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Neues Produkt für Down Under

Wie eine Pfälzerin aus Landau Australien für den Flammkuchen begeistern will

Die elsässische Spezialität ist auf der anderen Seite der Welt kaum bekannt. Karin Greenslade will das ändern. Sie backt in Australien einen Flammkuchen nach dem nächsten und bringt die Menschen in Down Under allmählich auf den Geschmack.

Das deutsch-australische Ehepaar Karin und John Greenslade will Flammkuchen in Australien populär machen. Foto: Hirschel

Karin Greenslade aus der Pfalz will Flammkuchen in Australien populär machen. Ihre Familie hat daher den Wohnort von Nußdorf nach Down Under verlegt und lässt nicht nun mit tiefgefrorenen Teigplatten aus Deutschland beliefern.

Die Idee klingt verrückt. So verrückt, dass selbst Karin Greenslade lachen muss, wenn sie davon erzählt. Flammkuchen – der gehört zum Elsass. Zu Frankreich. Zu Europa. Aber wohl kaum der Flammkuchen zu Australien. Oder doch?

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Karin Greenslade steht im Garten ihres Hauses im pfälzischen Nußdorf. Die Rheinebene liegt ihr zu Füßen, in der Ferne lässt sich Karlsruhe erahnen. Sie liebt diesen weiten Blick. Trotzdem verbringt sie nur noch wenige Wochen im Jahr hier. Die Pfälzerin lebt mit Mann und Kindern in Australien. Sie hat sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Sie will den Menschen auf der anderen Seite der Welt Appetit auf Flammkuchen machen.

Die elsässische Spezialität ist dort kaum bekannt. Doch Greenslade träumt davon, dass in wenigen Jahren die herzhafte Tarte auf vielen australischen Speisekarten steht, Flammkuchen in Sydney oder Melbourne genauso selbstverständlich zum Wein gegessen wird wie in Straßburg oder Landau.

Sie tingelt daher im Südosten Australiens von Weingut zu Weingut, spricht mit Hoteliers und preist auf Verbrauchermessen „Flammkueche“ an. „Die Australier sind gierig auf neue Produkte“, sagt Greenslade.

Plötzlich kam da dieser Geschäftsmann mit dem Flammkuchen

Wäre ihr vor ein paar Jahren prophezeit worden, dass sie einmal als Flammkuchen-Botschafterin auftreten würde – die 50-Jährige hätte es für einen Scherz gehalten. Der Zufall ließ sie in diese Rolle schlüpfen. Karin Greenslade und ihr Mann John sind Touristiker.

Die Zwei haben viele Jahre den Norden Australiens, das Northern Territory, als Reiseland vermarktet. Sie, die Pfälzerin, beackerte von Nußdorf aus die deutschsprachigen Länder. Er, der Australier, saß in der Zentrale in Sydney und lenkte sämtliche touristischen Auslandsvertretungen des Territoriums.

Irgendwann funkte es zwischen ihnen. Sie heirateten, gründeten in Nußdorf eine Familie und waren weiterhin für das Fremdenverkehrsamt des Northern Territorys tätig. Außerdem eröffneten sie in dem Landauer Stadtteil ein kleines Hotel, die Villa Delange.

2017 sollte ihr Australien-Jahr werden. Ein Jahr – und nicht länger – wollte das Paar mit ihren damals zehnjährigen Zwillingen in Johns Heimat verbringen. Dass sie nun allerdings noch immer in Adelaide wohnen, nicht mehr für das Northern Territory werben und das Hotel aus der Ferne steuern, hat mit Frank Wambsganss zu tun.

Der Geschäftsmann stammt aus Nußdorf und hatte von den Auslandsplänen des deutsch-australischen Paares gehört. Karin Greenslade wiederum wusste, dass Wambsganss im südpfälzischen Hauenstein eine Firma gehört, die sich als globaler Marktführer für Flammkuchen bezeichnet.

Pfälzer Unternehmen beliefert die Welt mit Flammkuchen-Böden

Gusto Palatino produziert unweit der Burg Trifels Woche für Woche fast eine Million Flammkuchenböden, die das Unternehmen dann meist unbelegt als Frisch- oder Tiefkühlware an Restaurants und den Großhandel liefert.

Doch keineswegs nur innerhalb Deutschlands. Gefragt sind die dünnen Fladen auch in Spanien und Kanada. Und selbst aus Thailand und China kommen Bestellungen. Warum also nicht das Produkt in Australien einführen? Plötzlich stand diese Idee im Raum.

Sauerrahm, Zwiebeln und Speck gehören auf den traditionellen Flammkuchen. Foto: dpa

Karin Greenslade schmunzelt, wenn sie zurückdenkt. „John und ich wussten von Flammkuchen nur, dass er gut schmeckt“, sagt sie. Aber nicht, dass Zwiebeln, Speck und Sauerrahm für den traditionellen Belag unverzichtbar sind. Oder dass es als Frevel gilt, den ovalen Fladen wie eine Pizza aufzuschneiden.

Das Paar beherrschte jedoch etwas Anderes: Marketing. Und es konnte mit einem Pfund wuchern: gute Kontakte in die Hotellerie Australiens.

So kam es, dass die Familie nicht nur mit vielen Koffern auf die Südhalbkugel reiste. Zu ihrem Gepäck gehörten auch tragbare Backöfen. Für den zweiten Schritt. Denn zunächst mussten Hausaufgaben erledigt werden. Marktanalyse, Werbestrategie, Netzwerken – das stand in den ersten Monaten auf der Agenda.

Belächelt wurden sie dabei nicht. Im Gegenteil: „Australien ist so abgeschieden vom Rest der Welt, dass das Interesse an Neuem groß ist“, erklärt John Greenslade.

Markteinführung dauert bis zu fünf Jahre

Dennoch war der Anfang schwer. „Man benötigt einen langen Atem und muss bei einer Markteinführung mit drei bis fünf Jahren Anlaufzeit rechnen“, weiß Wambsganss, der die Arbeit der beiden aus der Ferne verfolgt und sie mit dem nötigen Know-how in puncto Lebensmittel versorgt.

Jedes Land hat seine eigenen Regeln. „In Kanada zum Beispiel müssen Backwaren mit Vitaminen angereichert werden“, sagt der Firmeninhaber. Die dünnen Teigplatten nach Australien zu exportieren, sei dagegen unkompliziert. Kopfzerbrechen bereitet dort allerdings der Belag, denn aus Deutschland darf kein Schweinespeck eingeführt werden.

So kann Gusto Palatino ausschließlich die vorgebackenen Böden nach Adelaide schicken. Tiefgefroren reisen sie in Containern auf dem Seeweg um die Welt.

Rund 90.000 Flammkuchen, deren Grundlage in der Pfalz produziert wurden, haben die Australier inzwischen verzehrt. Auf Messen, Festen und Märkten.

Die Greenslades nutzen in Adelaide und der Umgebung der Hauptstadt des Bundesstaates South Australia jede Gelegenheit, um für „Flammkueche“ – sie entschieden sich für diesen Produktnamen – zu werben. Vor den Augen Neugieriger belegen sie die gelieferten Böden und schieben sie in die Backöfen.

Mittlerweile gibt es den "Flammkueche" in einigen Foodtrucks

Der Duft der frischen Kuchen soll dafür sorgen, dass die Marketingmaschine immer stärker in Schwung kommt. Und die Nachfrage irgendwann so groß ist, dass die Greenslades nicht mehr selbst neben den Öfen stehen müssen. Andere sollen die Tarte für sie verkaufen. Sie selbst wollen nur als Zwischenhändler agieren.

Erste Partner sind gefunden. So bieten einige Foodtrucks nun Flammkuchen an. „Allmählich öffnet sich eine Tür nach der anderen“, sagt Karin Greenslade. Von ihrem eigentlichen Ziel ist die Pfälzerin allerdings noch ein weites Stück entfernt.

Geht es nach ihr, bestellt die Gastronomie bald so viele Böden, dass Gusto Palatino eine Niederlassung in Australien eröffnet und die Teigplatten dort produziert statt um die Welt zu schicken.

Ob die Familie solange in Adelaide bleibt? Karin Greenslade zuckt mit

den Schultern. Vorläufig jedenfalls ist Deutschland nur ein Urlaubsziel. Die Pfälzerin lässt den Blick über die Rheinebene schweifen. „Durch den Flammkuchen habe ich in Australien ja ein Stück Heimat dabei.“

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