BTE Handelsverband Textil, Schuhe, Lederwaren“, der unter anderem in Bruchsal ein Modehaus betreibt. „Wir haben beobachtet, dass die Nachfrage nach wärmender Bekleidung sofort anzieht, wenn die Temperaturen sinken“, so Jost weiter.

In seiner Branche gebe es relativ wenige Lieferprobleme und nur moderate Preissteigerungen für die Ware. Jost rechnet in diesem Winter mit einer höheren Nachfrage nach kuscheligen Pullis, Decken und Hausschuhen. „Schließlich haben viele Menschen ihre Heizung heruntergedreht.“ Auch das Interesse an Festmode dürfte wieder steigen, weil wieder in größerer Gemeinschaft gefeiert werden könne.

Der Spielwareneinzelhandel

„Nach den überdurchschnittlichen Wachstumsraten der beiden Corona-Jahre kommt der Spielwarenmarkt jetzt wieder in der Normalität an“, sagt Steffen Kahnt, Chef des Branchenverbandes BVS. Er rechnet mit einem Umsatzrückgang von rund fünf Prozent in diesem Jahr, verglichen mit dem Vorjahr. „Aber auch in diesem Jahr möchte niemand auf strahlende Kinderaugen verzichten. Die vergangenen Krisen haben es gezeigt, Eltern und Großeltern geben ihren letzten Euro für die Kleinsten aus.“

Die Liefersituation habe sich im Vergleich zum Vorjahr deutlich entspannt. Hoch im Kurs liegen laut Kahnt Spielzeuge mit Lern- und Fördercharakter.

Die Parfümerien

„Make-up und Lippenstift sind deutlich gefragter als noch vor einem Jahr“, sagt Barbara Summerer. Das liege am Ende der Maskenpflicht in vielen Bereichen, so die Präsidentin des Bundesverbandes Parfümerien/Handelsverband Kosmetik. Kundinnen und Kunden kämen auch wieder deutlich häufiger in die Geschäfte. „Gerade junge Männer entdecken zunehmend das Thema Duft“, sagt Summerer.

Zeiten politischer Verunsicherung und wirtschaftlicher Verwerfungen seien immer gute Zeiten für die Branche gewesen, bezieht sich Summerer auf die Balkankriege und die Finanzkrise 2008/2009. „Wenn große Investitionen zurückgestellt werden, boomt der Luxus im Kleinen.“ Dennoch gibt es auch Herausforderungen: Die Lieferketten seien, gerade bei Bestsellern, teils noch unterbrochen. Und Warenhäuser sind wichtige Verkaufsstellen für Parfüm und Kosmetik. Hier ist die Lage – Stichwort Galeria Karstadt Kaufhof – bekanntlich unsicher.

Der Online- und Versandhandel

Die Lockdowns während der ersten Corona-Jahre haben das Wachstumstempo vieler Onlinehändler beschleunigt. Jetzt sei es gedrosselt. „Sollte der Trend auch im Weihnachtsgeschäft anhalten, das gut ein Drittel des Jahresgeschäfts ausmacht, wird der E-Commerce erstmals mit einem Minus aus dem Jahr gehen“, sagt Gero Furchheim, Präsident des Branchenverbandes bevh. Verglichen mit der Vor-Corona-Zeit lägen die Umsätze aber immer noch auf einem positiven langfristigen Wachstumspfad.

Aus Furchheims Sicht gewinnt der Onlinehandel gerade bei hoher Inflation an Bedeutung, denn nirgendwo seien Angebote besser vergleichbar als im Internet.

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